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Schule © onnola @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Studie

Jugendliche Flüchtlinge bleiben zu oft unter sich

Eine neue Studie offenbart Schwachstellen bei der Integration von jugendlichen Flüchtlingen in die Schulen. Viele besuchen Einrichtungen mit hohem Migrantenanteil und haben dadurch schlechtere Bildungschancen. Sachverständigenrat empfiehlt mehr Lehrer und Umverteilung.

Freitag, 02.03.2018, 6:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:42 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Viele jugendliche Flüchtlinge bleiben laut einer Studie an den Schulen zu lange unter sich. Zudem würden sie im Regelfall in den Ballungszentren an Schulen mit einem hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund untergebracht, heißt es in der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Untersuchung „Schule als Sackgasse. Jugendliche Flüchtlinge an segregierten Schulen“. Damit verschlechterten sich die Bildungschancen dieser Jugendlichen. Als Lösung schlagen die Autoren vor, eine bessere Verteilung von Schülern mit Migrationshintergrund auf alle Schulen einer Kommune.

Für die Untersuchung im Auftrag des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) befragten die Autoren Aushilfslehrkräfte der gemeinnützigen Bildungsorganisation Teach First Deutschland zu ihren Erfahrungen an bundesweit 56 Schulen, wo sie zur Unterstützung eingesetzt waren. Die Eindrücke der sogenannten Fellows aus weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen seien zwar nicht repräsentativ, gäben aber Hinweise darauf, in welchen Bereichen Handlungs- und Forschungsbedarf besteht, sagte Studienautor Simon Morris-Lange.

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Die jungen Flüchtlinge besuchten zunächst ein- bis zweijährige Vorbereitungsklassen oder Willkommensklassen, bevor sie in den Regelunterricht wechseln. Dort träfen sie mehrheitlich auf Kinder, die ebenfalls einen Migrationshintergrund haben und sozial benachteiligt sind. In den Klassen würden die Flüchtlinge häufig nicht mehr ausreichend unterstützt. Dabei sei das Scheitern „kein Automatismus“, betonte Morris-Lange. Es gebe durchaus Schüler, die auch unter diesen Bedingungen große Lernfortschritte machen. Viele gingen aber auch unter. Den Angaben zufolge hat das deutsche Schulsystem seit 2015 schätzungsweise 130.000 jugendliche Flüchtlinge aufgenommen.

Schulsystem wird Gesellschaft nicht gerecht

Die Flüchtlingsaufnahme lege „den Finger in eine Wunde, die wir schon lange haben“, sagte die Direktorin des SVR-Forschungsbereiches Cornelia Schu. Das deutsche Schulsystem werden schon lange nicht mehr der vielfältigen heterogenen Einwanderungsgesellschaft von heute gerecht. Der Sachverständigenrat empfiehlt deshalb konkrete Verbesserungsmaßnahmen wie beispielsweise, Lehrkräfte besser für den Umgang mit Vielfalt auszubilden und mehr Personal- und Sachmittel an Brennpunktschulen bereitzustellen. Zudem müssten die Kommunen die geflüchteten Jugendliche besser über die Schulen verteilen, um eine weitere Segregation zu vermeiden. Wenn Lehrkräfte systematisch in ihrer Ausbildung Diversitätskompetenz erwerben, profitiere davon die ganze Gesellschaft, sagte Schu.

Segregierte Klassen seien in Schulen leider keine Seltenheit, sagte Schu weiter. Diese Entmischung von Bevölkerungsgruppen beginne häufig schon in der Grundschule und setze sich in den weiterführenden Schulen fort. So liegt laut der Studie der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund an Wiesbadens Hauptschulen bei 76,7 Prozent und in Frankfurt am Main bei 81 Prozent. An Gymnasien sind Jugendliche mit migrantischen Wurzeln dagegen unterrepräsentiert. (epd/mig)

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