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Benin-Bronzen im British Museum © Son of Groucho @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Koloniales Unrecht

Vereinbarung zu Benin-Bronzen noch in dieser Woche

Die Benin-Bronzen sind in den vergangenen Jahren zum Synonym für koloniales Unrecht geworden. Eine Einigung zwischen Deutschland und Nigeria soll einen Schlussstrich ziehen. Geheilt sind die Wunden damit aber nicht.

Mittwoch, 29.06.2022, 15:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 29.06.2022, 14:46 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Nach jahrelangen Debatten über die sogenannten Benin-Bronzen will die Bundesregierung die in deutschen Museen aufbewahrten Objekte nun zurückgeben. Außenministerin Annalena Baerbock und Kulturstaatsministerin Claudia Roth (bei Grüne) wollen dazu am Freitag gemeinsam mit einem Vertreter Nigerias eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnen, wie am Mittwoch in Berlin ein Sprecher der Kulturstaatsministerin bestätigte.

Die Objekte sollten „so zügig wie möglich“ nach Nigeria zurückgeführt werden, teilte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, in Berlin unter Hinweis auf einen vorausgegangenen Beschluss des Stiftungsrates mit. Ein Teil der Objekte in der Sammlung des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin solle langfristig als Leihgabe in Deutschland bleiben. Darüber bestehe Einigkeit mit den nigerianischen Partnern. Eine konkrete Auswahl sei noch nicht getroffen.

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Roth: Rückgabe heilt Wunden nicht

Info: Die Benin-Bronzen sind 500 Jahre alte Skulpturen aus dem einstigen Königreich Benin im heutigen Nigeria. Der Großteil dieser Kunstwerke befindet sich heute in Europa, im British Museum. Über die nach London zweitgrößte Benin-Sammlung verfügt das Ethnologische Museum im Berliner Humboldt Forum, gefolgt von Museen in Leipzig und Dresden.

Die 500 Jahre alten Skulpturen aus dem Königspalast von Benin waren bei der sogenannten britischen Strafexpedition von 1897 geraubt und an ausländische Museen verkauft worden. Rund 1.100 Bronzen erwarben deutsche Museen, allein mehr als 400 davon sollen sich in Berlin befinden. Seit März 2021 war unter der Leitung der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien über die Zukunft der Benin-Bronzen verhandelt worden.

Kulturstaatsministerin Roth erklärte, die Rückgabe von Kulturgütern könne nicht die Wunden der Kolonialherrschaft heilen: „Aber sie ist ein erster Schritt für einen neuen Umgang mit der bisher weitgehend ausgeblendeten Vergangenheit.“ Menschen überall auf der Welt hätten ein Recht darauf, Zugang zum eigenen kulturellen Erbe zu haben. Sie sollten selbst entscheiden können, wie dieses bewahrt und an zukünftige Generationen weitergetragen wird, sagte Roth.

„Neue Qualität von Kooperation“

Info: 1897 hatten die Briten das Königreich Benin im Rahmen einer Strafexpedition überfallen und den Palast geplündert. Die Benin-Bronzen gelangten als Trophäen nach London und wurden auf britische Museen verteilt oder an Museen im Ausland verkauft. Rund 1.100 Bronzen erwarben deutsche Museen. Die betroffenen Museen hatten die Rückgabe in den vergangenen Jahren mit dem Argument abgelehnt, in Nigeria fehlten Expertise und Infrastruktur, um die Artefakte angemessen aufzubewahren. Die Rückgabe-Debatte fand vor dem Hintergrund von Diskussionen über den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit statt.

Auf deutscher Seite war neben Parzinger auch die Sprecherin der Benin Dialogue Group und Direktorin des Hamburger MARKK, Museum am Rothenbaum Kulturen und Künste der Welt, Barbara Plankensteiner, an den Gesprächen beteiligt. Das Hamburger Museum setzt sich derzeit in einer Ausstellung unter dem Titel „Benin. Geraubte Geschichte“ mit der Herkunft der Benin-Bronzen in der eigenen Sammlung und der Restitutionsdebatte auseinander.

Parzinger betonte, man sei sich einig, dass die Rückführung nicht den Endpunkt, sondern den Beginn einer neuen Form und neuen Qualität von Kooperation beschreibe: „Die Tatsache, dass Nigeria bereit ist, Deutschland hochwertige Leihgaben zu überlassen, zeigt, dass wir Vertrauen aufgebaut haben“, sagte er. (epd/mig)

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