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Mit ihrem Blog ist Ira Peter "Newcomerin des Jahres" 2022. © Ira Peter (privat).

Die Goldenen Blogger 2022

Ukraine-Bloggerin ist Newcomerin des Jahres

Als „Stadtschreiberin Odessa 2021“ bloggte Ira Peter über die „Perle am Schwarzen Meer“. Seit dem Russland-Ukraine-Krieg hat sie ihre Website reaktiviert. Nun wurde ihre Aufklärungsarbeit ausgezeichnet.

Von Dienstag, 12.04.2022, 16:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 12.04.2022, 12:24 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Seit 2007 wird Deutschlands ältester Social-Media-Preis Die Goldenen Blogger verliehen. Anfang April 2022 fand erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder ein Festakt in Präsenz statt. Bei einer großen Gala im Museum für Kommunikation (Berlin) erhielt die Russlanddeutsche Ira Peter die begehrte, wenn auch undotierte Auszeichnung „Newcomerin des Jahres“: für ihren deutsch- und ukrainisch-sprachigen Blog, den sie im vergangenen Frühjahr als Stadtschreiberin Odessa/Odessa 2021 begonnen hatte.

Ira Peter arbeitet als freie PR- und Marketingberaterin, Autorin und Journalistin, u.a. für „Zeit Online“. Ihre Großeltern waren deutsche Kolonisten in der historischen Landschaft Wolhynien (heutige Nordwestukraine) und kamen 1936 im Zuge der stalinistischen Deportationen nach Nordkasachstan. Dort wurde 1983 Ira (kurz für: Irina) Peter geboren, ehe ihre Familie 1992 als russlanddeutsche Aussiedler nach Deutschland auswanderte.

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Um über die Geschichte von Spät-/Aussiedlern allgemein und der Russlanddeutschen im Besonderen aufzuklären, gestaltet sie seit November 2020 als Co-Host den Aussiedler-Podcast „Steppenkinder“ mit.

„In Odessa geht nie die Sonne unter…“

Hintergrund: Das Deutsche Kulturforum östliches Europa vergibt seit 2009 das Stadtschreiber-Stipendium für eine jährlich wechselnde Metropole in Mittel- und Osteuropa, wo es deutsche Minderheiten gab oder noch immer gibt. Gefördert werden wissenschaftliche und journalistische Rechercheprojekte, um das gemeinsame Kulturerbe der Deutschen und ihrer Nachbarn einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Eine vollständige Liste aller bisherigen Stadtschreiber samt ihrer Blogs gibt es hier.

Zwischen Juni und November 2021 bloggte die Mannheimerin über die bedeutendste Hafenstadt der Ukraine: Odessa, die Katharina die Große 1794 gründen ließ und deren Nachtleben der westdeutsche Musiker Ivan Rebroff knapp 200 Jahre später besang. Neben Interviews und unkonventionellen Beiträgen zum gegenwärtigen Kultur- und Alltagsleben der Odessiten veröffentlichte Ira Peter Reportagen über die teils bis heute pochenden Wunden in der Geschichte der deutschen und jüdischen Minderheiten in der Schwarzmeerregion.

Zu den spannendsten Beiträgen zählen „Heimat hat nichts mit Nationalität zu tun“, worin das für die Deutschen in der Sowjetunion typische und zugleich außergewöhnliche Schicksal der Historikerin Dr. Elvira Plesskaja-Sebold und ihres im September 1941 spurlos verschwundenen Vaters aufgearbeitet wird.

Empfehlenswert ist auch „Die Stille bei Neu-Karlsruhe“, ein Interview mit der aufstrebenden Autorin Katharina Martin-Virolainen an genau dem Ort, von dem deren familienbiographisch geprägter Debütroman handelt. Hier geht es zur ausführlichen Rezension in der Deutschen Allgemeinen Zeitung (Kasachstan).

Stand with Ukraine!

Trotz formalem Abschluss des Stadtschreiber-Stipendiums reaktivierte Ira Peter den Blog am Tag der russischen Invasion in der seit 2014 umkämpften Ost-Ukraine. Die bereits aufgebaute Reichweite der jungen Frau bot die einmalige Gelegenheit, zum einen authentisch über die Lage der Menschen im Kriegsgebiet zu berichten, etwa mit den bewegenden Interviews „Ich verstehe, dass das psychischen Druck erzeugen soll“ und „Unser kulturelles Erbe wird vernichtet“.

Andererseits konnte die engagierte Netzwerkerin mit gutem Beispiel vorangehen, um diversen seither kursierenden Vorurteilen über Russlanddeutsche entgegenzutreten. Mehr dazu im MiGAZIN-Beitrag „Russlanddeutsche solidarisieren sich mit der Ukraine“.

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