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Trauer am Tatort nach dem Tod von Mouhamed durch Polizeischüsse © MiG

Dortmund

Bündnis fordert Aufenthalt für Brüder von Mouhamed Dramé

Mouhamed Dramé kam mit 16 Jahren durch Polizeischüsse ums Leben. Der Polizeieinsatz warf viele Fragen auf. Seine beiden Brüder kamen für den Prozess aus Senegal nach Dortmund – und müssen jetzt um ihren Aufenthalt in Deutschland bangen. Ein Bündnis fordert Bleibeperspektive für die beiden.

Dienstag, 10.02.2026, 14:11 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 10.02.2026, 14:11 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Ein Dortmunder Bündnis setzt sich mit einem offenen Brief für eine gesicherte Bleibeperspektive der Brüder des 2022 von einem Polizisten erschossenen Mouhamed Dramé ein. Der 39 Jahre alte Sidy Dramé und sein 26 Jahre alter Bruder Lassana waren vor zwei Jahren aus dem Senegal nach Dortmund gekommen, um als Nebenkläger dem Prozess um die Aufarbeitung des tödlichen Polizeieinsatzes beizuwohnen. Ihre Aufenthaltserlaubnis ist nach Angaben des Bündnisses allerdings Ende Januar abgelaufen.

In einem offenen Brief fordern die Unterzeichner – darunter etwa der Dortmunder Stadtdirektor Jörg Stüdemann, Vertreter der Grünen und Linken sowie zahlreiche Initiativen, Vereine, Kulturschaffende und Rechtsanwälte – eine Verlängerung und langfristige Sicherung des Aufenthalts der beiden Brüder sowie Arbeitserlaubnisse.

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Der Fall Mouhamed Dramé – noch kein juristischer Abschluss

Ihr jüngerer Bruder Mouhamed Dramé war im August 2022 mit fünf Schüssen aus einer Maschinenpistole von einem Polizisten erschossen worden. Das Landgericht Dortmund war Ende 2024 zu dem Urteil gelangt, der Schütze habe aus Notwehr gehandelt, weil er irrtümlicherweise davon ausging, der Jugendliche habe ihn angreifen wollen.

Der 16-jährige Geflüchtete aus dem Senegal war mit einem Messer gegen sich selbst gerichtet im Innenhof einer Jugendhilfeeinrichtung aufgefunden worden und hatte auf Ansprache nicht reagiert. Als die Polizei Pfefferspray gegen ihn einsetzte, soll er sich laut offizieller Erzählung auf die Beamten zubewegt haben. Auch Taser hätten ihn nicht gestoppt, dann fielen die Schüsse. Neben dem Schützen sprach das Landgericht vier weitere an dem Einsatz beteiligte Polizeibeamte frei. Die Staatsanwaltschaft und die Familie Dramé legten Revision ein.

Sowohl der Polizeieinsatz als auch der Prozess stehen in der Kritik. Bei dem Einsatz hätte Polizei die Lage unnötig eskaliert. Manche bezweifelten sogar, dass Schüsse überhaupt gefallen wären, wenn das Opfer ein blonder, deutscher Jugendlicher gewesen wäre. Außerdem wurden widersprüchliche Angaben der Polizei zum Tathergang bekannt. Die Entscheidung wurde kritisiert, weil sie Beobachtern zufolge sich in ein Muster fügt, wonach Polizisten nur ganz selten verurteilt werden.

Für Brüder ist Dortmund längst Lebensmittelpunkt

Im offenen Brief heißt es, beide Brüder hätten dem Prozess mit beeindruckender Stärke und Würde beigewohnt – „ihre Enttäuschung über die ausgebliebenen Konsequenzen sei groß“. Im noch laufenden Revisionsverfahren sowie für die kontinuierliche Gedenkarbeit und politische Begleitung seien „ihre Präsenz und ihr Wirken als Angehörige essenziell“, argumentieren die Unterzeichner.

Zudem hätten sie in Dortmund seit ihrem Ankommen ein Zuhause gefunden. Sie besuchen demnach Deutschkurse, engagieren sich ehrenamtlich und haben Arbeitsangebote erhalten, die nur noch der Zustimmung der Ausländerbehörde bedürften. „Die Stadt ist trotz – oder vielleicht sogar wegen – ihrer schicksalhaften Geschichte für die beiden zum Lebensmittelpunkt geworden.“

Den Brüdern in Dortmund eine Zukunft zu ermöglichen, sieht das Bündnis auch als Zeichen der Solidarität: „Gerechtigkeit ist mehr als das, was vor Gericht geurteilt wird“, heißt es in dem Brief. (dpa/mig) Aktuell Panorama

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