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KI-generiertes Symbolbild: Schweinkopf vor Moschee

Rostock

Schweinekopf vor Moschee – mit brisanter Vorgeschichte

Vor einer Moschee in Rostock ist ein Schweinekopf abgelegt worden – nicht der erste Fall in der Stadt. Der Staatsschutz ermittelt. Birsant: Kürzlich hatte ein ehemaliger Rostocker AfD-Politiker von einer AfD-internen Chatgruppe berichtet, in der eine ähnliche Aktion verabredet worden sein soll.

Dienstag, 18.08.2026, 20:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 18.08.2026, 20:12 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |  

Der Schweinekopf wurde am Samstagmorgen gegen 8.30 Uhr neben dem Eingang der Al-Nour-Moschee im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel entdeckt. Nach Angaben der Polizei wurde er vermutlich zwischen Freitag, 14.30 Uhr, und Samstagmorgen dort abgelegt. Die Kriminalpolizei sucht Zeugen. Auch Beobachtungen zwischen 8.30 und 9 Uhr am Samstag seien für die Ermittlungen von Bedeutung.

Nach Angaben einer Polizeisprecherin ermittelt der Staatsschutz. Im Raum steht der Verdacht auf eine Straftat nach Paragraf 166 Strafgesetzbuch – Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen. Laut NDR geht die Kriminalpolizei von einer möglicherweise politisch motivierten Straftat aus. Wer den Schweinekopf abgelegt hat und welches Motiv dahintersteht, ist bislang unbekannt.

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Ex-AfD-Fraktionschef berichtete von Schweinekopf-Plänen

Eine inhaltlich ähnliche Episode hatte Anfang Juni in der Rostocker Kommunalpolitik für Aufmerksamkeit gesorgt: Der damalige Vorsitzende der AfD-Fraktion in der Rostocker Bürgerschaft, Toni Marten, hatte die Partei verlassen. Als Grund nannte er nach eigenen Angaben zunehmend rechte Tendenzen innerhalb der AfD.

Dabei berichtete Marten gegenüber dem NDR von einem bemerkenswerten Vorgang: In einer AfD-internen Chatgruppe hätten sich nach Martens Darstellung Mitglieder dazu verabredet, Schweineköpfe vor einer Moschee abzulegen, um den dortigen Gläubigen zu zeigen, dass sie unerwünscht seien. Zu der geplanten Aktion sei es allerdings nicht gekommen, sagte Marten damals.

Zwischen diesem Bericht vom 5. Juni und dem jetzigen Fund liegen gut zwei Monate. Einen Zusammenhang zwischen der damals von Marten geschilderten Chat-Unterhaltung und dem aktuellen Vorfall gibt es nach bisherigem Kenntnisstand nicht. Es gibt insbesondere keine öffentlich bekannten Hinweise darauf, dass Mitglieder der AfD oder Teilnehmer der von Marten beschriebenen Chatgruppe an der Tat beteiligt waren.

Schon 2019 Schweinekopf gegen dieselbe Gemeinde

Hinzu kommt allerdings eine weitere Vorgeschichte. Bereits im Februar 2019 waren auf einem damals für einen Moscheebau vorgesehenen Grundstück am Rostocker Holbeinplatz Teile eines Schweins abgelegt worden, darunter ein Schweinekopf. Auch damals nahm der Staatsschutz Ermittlungen auf. Das Grundstück war als möglicher neuer Standort für den Islamischen Bund Rostock vorgesehen.

Damit richtete sich bereits der damalige Vorfall gegen das Umfeld derselben muslimischen Gemeinde, deren Moschee jetzt in Toitenwinkel betroffen ist. Nach Angaben des Vorsitzenden des Islamischen Bundes, Ahmed Maher Fakhouri, waren die Verantwortlichen für den Vorfall am Holbeinplatz auch Jahre später nicht ermittelt worden.

Muslime kritisieren niedrige Aufklärungsquoten

Diese Aussage berührt eine Kritik, die muslimische Verbände seit Langem äußern. Bereits 2019 beklagte der Islamrat in einem Bericht über antimuslimischen Rassismus ausdrücklich eine geringe Aufklärungsquote bei Angriffen auf Moscheen. Gemeinden berichteten dem Verband demnach, häufig nicht über den Fortgang von Ermittlungen informiert zu werden oder deren Ausgang nicht zu erfahren. Teilweise entstehe der Eindruck, Angriffe würden von Ermittlungsbehörden nicht ernst genug genommen. Der Islamrat warnte, ausbleibende Aufklärung könne Täter ermutigen, das Vertrauen der Betroffenen in die Behörden beschädigen und dazu führen, dass weitere Vorfälle gar nicht mehr angezeigt werden.

