
Enge und Warten im Tempelhof
Leben im Flüchtlingsheim zermürbt Menschen
Drei Tote nach Alkoholvergiftung, Suizide und schwere Konflikte: Tempelhof zeigt nicht nur individuelle Krisen, sondern auch, wie Enge, Isolation und Perspektivlosigkeit das Leben in großen Unterkünften für Geflüchtete belasten.
Dienstag, 07.04.2026, 13:06 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 07.04.2026, 14:43 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
In der Großunterkunft für Flüchtlinge auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof hat es bereits mehrere Todesfälle gegeben. Unter anderem seien im vergangenen Jahr drei Geflüchtete nach einer Alkoholvergiftung gestorben, sagte ein Sprecher des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) auf dpa-Anfrage. Außerdem habe es zwei Suizide gegeben, einen 2025 und einen weiteren in diesem Jahr, beide außerhalb der Flüchtlingsunterkunft.
In diesem Jahr sei es außerdem zu zwei Suizidversuchen gekommen. Zuerst hatte der „Tagesspiegel“ darüber berichtet. In der Notunterkunft auf dem ehemaligen Flughafengelände gebe es eine Gruppe von 50 bis 60 Menschen, die insbesondere mit dem Konsum von Alkohol Probleme hätten, sagte der Sprecher. Dabei handle es sich in der Regel um ältere Menschen mit einer „längeren Historie“ beim Thema Alkoholmissbrauch.
Die Senatorin für Arbeit, Soziales und Integration, Cansel Kızıltepe (SPD) versicherte auf dpa-Anfrage: „Alle Vorfälle werden dokumentiert, jeder Vorfall wird konsequent aufgearbeitet.“ Nur so sei es möglich, gegen Missstände vorzugehen.
Kızıltepe: „Keine guten Voraussetzungen“
„Wir wissen, dass Notunterkünfte wie in den Tempelhofer Hangars keine guten Voraussetzungen für die Integration geflüchteter Menschen sind“, räumte Kızıltepe ein. „Weil wir die Einrichtung aber aktuell nicht schließen können, haben wir im Rahmen der Möglichkeiten eine Reihe von Verbesserungen umgesetzt, die den Menschen dort das Leben erleichtern sollen.“
Zum einen seien mehr Beschäftigte eingestellt worden, die Russisch und Ukrainisch sprechen. „Es gibt aufsuchende Beratung für Menschen, die viel Alkohol trinken.“ Es seien inzwischen auch mehr in der Ukraine ausgebildete Psychologinnen und Psychotherapeutinnen im Einsatz, die insbesondere Menschen mit Traumata unterstützen sollen. „In den Containern leben nur noch maximal drei Menschen, nicht mehr vier wie früher.“
Bei Auseinandersetzungen ist oft Alkohol im Spiel
Nach Angaben des Sprechers sind in Containern in den Hangars und davor derzeit rund 1.050 Menschen untergebracht. Neben dieser Notunterkunft gibt es noch Tempohomes genannte Wohncontaineranlagen mit rund 775 weiteren Geflüchteten.
An der Situation für Geflüchtete auf dem Flughafengelände gab es unter anderem wegen der beengten Verhältnisse in der Vergangenheit immer wieder Kritik. Streit und Frustration eskalieren dort regelmäßig.
Jeden Monat eine gravierende Auseinandersetzung
Im Durchschnitt einmal im Monat komme es zu Auseinandersetzungen, sagte der LAF-Sprecher. „Das sind die Fälle, die so gravierend sind, dass sie direkt an das LAF gemeldet werden wie zum Beispiel beim Einsatz eines Messers.“
„Wenn es zu Auseinandersetzungen kommt, dann ist oft auch Alkohol mit im Spiel“, so der Sprecher weiter. „Wir reden hier über harten Alkohol. Das ist wirklich eine Herausforderung für die Leute, die da arbeiten.“ Alkoholkonsum in der Unterkunft ist nicht erlaubt – aber außerhalb des Geländes nicht zu kontrollieren. (dpa/mig) Leitartikel Panorama
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