Synagoge, Tallit, Juden, Religion, Antisemitismus
Jüdisches Leben © barakbro @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

400 Schoah-Überlebende in der Ukraine

Flucht führt zu Zulauf bei jüdischer Gemeinde Berlin

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin verzeichnet durch die Fluchtbewegung aus der Ukraine großen Zulauf. 170 Geflüchtete hätten bereits Antrag auf Gemeindemitgliedschaft gestellt. Derweil werden Schoah-Überlebende aus den Kriegsgebieten evakuiert.

Dienstag, 05.04.2022, 16:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 05.04.2022, 14:05 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat nach eigenen Angaben innerhalb der ersten 14 Tage nach Eröffnung des eigenen Aufnahmezentrums am 10. März rund 1.000 Geflüchtete aus der Ukraine betreut. Jüdische Geflüchtete erhielten dort nach ihrer Registrierung koschere Mahlzeiten sowie ein Paket mit Hilfsgütern und würden an temporäre Unterkünfte vermittelt, teilte die Gemeinde am Donnerstag mit. Rund 150 Geflüchtete seien bereits in Hotels unweit des Gemeindehauses untergebracht worden.

Rund 170 Geflüchtete stellten den Angaben zufolge bereits einen Antrag auf Gemeindemitgliedschaft. Mitglied der Jüdischen Gemeinde zu Berlin könne werden, wer nach dem jüdischen Religionsgesetz als jüdisch gilt, also eine jüdische Mutter hat.

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Juden haben Anspruch auf vereinfachtes Verfahren

Unabhängig davon seien rund 650 der registrierten Geflüchteten aufgrund ihrer jüdischen Abstammung berechtigt, einen Antrag auf Zuwanderung nach Deutschland im vereinfachten Verfahren direkt bei der Jüdischen Gemeinde zu stellen. Die Jüdische Gemeinde nimmt nach eigenen Angaben eine Vorprüfung vor. Die Entscheidung, ob die Voraussetzungen für die jüdische Zuwanderung erfüllt sind, trifft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Schätzungen der Gemeinde zufolge könnten bis zu 5.000 Menschen an einer Zuwanderung interessiert sein.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, forderte, jüdische Geflüchtete nur dort unterzubringen, wo es große funktionierende Gemeinden mit Kindergärten, Schulen und Synagogen gebe. „Sonst gehen sie dem Judentum verloren“, sagte der Gemeindevorsitzende.

Evakuierung von Schoah-Überlebenden aus der Ukraine

Derweil evakuiert die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) und die Jewish Claims Conference (JCC) Schoah-Überlebende aus der Ukraine. Die Menschen stammten aus der gesamten Ukraine, teils auch aus den schwer umkämpften Gebieten, berichtete Cazes. Einige würden von Angehörigen begleitet, andere hätten auch Angehörige in Deutschland, sagte ZWST-Referentin Laura Cazes dem „Evangelischen Pressedienst“. Manche Überlebende seien noch verhältnismäßig rüstig, andere hochbetagt, schwer vorerkrankt und bettlägerig. Bei einigen habe sich der Gesundheitszustand wegen der Unterversorgung und dem Verbleib in Kellern und Schutzräumen verschlechtert.

Aktuell leben laut Claims Conference noch rund 400 Schoah-Überlebende in der Ukraine, die nicht aus eigener Kraft die Flucht antreten können. (epd/mig)

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