Auch die Allianz CLAIM spricht bis heute von Defiziten bei Erfassung, Aufklärung und Strafverfolgung antimuslimischer Hasskriminalität. Beratungsstellen berichteten zuletzt von erheblichem Misstrauen Betroffener gegenüber staatlichen Institutionen. Der Zentralrat der Muslime forderte 2025, antimuslimische Straftaten konsequenter zu verfolgen und Moscheegemeinden besser zu schützen.

Wie viele Fälle aufgeklärt werden, bleibt unklar

Wie erfolgreich solche Straftaten tatsächlich aufgeklärt und vor Gericht gebracht werden, lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Statistiken allerdings nur eingeschränkt ablesen. Für das erste Halbjahr 2026 registrierten die Sicherheitsbehörden bundesweit 231 islamfeindliche Straftaten und ermittelten 127 Tatverdächtige; zu Festnahmen kam es nicht. 194 der Taten wurden dem Bereich der politisch rechts motivierten Kriminalität zugerechnet. Wegen einer technischen Umstellung sind die Zahlen zudem noch vorläufig.

Die Zahl der Tatverdächtigen ist dabei keine Aufklärungsquote. Wie viele Ermittlungen später eingestellt, wie viele Tatverdächtige angeklagt und wie viele schließlich verurteilt werden, wird für islamfeindliche Straftaten nicht zeitnah und durchgehend ausgewiesen. So erklärte die Bundesregierung noch für den Zeitraum Januar bis Mai 2025, ihr lägen zu eingeleiteten Verfahren, Einstellungen und Verurteilungen keine entsprechenden Erkenntnisse vor; auch die allgemeine Strafverfolgungsstatistik unterscheidet Straftaten nicht nach einem islamfeindlichen Tatmotiv. Damit lässt sich öffentlich weder durchgehend nachvollziehen, wie viele islamfeindliche Straftaten aufgeklärt werden, noch wie viele der Verfahren später zu einer Anklage oder Verurteilung führen.

Suche nach einem Moschee-Standort – und die AfD

Der Islamische Bund Rostock besteht seit 1998. Jahrelang nutzte die Gemeinde eine Baracke in der Erich-Schlesinger-Straße. Weil die Räume für die gewachsene Gemeinde nicht mehr ausreichen, sucht der Verein seit vielen Jahren nach einem geeigneten Standort für eine größere Moschee. Die Al-Nour-Moschee in der Salvador-Allende-Straße wurde erst Anfang dieses Jahres eröffnet. Sie befindet sich in einer ehemaligen Filiale der OstseeSparkasse. Nach Angaben des Islamischen Bundes handelt es sich weiterhin um eine Zwischenlösung. Die Gemeinde hatte zuvor nach eigenen Angaben rund 20 mögliche Standorte geprüft.

Mit dem aktuellen Vorfall steht dieser politische Streit nach bisherigem Kenntnisstand in keinem bekannten Zusammenhang. Die Suche nach einem dauerhaften Standort wurde über Jahre allerdings auch von politischen Auseinandersetzungen begleitet. Besonders die AfD machte gegen die Pläne des Islamischen Bundes mobil. Als 2019 ein städtisches Grundstück am Holbeinplatz als möglicher Moscheestandort bekannt wurde, initiierte die Rostocker AfD ein Bürgerbegehren. Bei einer von der AfD organisierten Demonstration gegen den Moscheebau sammelte die Partei dafür Unterschriften. Ein AfD-Redner erklärte dort ausdrücklich: „Wir wollen keine Moschee in Rostock.“

Ihren Widerstand setzte die AfD aber fort. Auf ihrer eigenen Internetseite stellte der Kreisverband die Standortdebatten als Erfolge des eigenen „entschiedenen und nachhaltigen Widerstands“ dar und kündigte an, auch gegen neue Pläne weiter vorzugehen. In einem weiteren Aufruf erklärte die Partei, der Neubau einer Moschee auf städtischem Grund solle „nachhaltig“ verhindert werden. (mig) Aktuell Panorama

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