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Szene aus dem Video © repubblica.it

Wut und Trauer

Proteste in Italien nach Polizeieinsatz gegen Abderradim Fakir

Der Tod eines Marokkaners bei einer Polizeikontrolle bewegt seit dem Wochenende das ganze Land. Bei Protesten werden mindestens elf Menschen verletzt. Italiens Innenminister nimmt die Polizei in Schutz. Erstmals meldet sich auch Ministerpräsidentin Meloni zu Wort.

Von Dienstag, 21.07.2026, 12:13 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 22.07.2026, 12:33 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

In Italien ist es nach dem Tod eines Einwanderers bei einem Polizeieinsatz zu teils gewalttätigen Protesten gekommen. In den meisten Städten verliefen Kundgebungen friedlich. In Bologna jedoch, wo der 42-jährige Marokkaner starb, wurden bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten mindestens elf Menschen verletzt, wie die Rettungskräfte in der Nacht mitteilten. Die Polizei sprach am Morgen danach von 64 verletzten Ordnungskräften.

In Rom versicherte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nach zweitägigem Schweigen Transparenz zu den Umständen des Todes. „Es ist eine Pflicht, etwaige Verantwortlichkeiten mit äußerster Strenge aufzuklären“, erklärte die rechte Regierungschefin. „Die Wahrheit muss bis zum Grund erforscht werden. Aber nichts kann Gewalt gegen Ordnungskräfte rechtfertigen.“ Meloni sprach davon, dass versucht worden sei, Bologna mit seinen annähernd 400.000 Einwohnern „in Schutt und Asche zu legen“. Innenminister Matteo Pantedosi sprach zuvor von einer „großen Tragödie“. Zugleich betonte er: „Wer sich voreilig gegen die Polizeikräfte äußert, hat weder Vertrauen in die Polizei noch in die Justiz.“

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Die Regierung marokkanische Regierung forderte in Rabat schnellstmögliche Aufklärung. Der Tod des 42-jährigen Abderrahim Fakir müsse „vollständig aufgeklärt“ werden, erklärte am Dienstagabend das marokkanische Außenministerium. Die Verantwortlichen müssten identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden.

Vergleiche mit Tod von Schwarzem 2020 in den USA

Der Tod des Marokkaners Abderradim Fakir, der seit mehr als 30 Jahren in Italien lebte, beherrscht seit Sonntag in Italien die Schlagzeilen. Auf den Demonstrationen gab es immer wieder Rufe wie „Wahrheit und Gerechtigkeit“. Dort war von exzessiver Polizeigewalt die Rede, bis hin zu Vorwürfen eines staatlichen Mordes. Viele in Italien ziehen Vergleiche mit dem Fall des Schwarzen George Floyd, der im Mai 2020 in den USA bei einem Polizeieinsatz starb.

Der Marokkaner war am Sonntag auf einer Straße in Bologna ums Leben gekommen. Auf einem Video ist zu sehen, wie er von zwei Polizisten auf den Boden gedrückt wird. Seine Hände sind auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt. Mehrfach ruft er: „Hilfe! Genug, genug!“ Die Beamten lassen jedoch erst nach mehreren Minuten von ihm ab, als er sich bereits nicht mehr bewegt. Ein Notarzt stellte dann seinen Tod fest.

Vorermittlungen gegen beteiligte Polizisten und Sanitäter

Aufschluss erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion der Leiche. Zudem wurde die Körperkamera (Bodycam) eines der beiden beteiligten Beamten der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch das Video, mit dem ein Nachbar die Szene dokumentierte, ist in deren Besitz. Die Polizei war am Sonntag in der Mittagszeit zu dem Einsatz gerufen worden, weil der Mann aggressiv aufgetreten sein soll. Eine Polizeigewerkschaft berichtete, dass er wegen verschiedener Delikte polizeibekannt gewesen sei.

Gegen die zwei Polizisten laufen inzwischen Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung – ebenso wie gegen vier Sanitäter, die die Szene dem Video zufolge zunächst nur beobachtet hatten. Für die Beamten greift eine Regelung aus Italiens neuem Sicherheitsgesetz: Anders als gewöhnliche Verdächtige wurden sie nicht direkt in ein Ermittlungsregister eingetragen, sondern in ein gesondertes Vorregister. Ihr Anwalt nannte die beiden Polizisten «sehr junge und sensible Männer, die natürlich erschüttert sind».

Molotowcocktails und Tränengas

Dieses Vorregister wurde vor allem für Fälle geschaffen, in denen Polizisten oder andere Amtsträger bei der Ausübung ihres Dienstes Gewalt anwenden und auf den ersten Blick ein Rechtfertigungsgrund dafür vorzuliegen scheint. Erst wenn sich später zeigt, dass dieser Rechtfertigungsgrund doch nicht greift, wird ein reguläres Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Entscheidung darüber liegt bei der Staatsanwaltschaft.

Kritiker sehen darin eine Begünstigung für Polizisten, die übertrieben Gewalt anwenden. Auch auf den Kundgebungen wurde die Regelung kritisiert. In Bologna versammelten sich am Montagabend mehrere Tausend Menschen zu einem friedlichen Protest. Anschließend kam es jedoch zu Krawallen zwischen einer kleineren Gruppe und der Polizei. Einige Demonstranten warfen Flaschen und Molotow-Cocktails auf die Polizei. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Mindestens ein Auto ging in Flammen auf.

Bürgermeister verurteilt Ausschreitungen

Nach Angaben der Rettungsdienste aus der Nacht wurden sechs Polizisten und fünf Demonstranten verletzt. Zwei davon mussten ins Krankenhaus. Am Vormittag berichteten die Behörden von 64 verletzten Ordnungskräften. Neue Angaben zur Zahl der verletzten Demonstranten gab es nicht.

Bolognas linker Bürgermeister Matteo Lepore verurteilte die Ausschreitungen. Zugleich warf er in der Tageszeitung „La Repubblica“ der Regierung in Rom vor, nicht angemessen zu reagieren. „Ich höre ein großes Schweigen“, sagte Lepore. Ministerpräsidentin Meloni ging später vor allem auf die gewalttätige Demonstration ein. Sie schrieb: „Ein Klima des Hasses und der Delegitimierung gegenüber einem gesamten staatlichen Organ zu schüren, ist ein Akt der groben Verantwortungslosigkeit.“ (dpa/mig) Aktuell Ausland

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