
Studie
Junge Migrantinnen fühlen sich besonders unsicher
Nicht nur Straftaten selbst prägen das Sicherheitsgefühl. Wo Vertrauen in Polizei, Justiz und Politik fehlt, wächst die Kriminalitätsfurcht – besonders stark bei jungen Frauen mit Migrationsgeschichte und nach Erfahrungen mit Hasskriminalität.
Mittwoch, 15.04.2026, 13:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 15.04.2026, 13:19 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Junge Frauen mit Migrationshintergrund haben nach einer aktuellen Studie des Instituts für Kriminologie der Universität Heidelberg die größte Furcht vor Kriminalität. Noch vor 20 Jahren sei diese Angst bei älteren Frauen am stärksten verbreitet gewesen, sagte der Heidelberger Kriminologe Dieter Hermann am Dienstag beim 31. Deutschen Präventionstag in Hannover. „Diese gehören heute zur Gruppe mit der geringsten Angst vor Straftaten.“ Für die Studie, die der Professor bei dem Kongress vorstellte, wurden jeweils rund 3.000 bis 5.000 Einwohner von Stuttgart, Mannheim, Heidelberg und Heilbronn ab 14 Jahren befragt.
Nach Hermanns Worten ist die subjektive Interpretation einer Situation entscheidend für die Furcht vor Kriminalität und nicht das reale Risiko, Opfer einer Straftat zu werden. Für das Sicherheitsgefühl spielen der Studie zufolge verschiedene Faktoren eine Rolle: Je mehr die Bürgerinnen und Bürger der Polizei, der Justiz und der Politik vertrauten, umso geringer sei die Furcht vor Kriminalität. Und je höher sie die eigene Lebensqualität einschätzten, umso sicherer fühlten sie sich.
Vertrauen in Staat mindert Angst – und umgekehrt
Umgekehrt sei bei geringem Vertrauen in staatliche Institutionen und niedriger Lebensqualität die Angst vor Kriminalität besonders groß, sagte Hermann. Wer in den vergangenen fünf Jahren Hasskriminalität in Form von Beleidigungen, körperlichen Angriffen oder sexueller Belästigung erlebt habe, der fürchte sich deutlich mehr vor Kriminalität als Opfer anderer Straftaten oder Menschen ohne solche Erfahrungen.
Auch Schmutz und Müll sowie betrunkene und respektlose Menschen im Stadtbild tragen der Studie zufolge zum Unsicherheitsgefühl bei. Das lasse sich jedoch verändern, betonte Hermann: „2024 wurden in Heilbronn Messer- und Waffenverbotszonen eingeführt. Danach konnten wir einen signifikanten Rückgang bei der Kriminalitätsfurcht feststellen.“
AfD-Wähler am änglichsten
Nach seinen Worten ist auch die politische Präferenz von Bedeutung. Der Studie zufolge fühlen sich Wähler der Grünen am sichersten. Bei AfD-Wählern ist dagegen die Furcht vor Kriminalität am größten. „Alle Studien zu Ursache und Wirkung von Kriminalitätsfurcht zeigen, dass Menschen mit hoher Kriminalitätsfurcht überdurchschnittlich häufig für autoritaristische Parteien stimmen“, sagte der Forscher: „Kriminalprävention verbessert nicht nur die subjektive Sicherheitslage, sondern dient auch der Stabilisierung der Demokratie.“
Zum 31. Deutschen Präventionstag kamen Montag und Dienstag rund 3.000 Fachleute aus Verwaltung, Wissenschaft, Politik, Justiz, Polizei, Sozialarbeit im hannoverschen Kongresszentrum zusammen, um darüber zu beraten, wie der Kriminalität vorgebeugt werden kann. Das Schwerpunktthema lautete „Künstliche Intelligenz in der Prävention“. (epd/mig) Aktuell Panorama
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