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Yad Vashem (Archiv) © Gil Cohen-Magen/AFP

Antisemitismus

Yad Vashem in München: Kritik an Unabhängigkeit

Yad Vashem will erstmals Außenstellen außerhalb Israels eröffnen: ein Bildungszentrum in München und eine Dependance in Leipzig. Während Politiker die Entscheidung begrüßen, warnen Fachleute vor offenen Fragen zu Unabhängigkeit, Transparenz und geschichtspolitischer Deutung.

Sonntag, 31.05.2026, 12:39 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 31.05.2026, 12:39 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Die Internationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem will zwei Niederlassungen in Deutschland gründen. Geplant ist ein Bildungszentrum in München und eine Dependance in Leipzig, wie die Gedenkstätte am Donnerstag in Jerusalem mitteilte. Das neue Bildungszentrum soll demnach in drei Jahren öffnen. Die Pläne stoßen auf viel Zustimmung in der Politik.

Der Vorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan, erklärte, eine historisch fundierte Holocaust-Bildung sei wichtiger denn je, da Überlebende des Holocaust als Zeitzeugen bald nicht mehr zur Verfügung stünden. Die Wahl Münchens als Geburtsstätte der NSDAP und „Hauptstadt der Bewegung“ habe eine tiefe symbolische Bedeutung.

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Erste Außenstellen außerhalb Israels

Die Niederlassungen in München und Leipzig sind die ersten außerhalb Israels. Neben Leipzig und München hatten sich auch Köln und Düsseldorf beworben. Das Bildungszentrum in München soll am Karolinenplatz im Zentrum von München errichtet werden, wie es hieß. Yad Vashem wurde 1953 gegründet und versteht sich als „lebendiges Denkmal des jüdischen Volkes für den Holocaust“.

Die Dependance in Leipzig soll im bereits bestehenden Ariowitsch-Haus ihren Platz finden, einem Ort der Bildung, Kultur und Begegnung. Die Ministerpräsidenten aus Bayern und Sachsen freuten sich über die Entscheidung der Gedenkstätte. Bayern werde für Yad Vashem ein gutes Zuhause sein, erklärte Regierungschef Markus Söder (CSU). Sein sächsischer Amtskollege Michael Kretschmer (CDU) erklärte, die Pläne seien für sein Bundesland eine große Ehre und zugleich Verpflichtung. Leipzig könne auch eine „Brücke nach Osteuropa“ sein.

Idee entstand 2023

Die Idee für das Bildungszentrum in Deutschland wurde erstmals 2023 bei einem Treffen zwischen Dayan und dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vorgebracht. Die schwarz-rote Koalition hatte das Projekt ebenfalls unterstützt.

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte, gerade junge Menschen in Deutschland wüssten zu wenig über die Schoah und die systematische Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus. „Das Wissen über das, was war, ist wichtig, um das Übel in der Zukunft zu verhindern.“

Leipziger OB: Geht auch um persönliche Geschichten

Die Europäische Rabbinerkonferenz mit Sitz in München erklärte, die Zentren würden dabei helfen, das Bewusstsein für die Schoah in die nächste Generation zu tragen. In einer Zeit wachsender antisemitischer Bedrohungen sei Bildung der entscheidende Schlüssel.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) betonte, es gehe nicht nur um Bildung sowie um Aufklärung zur NS-Zeit und zum Holocaust, sondern auch um persönliche Geschichten. „Wenn es uns nicht gelingt, auch emotional junge Menschen anzusprechen, dann werden wir scheitern“, sagte er.

Neuer Standort mitten im alten NSDAP-Viertel

Yad Vashem erklärte, für München habe man sich unter anderem wegen der hohen Sicherheitsstandards und der finanziellen Zusicherung der bayerischen Regierung entschieden. In der Nähe des Karolinenplatzes befindet sich bereits das NS-Dokumentationszentrum. Es steht am ehemaligen Standort des „Braunen Hauses“, der Parteizentrale der NSDAP. In seiner Nachbarschaft entstand nach 1933 ein weitläufiges Parteiviertel mit Verwaltungsgebäuden, Zentralbehörden und Nebenstellen der Partei.

Meron Mendel sieht Yad Vashem in Deutschland kritisch

Der jüdische Publizist und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main, Meron Mendel, wünscht sich eine kritische Diskussion über die neuen Niederlassungen. Die in Jerusalem ansässige Forschungs- und Gedenkstätte sei nicht unabhängig, sondern der israelischen Regierung unterstellt, sagte Mendel am Freitag im Deutschlandfunk. Aktuell sei diese Regierung von Rechtsradikalen dominiert.

Der Erziehungswissenschaftler äußerte die Sorge, dass die Arbeit von Yad Vashem davon beeinflusst wird. Konkret sagte Mendel, die israelische Regierung habe ein „klares Interesse“ an einem Antisemitismusbegriff, der Kritik am Staat Israel als antisemitisch einstuft. Mendel sagte, beim Blick auf aktuelle Formen von Antisemitismus sei die Bewertung von Yad Vashem ganz anders als der Konsens darüber in Deutschland. Es bestehe die Möglichkeit, dass auch eine der Regierung unterstellte Einrichtung entsprechende Deutungsmuster übernehme. „Es wäre gut, wenn wir kritisch darüber diskutieren“, sagte der Bildungsstätten-Direktor.

Er hätte sich schon bei der Planung eine enge Kooperation mit einer deutschen Einrichtung vorstellen können und nannte beispielhaft das NS-Dokumentationszentrum in München als möglichen Partner für eine Art Joint Venture.

Yad Vashem in München: Gedenkstätten-Direktor skeptisch

Der Stiftungsdirektor der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, hat sich ebenfalls skeptisch zu den Plänen geäußert. Die Voraussetzungen für Bildungsarbeit zu NS-Verbrechen seien in Deutschland und Israel „vollkommen unterschiedlich“, erläuterte der Historiker. „Ich habe eher gemischte Gefühle bei dem ganzen Vorgang.“

Er fügte in dem Gespräch auf Bayern 2 hinzu: „Ich möchte insgesamt kritisieren an dem Vorgang, dass es ein extrem intransparenter Vorgang gewesen ist, wie diese Außenstelle von Yad Vashem nach Deutschland gekommen ist.“ Mit den deutschen Gedenkstätten sei zudem nur sehr oberflächlich gesprochen worden. „Was dieses Bildungszentrum inhaltlich machen soll, das ist völlig unklar.“

Zudem könne zumindest der Gedanke naheliegen, dass die israelische Regierung geschichtspolitische Interessen verfolge. „Und da wäre ich tatsächlich sehr vorsichtig. Da muss man ein Fragezeichen dahinter setzen: Was ist eigentlich das Ziel? Leider Gottes wissen wir darüber sehr wenig.“ (epd/dpa/mig) Aktuell Panorama

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