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Antiziganismus

Roma-Verband dokumentiert 137 Diskriminierungen in Berlin

Im vergangenen Jahr wurden in Berlin 137 antiziganistische Fälle dokumentiert. Die meisten Diskriminierungen sind aus dem Alltag, sehr viele aber auch aus Behörden. Laut Dokumentationsstelle Antiziganismus ist das nur die Spitze des Eisbergs.

Donnerstag, 31.03.2022, 16:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 31.03.2022, 15:34 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Berliner Dokumentationsstelle Antiziganismus (Dosta) hat zahlreiche Diskriminierungsfälle in Behörden kritisiert. Von 137 in Berlin gemeldeten antiziganistischen Vorfällen im vergangenen Jahr hätten sich allein 52 in Leistungsbehörden zugetragen, wo es oftmals um existenzsichernde Sozialhilfen ging, heißt es in dem am Mittwoch vorgestellten Dosta-Jahresbericht 2021 des Roma-Jugendverbandes Amaro Foro.

In einem der dokumentierten Fälle habe ein Jobcenter ungewöhnlich viele Dokumente von einer bulgarischen Klientin angefordert. Nachdem ihr Anliegen wochenlang zwischen Beratungsstelle und Jobcenter hin und hergegangen sei, habe eine Sozialarbeiterin beim Jobcenter angefragt, warum in ihrem Fall so viele Unterlagen gefordert werden. Daraufhin habe der Sachbearbeiter gesagt: „Soll sie sich bei ihren Landsleuten bedanken.“

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In einem anderen Fall habe ein Mitarbeiter der Familienkasse am Telefon eingestanden, dass vor allem bei bulgarischen und rumänischen Familien „sehr genau geprüft“ werde, da diese Familien unter Generalverdacht stünden, zu betrügen und Leistungen zu erschleichen, die ihnen nicht zustehen würden.

Antiziganismus im Alltag

Wie aus einem weiteren dokumentierten Fall hervorgeht, sind Roma auch in der Bildung von Diskriminierung betroffen. In dem exemplarisch geschilderten Fall habe eine Sozialarbeiterin Schulplätze gesucht für moldauische Kinder, die in Gemeinschaftsunterkünften leben. Die Leitung der nächsten Schule habe ihre Absage damit begründet, dass Rom:nja sowieso keinen Aufenthalt bekämen. Deshalb lohne es sich nicht, ihnen „für zwei Monate“ einen Schulplatz zu geben.

Die meisten antiziganistische Vorfälle (56) wurden den Angaben zufolge in der Rubrik „Alltag und öffentlicher Raum“ gezählt. Dabei handele es sich allerdings nur um die Spitze des Eisberges. Viele Diskriminierungsfälle würden von den Betroffenen gar nicht gemeldet, die Zahlen seien nicht repräsentativ, sagte Violeta Balog von Amaro Foro. Zudem seien pandemiebedingt viele Meldestrukturen weggefallen. Viele Beratungsstellen und ähnliche Einrichtungen hätten nur telefonisch oder per Mail zur Verfügung gestanden.

Medien oft reißerisch

Medienberichte hat Amaro Foro ebenfalls ausgewertet. Der Verein kritisiert „reißerische Medienberichte über Geflüchtete aus Moldau, die verallgemeinert als Rom:nja abgestempelt und stigmatisiert wurden“. Den Menschen sei pauschal unterstellt worden, sie würden einreisen, um Leistungen zu erschleichen. „Mithilfe einer Täter-Opfer-Umkehr wurde eine regelrechte Drohkulisse aufgebaut, sodass vielen schutzbedürftigen Menschen jede Empathie verwehrt blieb“, erklärt Balog.

Seit Gründung von Dosta 2014 wurden 1.054 Vorfälle registriert. Amaro Foro spricht sich unter anderem für mehr Fortbildungen für Mitarbeitende in den Behörden aus, um gegen antiziganistische Verhaltensweisen vorzugehen. (epd/mig)

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