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Universität Osnabrück © Clemens.Ratte-Polle, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

„Wichtiger Schritt“

Erste muslimische Seelsorger schließen Ausbildung in Osnabrück ab

Im Februar werden die ersten Studierenden am Islamkolleg in Osnabrück den Kurs für muslimische Seelsorger absolvieren. Direktor Uçar spricht von einem wichtigen Schritt. Bisher gibt es kaum oder keine muslimische Seelsorger in Gefängnissen, in Krankenhäusern oder in der Bundeswehr.

Sonntag, 15.01.2023, 16:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 16.01.2023, 5:45 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Am Islamkolleg in Osnabrück geht der erste bundesweite Kurs für muslimische Seelsorger in Deutschland zu Ende. 32 Teilnehmer schließen damit die im Februar vergangenen Jahres begonnene berufsbegleitende Ausbildung ab, wie das Islamkolleg am Freitag mitteilte. „Dies bedeutet einen wichtigen Schritt zur Professionalisierung islamischer Seelsorge“, sagte der Wissenschaftliche Direktor Bülent Uçar.

Die Absolventen wurden in sieben Präsenzwochenenden in Osnabrück und Mannheim, durch digitale Lehrveranstaltungen und Supervisions-Sitzungen ausgebildet. Zudem absolvierten sie Praktika in Krankenhäusern, Justizvollzugsanstalten und ähnlichen Einrichtungen. Sie können unter anderem in der muslimischen Gefängnisseelsorge, der Krankenhausseelsorge oder der Seelsorge in der Bundeswehr tätig werden, hieß es.

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In der Bundeswehr gibt es Schätzungen zufolge 3.000 muslimische Soldaten. Eine muslimische Seelsorge gibt es nicht. Zum Vergleich: Für die 250 bis 300 jüdische Soldaten bei der Bundeswehr sind zehn Militärrabbiner vorgesehen. Im Januar wurde erstmals in Deutschland ein Militärrabbiner verbeamtet.

Islamkolleg in der Kritik – Studierende unzufrieden

Die Ausbildung richtet sich laut Islamkolleg insbesondere an Personen mit abgeschlossenen Ausbildungen, etwa ein Studium der Islamischen Theologie, eine religionspädagogische Ausbildung oder ein Sozialpädagogik-Studium. Auch Personen, die passende Kompetenzen, etwa aus Tätigkeiten in Beratungszentren, nachweisen können, kommen den Angaben zufolge in Betracht. Das 2021 offiziell eröffnete erste deutsche Islamkolleg in Osnabrück bildet bundesweit Imame und religiöses Betreuungspersonal aus.

Das Islamkolleg in Osnabrück steht in der Kritik, weil die Ausbildung nicht im Einvernehmen mit islamischen Religionsgemeinschaften erfolgt. So werde das Prinzip der religiösen und weltanschaulichen Neutralität des Staates zum Nachteil der Muslime umgangen, heißt es. Dem Staat wird vorgeworfen, einen genehmen Islam zu schaffen und Imame auszubilden, die mangels Akzeptanz in Moscheegemeinden kaum eine Chance haben werden, tatsächlich als Imam akzeptiert zu werden. Einer jüngsten Studie zufolge ist die Unzufriedenheit bei den Studierenden groß. (epd/mig)

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