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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Archiv)

Holocaust-Überlebende

Steinmeier verspricht ukrainischen Juden Hilfe

Mithilfe jüdischer Organisationen fliehen weiter betagte Holocaust-Überlebende aus der Ukraine nach Deutschland. Bundespräsident Steinmeier nennt Putins Begründung für den Krieg zynisch. Grünen-Politikerin Polat fordert diskriminierungsfreie Aufnahme auch von Roma-Holocaust-Überlebenden.

Montag, 25.04.2022, 18:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 26.04.2022, 5:59 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat aus der Ukraine geflüchteten Holocaust-Opfern die Solidarität der Deutschen versichert. „Vertrauen Sie darauf, dass die Hilfsbereitschaft der Deutschen dauerhaft sein wird“, sagte Steinmeier am Montag bei einem Besuch einer Berliner Pflegeeinrichtung, in der jüdische Senioren aus der Ukraine aufgenommen wurden.

Zugleich dankte er Bundes- und Landesregierungen sowie Kommunen und Hilfsorganisationen für die große Hilfsbereitschaft bei der Aufnahme von Geflüchteten. Bislang sind nach Angaben der Jewish Claims Conference, die zusammen mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden Evakuierungen und Aufnahme organisiert, mehr als 70 pflegebedürftige Holocaust-Überlebende aus der Ukraine in elf deutschen Städten aufgenommen worden.

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Laut Bundesinnenministerium hat die Bundespolizei bis Montag 379.123 Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland festgestellt. Überwiegend handele es sich dabei um Frauen, Kinder und alte Menschen, heißt es in einem Tweet des Innenministeriums von Montagmittag. Der Bundespräsident hatte bereits am 7. März in Berlin rund 100 jüdische Kinder und Waisenkinder besucht, die vor dem Krieg aus dem ukrainischen Odessa geflohen waren.

Steinmeier: „Mir bricht es das Herz“

Steinmeier zeigte sich am Montag bei dem Treffen mit den vier Frauen und zwei Männern von deren Schicksal betroffen: „Mir bricht es das Herz, Menschen zu begegnen, die zweimal im Leben vertrieben wurden.“ Die Begründung für den russischen Angriff durch Präsident Wladimir Putin, Nazismus und Faschismus in der Ukraine bekämpfen zu wollen, nannte er mit Blick auf das Schicksal der Holocaust-Überlebenden zynisch.

Grünen-Politikerin Filiz Polat verwies im Kontext der Geschichte auf die Verantwortung Deutschlands gegenüber Roma. Auch sie mussten aus der Ukraine und auch sie müssten diskriminierungsfrei einen Schutzstatus bekommen. „Auch unter ihnen sind hochbetagte Überlebende des Holocaust“, erklärte Polat.

Rüdiger Mahlo von der Claims Conference sagte bei dem Treffen mit Steinmeier, es habe bislang rund 70 Evakuierungen jüdischer Seniorinnen und Senioren aus der Ukraine gegeben. Weitere seien vorgesehen. Die Evakuierungsfahrten erfolgten den Angaben zufolge in der Regel im Krankenwagen. Dabei habe es sich um Menschen gehandelt, die bereits in der Ukraine von jüdischen Organisationen betreut wurden.

Wollen möglichst bald wieder zurück

Mahlo verwies darauf, dass zu Beginn des Krieges der Großteil der Jüdinnen und Juden in der Ukraine angegeben habe, im Land bleiben zu wollen. Im Gespräch mit Steinmeier versicherten die Menschen im Alter zwischen 82 und 95 Jahren sowie der 62-jährige Sohn einer geflüchteten Frau, möglichst bald wieder in ihre Heimat zurückkehren zu wollen.

Die bislang nach Deutschland geflohenen Holocaust-Überlebenden sind laut Claims Conference in Pflegeheimen in Frankfurt am Main, Düsseldorf, Hannover, Köln, Würzburg, Berlin, München und weiteren Städten untergekommen. Die bettlägerigen Überlebenden wurden dazu in der Ukraine in Ambulanzen bis zur Grenze gefahren. Von dort wurden sie mit Ambulanzen des Roten Kreuzes nach Deutschland gebracht. (epd/mig)

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