Vorbild Freiwillige Feuerwehr
Experte forder mehr Geld für Flüchtlingshilfe
Das Einwanderungsland Deutschland braucht eine der freiwilligen Feuerwehr vergleichbare Organisation auch in der Geflüchtetenhilfe, sagt Experte Andreas Richter. Dafür brauche es mehr und nachhaltige Förderung.
Von Lukas Philippi Sonntag, 01.05.2022, 17:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 01.05.2022, 13:13 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Der Leiter des Deutschen Instituts für Community Organizing, Andreas Richter, hat für das ehrenamtliche Engagement zur Integration von Geflüchteten bessere Voraussetzungen gefordert. Zu einer nachhaltigen Verstetigung gehörten geförderte Rahmenbedingungen, in denen sich individuelles Engagement entfalten kann, sagte Richter in Berlin dem „Evangelischen Pressedienst“.
Institutionen wie Freiwillige Feuerwehren, Technisches Hilfswerk, die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger oder die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft seien gute Beispiele dafür, wie solche Aufgaben ehrenamtlich organisiert werden könnten. Möglicherweise brauche das Einwanderungsland Deutschland „eine vergleichbare und dauerhafte institutionelle Struktur im Bereich der Integration“.
Menschen unterschätzen Unterstützung traumatisierter Menschen
Richter betonte, eine entsprechende Organisation könnte dann auch all jenen Menschen Raum geben, die durch ihre eigene Flucht- oder Migrationserfahrungen weitaus größere Experten seien „als jede noch so engagierte bürgerliche Willkommensinitiative“. Das Deutsche Institut für Community Organizing an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin verfügt nach eigenen Angaben über 15 Jahre Erfahrung, wenn es darum geht, zivilgesellschaftliches Engagement zu initiieren und zu fördern.
Richter betonte mit Blick auf die Ukraine-Hilfe in Deutschland, das rein ehrenamtliche Engagement sei „in dieser Intensität und im Krisenmodus, wie wir es gerade an den Bahnhöfen, in Unterkünften oder bei Transporten sehen“, dauerhaft weder möglich, noch könne es ernsthaft gewünscht sein: „Was uns beispielsweise besorgt, ist, dass viele Menschen unterschätzen, was es bedeutet, unter Umständen traumatisierte Menschen zu unterstützen.“
Deutsche Zivilgesellschaft hilfsbereit
Zugleich zeigte sich Richter nicht überrascht über das große ehrenamtliche Engagement: „Wenn wir auf große Ereignisse der Vergangenheit schauen, zum Beispiel die Fluchtbewegung während des Syrienkrieges 2015 oder die verschiedenen Hochwasserkatastrophen an Oder, Elbe oder Ahr, war die deutsche Zivilgesellschaft immer sehr schnell auf unterschiedlichste Arten enorm hilfsbereit.“ Beeindruckend sei auch, wie gut insbesondere ukrainische Organisationen, etwa in Köln das Blau-Gelbe Kreuz, „sehr strukturierte Hilfsangebote gestartet haben“.
Allerdings gebe es auch Kipppunkte für das persönliche Engagement, so Richter: „Sobald die individuelle Belastung größer ist als die eigene Motivation, wirtschaftliche Zwänge eintreten oder auch wenn die Anerkennung und Wertschätzung beispielsweise durch die Gesellschaft oder das persönliche Umfeld zurückgehen.“ Dann würden sich Menschen dafür entscheiden, ihr ehrenamtliches Engagement zurückzufahren oder aufzugeben. (epd/mig) Aktuell Panorama
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