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"Der Pate". Ein Film über den Aufstieg italienischer Migranten in Amerika

Heute vor 50 Jahren

„Der Pate“, Aufstieg italienischer Migranten in Amerika

„Der Pate“ mit Marlon Brando und Al Pacino wird 50 Jahre alt: eine Geschichte über die Mafia, die Macht der Familie und den Aufstieg katholischer Migranten aus Italien in Amerika. Eine Geschichte, die eine Rassismus-Debatte bei den Oscar-Verleihungen 1973 entfachte.

Von Montag, 14.03.2022, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 14.03.2022, 7:35 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

„Der Pate“, die epische Saga einer Mafiafamilie in den USA, fehlt auf keiner Liste der bedeutendsten Spielfilme aller Zeiten. So „menschlich“ hat man organisiertes Verbrechen noch nie erlebt. Der beinahe drei Stunden lange Spielfilm unter Regie des jungen Francis Ford Coppola basiert auf einem Roman von Mario Puzo, Sohn italienischer Einwanderer. Vor 50 Jahren, am 14. März 1972 feierte der erste Teil der Trilogie über die Mafiafamilie Corleone in New York seine umjubelte Premiere. Teil zwei erschien 1974 und Teil drei 1990. „Der Pate“, ausgezeichnet mit drei Oscars, ist noch heute frisch.

Die Hauptrolle als Familienoberhaupt Don Vito Corleone spielt ein nuschelnder Marlon Brando, sein Sohn und Nachfolger Michael Corleone wird dargestellt von Al Pacino. Robert Duvall ist Consigliere Tom Hagen, John Cazale der eifersüchtige Sohn Fredo. Michael lässt ihn umbringen, weil Fredo die Familie verraten hat. Das Mordkommando solle damit aber bis zum Tod der Mutter warten.

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Sympathische und abstoßende Kriminelle

Die Dynamik des Geschehens, bei dem gewalttätige Kriminelle sympathisch und abstoßend zugleich präsentiert werden, tritt schon in der ersten Minuten des Films zutage: Don Vitos Tochter heiratet ganz in Weiß, im Garten wird getanzt und gefeiert. Patriarch Don Vito, der Pate, empfängt derweil Bittsteller in einem dunklen Hinterzimmer.

Brando hält eine graue Katze im Schoß und streichelt das Tier, während er einem Bestattungsunternehmer Hilfe verspricht. Er werde die Männer zusammenschlagen lassen, die dessen Tochter überfallen hätten und mit einer Bewährungsstrafe davongekommen seien. Der aus Italien eingewanderte Mann hatte aus Sicht Corleones den Fehler gemacht, der US-Justiz zu vertrauen und nicht dem Paten. Töten werde er die Schläger aber nicht, sagt Don Vito entsprechend seinem eigenen Verständnis von Gerechtigkeit, denn die Tochter sei ja noch am Leben.

Der Aufstieg italienischer Migranten

„Der Pate“ erzählt die Geschichte des Machtkampfes zwischen Mafia-Familien in New York, beginnend Mitte der 1940er Jahre. Eine gewisse Tragik wird sichtbar. Die Corleones sind festgefahren in einer Welt, die geprägt ist von einer erdrückenden Hierarchie und einem starren Ehrenkodex. Der – besonders von Michael Corleone gewünschte – Umstieg zum legalen und angesehenen Unternehmertum fällt schwer.

Einem widerspenstigen Geschäftspartner lässt Katzenfreund Don Vito den blutigen Kopf eines Pferdes ins Bett legen. Sein Spruch: „Ich werde ihm ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann“, ist legendär geworden. Auf diese Art und Weise haben sich die Corleones durchgesetzt in einem Amerika, in dem die angelsächsischen Protestanten das Sagen und das Geld hatten und katholische Migranten aus Italien unten standen auf der Leiter.

Chronik des amerikanischen Lebens

Coppola habe „eine der brutalsten und ergreifendsten Chroniken“ des amerikanischen Lebens geschaffen, schrieb die „New York Times“ zu dem Film. Im Magazin „New Yorker“ hieß es nach der Premiere: In „Der Pate“ erscheine das organisierte Verbrechen als „obszöner symbolischer Auswuchs der freien Marktwirtschaft“. Im Film lehnten die aus Sizilien stammenden Gangster das Amerikanische nicht ab. Vielmehr sei „organisiertes Verbrechen unser Albtraum vom amerikanischen System“.

Der Film sei zu einer Zeit erschienen, in der „Zynismus und Ernüchterung“ und Glaube an traditionelle Werte nebeneinander existiert hätten, erklärte Medienwissenschaftler Kevin Sandler von der Arizona State University in Tempe (Arizona) auf der Webseite seiner Einrichtung. Der Republikaner Richard Nixon wurde 1972 als Präsident wiedergewählt, zugleich glaubten viele junge Menschen nicht mehr an den amerikanischen Traum. Ein Grund für die Popularität des Filmes sei, dass Coppola es beiden Seiten erlaube, den Film nach eigenem Gutdünken zu interpretieren.

Rassismus-Spannungen bei der Oscar-Verleihung

Spannungen traten bei der Oscar-Verleihung 1973 zutage: Brando war bekannt wegen seiner Haltung gegen Rassismus und seinen Einsatz für die Rechte von Ureinwohnern. Er sollte den Oscar in der Kategorie „Bester Schauspieler“ erhalten, nahm die Auszeichnung jedoch nicht an. Auf seinen Wunsch erschien bei der Verleihung Sacheen Littlefeather, eine Schauspielerin mit indigenen Wurzeln.

Brando protestiere gegen die Darstellung von Ureinwohnern im Kino, erklärte Littlefeather unter Beifall und Buh-Rufen. In einem Fernsehinterview verurteilte Brando eine stereotypische und entwürdigende Darstellung von „amerikanischen Indianern und anderen Minderheiten“ in Hollywood.

„Der Pate“ wieder in den Kinos

Marlon Brando starb 2004 im Alter von 80 Jahren. Al Pacino eilt noch immer von einer Hauptrolle zur nächsten. Auch Coppola arbeitet noch heute. Laut Magazin „GQ“ will er mehr als 100 Millionen Dollar seines eigenen Geldes in ein Filmprojekt mit dem Titel „Megalopolis“ stecken.

„Der Pate“ kommt zum 50. Jahrestag nach aufwendiger Restaurierung wieder in die Kinos und digital auf 4K Ultra HD zum Filmliebhaber nach Hause. „GQ“ zitierte Coppola im Februar mit den Worten, in gewisser Weise habe ihn „Der Pate“ ruiniert: Der Film sei so erfolgreich gewesen, dass „alles, was ich getan habe, mit dem Film verglichen wird“. (epd/mig)

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