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Rathaus (Symbolfoto) © AnnaER @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

1,5 Prozent

Nur ganz wenige Oberbürgermeister mit Migrationshintergrund

Nur fünf von bundesweit 337 Oberbürgermeistern haben einen Migrationshintergrund. Gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung sind Migranten deutlich unterrepräsentiert. Experten sehen die Parteien in der Pflicht.

Donnerstag, 07.04.2022, 17:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 07.04.2022, 14:55 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |  

Mehr als jede Vierte Person in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Demgegenüber haben nur fünf bzw. 1,5 Prozent der bundesweit 337 Oberbürgermeister (OB) einen Migrationshintergrund. Das geht aus einer Recherche des „Mediendienst Integration“ hervor, die am Mittwoch vorgestellt wurde.

Bei der ersten Erhebung aus dem Jahr 2020 wurden noch sechs Bürgermeister mit Einwanderungsgeschichte gezählt. Seitdem wurde der Bonner Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan (CDU) abgewählt. Damit haben aktuell nur noch Hannover, Görlitz, Rostock, Landshut und Kehl Oberbürgermeister mit Migrationshintergrund.

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Die niedrige OB-Quote von Menschen mit Einwanderungsgeschichte führt Deniz Nergiz, Geschäftsführerin vom Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat (BZI), auf fehlende Kontakte und Netzwerke zurück. Auf kommunaler Ebene seien das etwa familiäre Verbindungen in politiknahe Kreise wie Kirchen oder Gewerkschaften.

Parteien nominieren Migranten nicht für Spitzenämter

Der Kehler OB, Toni Vetrano (CDU) bestätigt Nergiz. Seine Elterngeneration habe solche Kontakte nicht gehabt, erklärte er gegenüber dem Mediendienst. Das erschwere den Einstieg in die Politik und verschlechtere die Aufstiegschancen. Zusätzlich spielten Vorurteile eine Rolle. Er werde beispielsweise oft gefragt, ob er nur Interessen von Italienern vertrete. Vetranos Amtszeit endet Ende April.

Cihan Sinanoğlu vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) ist überzeugt, dass es viele Kandidaten mit Einwanderungsgeschichte gibt, sie von den Parteien aber noch zu selten nominiert werden für Spitzenämter. Parteiforscherin Aimie Bouju vom DeZIM sieht in einer Quote für Parteien die Lösung, sieht das in naher Zukunft aber nicht kommen. (mig)

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