
22 Tote vor Kreta
Italien bestraft „Sea-Watch 5“ nach Rettungseinsatz
Nach der Rettung von rund 100 Menschen setzt Italien die „Sea-Watch 5“ fest und verhängt 10.000 Euro Strafe. Fast zeitgleich sterben vor Kreta 22 Menschen nach Tagen auf See ohne Wasseer – zwei Meldungen, die das Elend im Mittelmeer brutal bündeln.
Montag, 30.03.2026, 15:04 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 30.03.2026, 15:04 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Nach der Rettung von Dutzenden Menschen aus dem Mittelmeer ist die „Sea-Watch 5“ für 20 Tage festgesetzt worden. Zudem hätten die italienischen Behörden eine Strafe von 10.000 Euro verhängt, erklärte die Organisation Sea-Watch am Montag weiter in Berlin. Die Seenotretter hatten Mitte März rund 100 Flüchtlinge und Migranten an Bord geholt und sie nach tagelangem Ringen um einen sicheren Hafen nach Trapani auf Sizilien gebracht.
Der Einfahrt in Trapani war ein Streit mit den italienischen Behörden vorausgegangen. Diese hatten dem Schiff zunächst den mehr als 1.100 Kilometer vom Rettungsort entfernten und deutlich weiter im Norden gelegenen Hafen Marina di Carrara zugewiesen, was die Crew aufgrund der großen Entfernung ablehnte.
Zudem hatten sich die Retter nach eigenen Angaben geweigert, mit libyschen Milizen zu kommunizieren. Diese brächten Geflüchtete „in Systeme willkürlicher Haft und Folter zurück“. Sea-Watch befolge keine Anweisungen, die internationalen Konventionen und Menschenrechten widersprechen, betonte die Organisation.
Protest gegen „Sabotage-Maßnahme“
Die Festsetzung sei nun eine „vorhersehbare Maßnahme zur Sabotage ziviler Seenotrettung“, erklärte Sea-Watch. Italiens Anweisungen seien Teil des sogenannten Piantedosi-Dekrets, mit dem die Seenotrettung im zentralen Mittelmeer behindert werden solle. „Wer ihnen folgt, gefährdet Menschenleben – wer sich widersetzt, wird sanktioniert.“
Dabei zählt das Mittelmeer zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Geflüchtete und Migranten stechen in häufig nicht seetauglichen Booten aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen oder Tunesien in See, in der Hoffnung, Europa zu erreichen. Eine staatlich organisierte Rettungsmission gibt es nicht. Lediglich die Schiffe privater Seenotretter halten Ausschau nach in Not geratenen Menschen.
Nach Tagen auf See und ohne Wasser: 22 Migranten gestorben
Wie dringend der Ausschau nach Booten in Seenot ist, zeigte zuletzt ein dramatischer Fall vor der südlichen Küste der griechischen Urlaubsinsel Kreta. Dort sind mindestens 22 Menschen nach mehreren Tagen auf See gestorben. Überlebende hätten den Behörden geschildert, dass die Menschen während einer mehrtägigen Drift im offenen Meer ohne Trinkwasser starben und man ihre Leichen nacheinander über Bord geworfen habe, berichtete der griechische Rundfunk ERTNews unter Berufung auf die Küstenwache.
26 Menschen überlebten das Unglück. Sie wurden von der Besatzung eines Schiffes der EU Grenzschutzagentur Frontex in der Nähe von Kreta geborgen. Die Menschen werden derzeit medizinisch versorgt und registriert.
Irrfahrt zwischen Libyen und Kreta
Nach Angaben der Überlebenden irrten sie rund sechs Tage lang zwischen der libyschen Hafenstadt Tobruk und Kreta, wie es weiter heißt. Unter ungünstigen Wetterbedingungen wurde ihr Boot manövrierunfähig. Schlepperbanden setzen in dieser Region immer wieder Menschen ins offene Meer, oft ohne ausreichende Versorgung und Navigationsmöglichkeiten.
Seit Beginn des Jahres wurden laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bei Versuchen, das Mittelmeer zu überqueren, bereits mehr als 800 Tote oder Vermisste gemeldet. Allein im Februar kamen mindestens 18 Menschen auf der rund 300 Kilometer langen Überfahrt von Libyen nach Kreta ums Leben. Offiziere der griechischen Küstenwache gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. (epd/dpa/mig) Aktuell Panorama
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