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Erinnerungsort Olympia-Attentat in München © Rufus46, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

28 statt 10 Millionen Euro

Olympia-Attentat: Einigung mit Angehörigen über Entschädigung

Das Gedenken an die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 drohte wegen eines Streits über Entschädigungen zu einem Fiasko zu werden. Nun gibt es eine Einigung zwischen Bundesregierung und Hinterbliebenen. Deutschland zahlt 28 statt der bisher angebotenen zehn Millionen Euro.

Donnerstag, 01.09.2022, 15:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 01.09.2022, 11:39 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Kurz vor der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Münchner Olympia-Attentats hat sich die Bundesregierung mit den Hinterbliebenen auf Entschädigungszahlungen geeinigt. Regierungssprecher Steffen Hebestreit teilte am Mittwoch in Berlin mit, man habe sich mit den Angehörigen auf eine „Gesamtkonzeption anlässlich des 50. Jahrestags“ verständigt. Dazu gehöre auch die Bereitstellung weiterer Anerkennungsleistungen durch den Bund, das Land Bayern und die Stadt München, sagte er.

Bestätigt wurde die Einigung auch von der von den Hinterbliebenen mandatierten Anwaltskanzlei und der bayerischen Staatsregierung. Zur für Montag geplanten Gedenkveranstaltung für die Opfer des Attentats von 1972 werden nun auch Hinterbliebene sowie Israels Staatspräsident Izchak Herzog erwartet.

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Einigung über Aufarbeitung

Die Einigung zwischen Bundesregierung und Hinterbliebenen sieht Hebestreit zufolge auch die Aufarbeitung der Geschehnisse durch eine Kommission deutscher und israelischer Historiker, die Freigabe von Akten sowie die Einordnung und Übernahme von politischer Verantwortung im Rahmen der Gedenkveranstaltung vor. Damit komme Deutschland auch mit Blick auf das besondere deutsch-israelische Verhältnis seiner historischen Verpflichtung gegenüber den Opfern und deren Hinterbliebenen nach. Die Bundesrepublik schaffe „nach nunmehr 50 Jahren die Voraussetzungen, ein schmerzhaftes Kapitel in der gemeinsamen Geschichte aufzuarbeiten“. Sie lege „die Grundlage für eine neue lebendige Erinnerungskultur“, erklärte Hebestreit.

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen im Olympischen Dorf in München die israelische Olympia-Mannschaft überfallen und mehrere Geiseln genommen. Die Befreiungsaktion am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck scheiterte. Am Ende kamen elf Israelis, ein bayerischer Polizist und fünf Geiselnehmer ums Leben. Die Hinterbliebenen werfen den Behörden schwere Versäumnisse und Fehler vor.

Erleichterung über Einigung

Zum 50. Jahrestag ist für Montag auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck eine Gedenkveranstaltung geplant, zu der unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet wird. Er äußert sich am Mittwoch gemeinsam mit seinem israelischen Amtskollegen Herzog erleichtert über die Einigung. Sie könne nicht alle Wunden heilen. „Aber sie öffnet eine Tür aufeinander zu“, erklärten die beiden Staatsoberhäupter. Der deutsche Staat erkenne damit das Leid der Ermordeten und ihrer Angehörigen an, „dessen wir kommende Woche gedenken wollen“. Herzog wird für Sonntag zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in Deutschland erwartet.

Angesichts des Streits um eine würdige Entschädigung hatten die Hinterbliebenen der Opfer die Teilnahme an der Gedenkfeier in Bayern zunächst abgesagt. Nun seien sie bereit zu kommen, bestätigte Anwalt Julius Reiter. Dessen Düsseldorfer Kanzlei, der auch der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) angehört, führte für die Hinterblieben die Verhandlungen. Das Gegenüber auf Regierungsseite war nach Angaben der Kanzlei Innenstaatssekretärin Juliane Seifert. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärte zur Einigung, für sie sei wichtig, „dass wir uns den Menschen, deren Leben durch Anschläge dramatisch verändert wurde, mit mehr Empathie und mehr Unterstützung zuwenden“.

28 statt 10 Millionen Euro

Über die Höhe der Entschädigungszahlungen machten weder Bundesregierung noch Kanzlei Angaben. Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge bot Deutschland den Hinterbliebenen zuletzt 28 Millionen Euro an – das ursprüngliche Angebot lag bei 10 Millionen Euro, wobei frühere Zahlungen angerechnet werden sollten. Durch die Erhöhung des Angebots war wieder Bewegung in die mehrere Wochen festgefahrenen Gespräche gekommen.

Erleichtert über die Einigung äußerten sich auch die Konferenz Europäischer Rabbiner und der Zentralrat der Juden in Deutschland. „Dass ein gemeinsames Gedenken nun möglich ist, ist ein wichtiges Zeichen“, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster. (epd/mig)

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