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Lernen (Symbolfoto) © picjumbo_com @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

„Bildung zentral für Integration“

Bundesländer planen „Willkommensklassen“ für Ukrainer

Fast 240.000 Ukrainer sind bereits in Deutschland angekommen. Sie erhalten Nothilfe und werden provisorisch untergebracht. Doch wie geht es weiter mit dem Kita-Besuch, der Einschulung der Kinder und der Jobintegration? Die Aufgabe ist gewaltig.

Von Freitag, 25.03.2022, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 24.03.2022, 15:49 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Die Hilfsbereitschaft in Deutschland für die Ukraine-Flüchtlinge ist weiter groß. Und die Nothilfe und die zumindest provisorische Unterbringung der Ankommenden sind inzwischen besser organisiert. Aber was folgt perspektivisch in der Betreuung und Begleitung der überwiegend ankommenden Frauen und Kinder? Wie ist die Lage an den Schulen und in den Kitas? Dazu befragte der Mediendienst Integration Expertinnen und Experten. Dabei wurde klar: Längst nicht alles läuft bereits in die richtige Richtung.

Der Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker riet davon ab, die Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland weiter nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer zu verteilen. Nach den Erfahrungen aus dem verstärkten Zuzug von Flüchtlingen 2015 sollte man wissen, dass das der falsche Weg sei, sagte der Experte vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg am Donnerstag bei einer Online-Veranstaltung des Mediendienstes.

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Seiner Ansicht nach sollte man die Menschen nicht wie in der Vergangenheit vermehrt in die strukturschwachen Regionen mit hohen Arbeitslosenquoten schicken, nur weil die Städte bei der Wohnraumbeschaffung überlastet seien. „Wir schlagen vor, Arbeitsmarkt- und andere Integrationskriterien zu berücksichtigen.“ Sein Institut arbeite derzeit an einer politischen Alternative zur Verteilung anstelle des Königsteiner Schlüssels, der Wirtschaftskraft und Bevölkerung eines Bundeslandes als Aufnahmeindex festlege.

Bildung zentral für Arbeitsmarktintegration

Die Frage der Bildung, die Betreuung der geflüchteten Kinder in Kitas und die Einschulung der Mädchen und Jungen seien zentral dafür, dass die Arbeitsmarktintegration der Frauen überhaupt funktionieren könne, so Brücker, der auch Direktor des Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) der Berliner Humboldt-Universität ist. Zugleich sei sehr positiv, dass die Flüchtlinge aus der Ukraine „im Vergleich zu anderen Migrantengruppen über ein sehr hohes Bildungsniveau verfügen“.

Dennoch sei davon auszugehen, „dass die Jobintegration am Anfang wegen der noch unzureichenden Betreuung der Kinder und Jugendlichen nicht so schnell anlaufen wird“, sagte der Forscher. Hauptproblem sei, dass es Zeit brauche, bis die Neuankömmlinge ausreichend gut Deutsch sprechen und so überhaupt Chancen auf einen Job haben.

Bundesländer planen „Willkommensklassen“

Elf Bundesländer planen, sogenannte Willkommensklassen für ukrainische Schüler einzurichten, wie Recherchen des Mediendienstes Integration ergeben haben. In den Klassen werden die Flüchtlinge von anderen Kindern und Jugendlichen unterrichtet. Fünf Bundesländer (Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen) haben sich gegen Willkommensklassen entschieden. Dort werden geflüchtete Kinder und Jugendliche den Regelklassen zugeteilt und bekommen ergänzend Deutschunterricht.

Bildungsexpertinnen und -experten sehen getrennte Klassen für Flüchtlingskinder kritisch: „Willkommensklassen grenzen neu zugewanderte Schüler aus“, sagte die Soziologin Juliane Karakayali, die den Alltag in Willkommensklassen erforscht hat. Oft seien diese Klassen schlecht in das sonstige Schulleben eingebunden. Außerdem gebe es in manchen Bundesländern nach wie vor keinen festgelegten Lehrplan für die Klassen. Häufig komme hinzu, dass dort nicht angemessen qualifizierte Lehrkräfte unterrichten, monierte Karakayali.

Anders als 2015

Für die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST) sagte Direktor Aaron Schuster, im Vergleich zum Jahr 2015 habe man es heute vor allem mit vulnerablen Flüchtlingen zu tun, nämlich Frauen, Kindern, Jugendlichen, pflegebedürftigen Senioren und Menschen mit Behinderungen. „Wir haben es mit einer deutlich höheren Schutzbedürftigkeit der hier Ankommenden zu tun.“ Die Einrichtungen für Altenhilfe, Behindertenheime, aber auch Kitas und Schulen müssten jetzt ihre Angebote schnell für die Flüchtlinge öffnen – und das in Zeiten, in denen zugleich die Corona-Pandemie für erhebliche personelle Engpässe bei den Fachkräften sorge.

Deshalb müsse die Politik dafür sorgen, vorübergehend die strengen Personalvorgaben und Betreuungsschlüssel zu senken. Andernfalls seien die Einrichtungen wegen der gesetzlichen Vorgaben „schlichtweg nicht in der Lage, die Gäste unterzubringen“. (epd/mig) Leitartikel Panorama

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