
Wüst bittet um Entschuldigung
Hunderte erinnern am 20. Jahrestag NSU-Opfer Kubaşık
20 Jahre nach dem NSU-Mord an Mehmet Kubaşık erinnert Dortmund nicht nur an ein Verbrechen. Im Zentrum stehen auch falsche Verdächtigungen, behördliches Versagen und die Frage, warum vollständige Aufklärung bis heute aussteht. NRW-Ministerpräsident Wüst bittet um Entschuldigung.
Montag, 06.04.2026, 13:26 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 06.04.2026, 13:26 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Mit einem stillen Gedenken und einer Kundgebung haben am Samstag in Dortmund knapp 500 Menschen an die Ermordung von Mehmet Kubaşık vor 20 Jahren erinnert. Der aus der Türkei stammende Einzelhändler war am 4. April 2006 vom rechtsextremen Terrornetzwerk „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) in seinem Kiosk erschossen worden. Die Neonazis hätten Kubaşık, der sich mit seiner Frau und seiner Familie ein neues Leben aufgebaut und Dortmund zu seiner Heimat gemacht habe, kaltblütig und aus Hass ermordet, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) in einer Ansprache.
Die Familie Kubaşıks habe unfassbares Leid, aber auch Verdächtigungen und Diffamierungen ertragen müssen, erklärte Wüst. Der Staat habe aus Opfern zeitweise Verdächtige gemacht. „Dafür bitte ich Familie Kubaşık im Namen des Landes Nordrhein-Westfalen um Entschuldigung“, sagte der Ministerpräsident. „Mehmet Kubaşık war einer von uns.“ Die Erinnerung an ihn mahne alle zu entschlossenem Handeln: „Hass und Hetze haben in unserem Land keinen Platz.“
Fehler bei den Ermittlungen aufarbeiten
Der Demonstrationszug mit rund 450 Teilnehmenden führte von Kubaşıks Kiosk zum Mahnmal für die NSU-Opfer am Dortmunder Hauptbahnhof. Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) sagte bei der anschließenden Kundgebung, Rassismus dürfe niemals stärker als der Rechtsstaat sein. Bei den Ermittlungen zum Fall Kubaşık habe es eine systematische und strukturelle Vorverurteilung gegeben. Nun gelte es, die Fehler zu erkennen, aufzuarbeiten und die Konsequenzen daraus zu ziehen. Erst das schaffe wieder Vertrauen.
„Heute geht es auch um das Versprechen an die Familie Kubaşık, dass wir Aufklärung wollen und dass so etwas nicht mehr passieren darf“, betonte Kalouti. Vor der Kundgebung kamen etwa 50 Menschen zu einem stillen Gedenken zusammen. Neben Familienangehörigen und Freunden des Ermordeten nahmen auch Oberbürgermeister Kalouti und der türkische Generalkonsul Taylan Özgür Aydın teil und legten Blumen am Gedenkstein für den Ermordeten ab.
Fast alle NSU-Opfer waren Migranten
Auch Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund erinnerte an das Verbrechen von 2006 und alle Opfer rassistisch motivierter und rechter Gewalt. „Unser Gedenken ist nicht nur ein Akt der Erinnerung, sondern ein klares Bekenntnis zu einer offenen, solidarischen und vielfältigen Stadtgemeinschaft – und gegen rechtsextremen Terror, Ausgrenzung und Demokratiefeindlichkeit“, erklärte Vereinspräsident Hans-Joachim Watzke.
Die NSU-Mordserie begann am 9. September 2000. Bis 2007 wurden zehn Menschen von der Terrorgruppe getötet, neun von ihnen hatten eine Migrationsgeschichte. Kubaşık war das achte Todesopfer, er wurde in seinem Kiosk erschossen aufgefunden. Fälschlicherweise wurde er anfangs von Ermittlern krimineller Machenschaften verdächtigt, auch die Witwe und Tochter waren jahrelang falschen Verdächtigungen ausgesetzt. Erst mit der Enttarnung der NSU-Mitglieder wurde in Richtung rechtsextremer Täter ermittelt. Die NSU-Mordserie zählt mit zu den prägendsten rechtsextremen Terrortaten der deutschen Nachkriegsgeschichte. (epd/mig) Aktuell Panorama
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