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Dürre (Symbolfoto) © Tama66 @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Weltklimakonferenz

Deutschland investiert weitere Millionen in weltweite Energiewende

Mit Investitionszusagen für eine schnelle weltweite Energiewende nähert sich die Weltklimakonferenz in Scharm el Scheich dem Endspurt. Doch die Musik spielt woanders.

Von Dienstag, 15.11.2022, 19:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 16.11.2022, 6:05 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Die Industriestaaten wollen mit weiteren Großinvestitionen die weltweite Energiewende beschleunigen. Während beim G20-Gipfel der Industrie- und Schwellenländer auf Bali mit Indonesien eine milliardenschwere Partnerschaft zum Umbau des Stromsektors auf erneuerbare Energien vereinbart wurde, sagte Deutschland am Dienstag auf der Weltklimakonferenz in Scharm el Scheich Millionen für den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft auch in Entwicklungsländern zu. Im Widerspruch dazu stehen allerdings wachsende Investitionen in den Gassektor.

Die wichtigsten Botschaften des Tages kamen schon am Morgen aus Bali: Die erste war, dass Indonesien, das zu den größten Klimasündern der Welt gehört, die Energiewende beschleunigen will und dafür mit Industrieländern eine sogenannte „Just Energy Transition Partnership“ vereinbart hat. Das Land will bis 2050 in der Stromerzeugung das Netto-Null-Emissionen-Ziel erreichen, zehn Jahre früher als ursprünglich vorgesehen. Das Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien soll verdoppelt werden, damit der grüne Sektor bis 2030 mindestens 34 Prozent der Stromerzeugung ausmacht. Dafür sollen in den kommenden drei bis fünf Jahren von Industriestaaten sowie über Privatinvestitionen umgerechnet knapp 20 Milliarden Euro in den Inselstaat investiert werden.

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Schulze: „Guter Tag für das Klima“

Der US-Klimagesandte John Kerry sagte am Rande der UN-Klimakonferenz, Indonesien gehe damit international mit gutem Beispiel voran. Die Vereinbarung werde eine tiefgreifende Wirkung auf die Menschen in dem Land haben und ihnen auf dem Weg zu einer sauberen Wirtschaft helfen. Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) sprach von einem „guten Tag für das Klima“. Ohne große Schwellenländer wie Indonesien könne die 1,5-Grad-Celsius-Grenze bei der Erderwärmung nicht gehalten werden.

Die zweite wichtige Nachricht von Bali war, dass die USA und China als Hauptverursacher von Treibhausgasen miteinander reden. US-Präsident Joe Biden erklärte auf der Online-Plattform Twitter, beide Länder hätten die gemeinsame Verantwortung, bei dringenden globalen Herausforderungen zusammenzuarbeiten.

Weitere 550 Millionen Euro für Energiewende

Derweil machte Deutschland bei der Weltklimakonferenz Zusagen zur Förderung von grünem Wasserstoff. So sollen weitere 550 Millionen Euro für den Aufbau neuer Wasserstofffonds der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bereitgestellt werden: Ein Entwicklungsfonds soll dabei Wasserstoff-Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern fördern, ein Wachstumsfonds den globalen Markthochlauf und den Aufbau von Infrastruktur beschleunigen.

Solche Ankündigungen stehen im krassen Gegensatz zu dem Bild, das ein neuer Bericht zeichnet, wonach in Afrika seit 2017 Gebiete im Umfang von 886.000 Quadratkilometer für die Erkundung neuer Öl- und Gasfelder genehmigt wurden. Das ist eine Fläche etwa so groß wie die Staatsgebiete von Italien und Frankreich zusammen. Laut dem von Urgewald und anderen Organisationen erstellten Report werden die Ausgaben für die Öl- und Gasexploration in Afrika im laufenden Jahr weiter steigen.

Hilfsorganisation fordert „klares Bekenntnis“

Auch der erste Entwurf für den gemeinsamen Beschluss der UN-Klimakonferenz lässt befürchten, dass Hintertüren für Kohle, Erdöl und Gas offen gelassen werden. Der Klimaexperte der Hilfsorganisation Care International, Sven Harmeling, forderte, das Abschlussdokument müsse „ein klares Bekenntnis“ zum weltweiten Ausstieg aus den fossilen Energien sein. Bislang sei aber nur vage von Energiewende und Erneuerbaren die Rede, der Begriff fossile Energien komme nicht vor, sagte er dem „Evangelischen Pressedienst“.

Immerhin setzt sich nach Angaben des Direktors des Berliner Büros des UN-Welternährungsprogramms (WFP), Martin Frick, allmählich die Erkenntnis durch, dass „Hunger und Klima zwei Seiten derselben Medaille sind, sowohl beim Problem als auch bei der Lösung“. Die Verhandlungen bei der Klimakonferenz, wo auch klimabedingte Schäden und Verluste auf der Agenda stehen, dauern noch bis zum Ende der Woche an. (epd/mig)

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