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Krankenpflege (Symbolfoto) © elbaartoo @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Jahresgutachten

Sachverständigenrat: Migranten unverzichtbar für Gesundheitssystem

Ein Viertel der im Pflege- und Gesundheitswesen beschäftigten Menschen hat Migrationserfahrung. Ohne sie würde das System kollabieren, resümiert der Sachverständigenrat für Integration und Migration.

Dienstag, 10.05.2022, 15:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 10.05.2022, 13:46 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Das deutsche Gesundheitswesen ist stark auf Menschen mit Migrationshintergrund angewiesen. Das geht aus dem Jahresgutachten des Sachverständigenrates für Integration und Migration (SVR) hervor, das am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. „Zugewanderte sind auf allen Ebenen des Gesundheitswesens tätig. Ohne sie stünde das deutsche Gesundheitssystem vor einem Kollaps“, sagte Petra Bendel, Vorsitzende des unabhängigen Gremiums. Migrantinnen und Migranten leisteten einen unverzichtbaren Beitrag zum deutschen Gesundheitssystem.

Um Fachkräfte aus dem Ausland langfristig halten zu können, müssten sich die Arbeitsbedingungen im gesamten Gesundheitssystem und besonders in der Pflege grundlegend verbessern, forderte der Sachverständigenrat. Die meisten Fachkräfte kommen den Angaben zufolge aus Polen und der Türkei. Unter zugewanderten Ärztinnen und Ärzten stammten wiederum überdurchschnittlich viele aus dem Nahen und Mittleren Osten. Um die Gesundheitsversorgung in Deutschland sicherstellen zu können, müssten auch in den kommenden Jahren Fachkräfte angeworben werden, hieß es.

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Mehr als jeder vierte Arzt hat Migrationserfahrung

Mehr als ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte habe einen Migrationshintergrund. Insgesamt hätten etwa 940.000 Personen und somit rund ein Viertel aller Erwerbstätigen in Gesundheit und Pflege entweder eine eigene oder eine familiäre Zuwanderungsgeschichte. Ihr Anteil sei zwischen 2013 und 2019 um mehr als fünf Prozent auf insgesamt 22,5 Prozent gestiegen.

Der Einstieg in einen Beruf im Gesundheitswesen sei voraussetzungsvoll, unterstrich Bendel außerdem. „Da es sich um reglementierte Berufe handelt, muss eine Berufsausübungserlaubnis vorliegen“, erklärte sie. Die rechtlichen Möglichkeiten für die Zuwanderung von Fachkräften seien zwar vorhanden, jedoch sei die praktische Ausgestaltung der Anerkennungsverfahren entscheidend. Der SVR sehe hier deutlichen Handlungsbedarf, unter anderem bei der Ausstellung von Bescheiden und dem Angebot von Sprachkursen.

Diskriminierung erschwert Zugang zu Dienstleistungen

Aus dem Gutachten geht auch hervor, dass Menschen mit Migrationshintergrund durch Sprachbarrieren, fehlende Gesundheitskompetenz und Diskriminierung der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen erschwert wird. Ausschlaggebend für einen Zugang zum Gesundheitswesen seien vor allem die jeweilige soziale Lage und das Bildungsniveau.

Der SVR wurde 2008 von der Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung initiiert und gemeinsam mit sechs weiteren Stiftungen gegründet. Er ist eins von fünf Expertengremien, die per Gesetz oder von der Regierung berufen werden. Weitere Sachverständigenräte als Berater für die Politik gibt es bislang zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – die sogenannten Wirtschaftsweisen – sowie für Verbraucherfragen, für Umweltfragen und zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. (epd/mig)

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