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Statistik in der Kritik

Frontex meldet höchste Zahl illegaler Grenzübertritte seit 2016

Laut Frontex wurden an EU-Außengrenzen seit Jahresbeginn 40.300 illegale Übertritte erfasst. Ukraine-Flüchtlinge seien nicht erfasst, da sie legal gekommen seien. Reguläre Grenzübergangsstellen für Geflüchtete aus anderen Ländern existieren nicht. Die Statistik steht massiv in der Kritik.

Dienstag, 19.04.2022, 18:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 19.04.2022, 17:22 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex meldet für das erste Quartal des laufenden Jahres eine Rekordzahl illegaler Grenzübertritte. Von Jahresbeginn bis Ende März gab es demnach mehr als 40.300 illegale Übertritte der europäischen Außengrenzen oder Versuche dazu, wie die Warschauer Agentur am Dienstag unter Berufung auf vorläufige Zahlen mitteilte. Das sei eine Steigerung um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und die höchste Zahl seit 2016.

Vor dem Krieg in der Ukraine Geflohene waren den Angaben zufolge nur für einen kleineren Teil verantwortlich: An den östlichen EU-Landgrenzen wurden insgesamt mehr als 950 illegale Grenzübertritte gezählt. Die allermeisten Ukraine-Flüchtlinge kamen über reguläre Grenzübergangsstellen in die EU und fallen daher nicht in die Statistik.

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Balkan-Route, Mittelmeer, Spanien

Die meisten Menschen versuchten es Frontex zufolge über die sogenannte West-Balkan-Route, also beispielsweise über Bulgarien und Ungarn in die EU. Dort belief sich die Anzahl der Einreisen oder Einreiseversuche auf 18.300.

Im östlichen Mittelmeer, also an Griechenlands Seegrenze oder zum Beispiel auf dem Weg nach Zypern, wurden gut 7.000 Übertritte registriert, auf der Route nach den zu Spanien gehörenden Kanaren rund 5.850. Die Statistik enthält auch illegale Grenzübertritte aus der EU ins Nachbarland Großbritannien, also rund um den Ärmelkanal. Dort stieg die Zahl demnach auf rund 8.900.

Statistik in der Kritik

Die Gesamtzahl enthält auch weitere Routen, die nicht einzeln aufgeschlüsselt wurden. Insgesamt können die Zahlen wegen verzögerter Berichterstattung höher ausfallen. Dieselbe Person kann auch mehrfach gezählt werden.

Die Statistik steht in der Kritik, weil sie nicht danach differenziert, ob Grenzübertritte aufgrund eines berechtigten Interesses erfolgen, etwa ob ein Asylgrund vorliegt. Vielmehr werden Personen aus bestimmten Herkunftsregionen pauschal als illegal eingestuft. Legale Fluchtwege, so wie sie derzeit für Geflüchtete aus der Ukraine existieren, gibt es für Geflüchtete aus anderen Ländern nicht. Frontex steht selbst massiv in der Kritik, an illegalen Pushbacks in den EU-Außengrenzen beteiligt gewesen zu sein. (epd/mig)

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