Afghanistan, Frauen, Mädchen, Armut, Gewalt, Krieg, Flucht
Afghanische Mädchen warten auf Hilfe © isafmedia auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Hilfswerk

Menschen in Afghanistan brauchen dringend mehr Nothilfe

23 Millionen Afghanen sind nach UN-Angaben von akutem Hunger bedroht. Besonders betroffen sind Frauen und Mädchen. Hilfswerke fordern dringend mehr Nothilfe, „sonst werden sehr viele Menschen sterben“.

Von Dienstag, 08.03.2022, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 08.03.2022, 9:26 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Zivilbevölkerung in Afghanistan braucht aus Sicht des Hilfswerks Misereor dringend mehr Nothilfe. „Es muss jetzt schnell mehr Geld ins Land, sonst werden sehr viele Menschen sterben“, sagte die Misereor-Referentin für Afghanistan und Pakistan, Anna Dirksmeier, dem „Evangelischen Pressedienst“. Für Hilfsorganisationen sei es ein großes Problem, dass sie derzeit kaum noch Geld für ihre Projekte nach Afghanistan überweisen könnten. Informelle Wege und Vorfinanzierungen durch die Partnerorganisationen vor Ort seien begrenzt. Die Finanzierung der Hilfsleistungen sei damit gefährdet.

Am Donnerstag will das Hilfswerk unter anderem mit der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Luise Amtsberg, und mit Maria Flachsbarth vom katholischen Frauenbund über die Lage von Frauen und Mädchen in Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban sprechen.

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23 Millionen von Hunger bedroht

Das Einfrieren der Auslandsvermögen der afghanischen Zentralbank nach der Machtübernahme der Taliban hatte zum Zusammenbruch des dortigen Bankensystems geführt. „Wir meinen, dass die eingefrorenen Gelder freigegeben werden müssen, damit die Banken wieder funktionieren“, forderte Dirksmeier. „Sonst müssen wir unsere Arbeit künftig einstellen. Und damit würde man die Bevölkerung komplett im Stich lassen.“

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind etwa 23 Millionen Menschen in Afghanistan von einer akuten Hungersnot bedroht. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef schätzt, dass in diesem Jahr zwei Milliarden US-Dollar benötigt werden, um Familien mit dem Lebenswichtigsten zu versorgen.

Verhandlungen mit Taliban

Mit Hardliner-Positionen komme man in Afghanistan nicht weiter, stellte Dirksmeier fest. Stattdessen plädierte sie für Verhandlungen mit den Taliban. So könnten zum Beispiel Strukturaufbauhilfen an Bedingungen wie etwa Freiheitsrechte für Frauen gebunden werden. „Wir wissen aber auch, dass man aus pragmatischen Gründen Zugeständnisse machen muss. Denn wenn man bei der ganz harten Linie bleibt, liefert man viele Menschen dem Tod aus.“

Die Partner von Misereor hätten durch mutige und mit viel Fingerspitzengefühl geführte Verhandlungen mit den Taliban den Fortbestand der Projekte erreicht, sagte Dirksmeier. So sei es auch gelungen, Bildungs-Projekte für Frauen aufrechtzuerhalten. Mancherorts hätten die Betroffenen in Gesprächen mit den Taliban sogar erreicht, dass sich die Frauen weiterhin ohne männliche Begleitung auf den Weg in die Bildungszentren machen dürfen.

Notlage trifft Frauen und Mädchen

Grundsätzlich dürfen sich Frauen in Afghanistan nur noch in Begleitung von Männern und verschleiert in der Öffentlichkeit bewegen. Gerade Mädchen und Frauen treffe die derzeitige Notlage im Land mit voller Wucht. „Da müssen wir sie als internationale Staatengemeinschaft sehr viel mehr unterstützen, als das bislang der Fall ist.“

Misereor unterstützt aktuell in Afghanistan elf längerfristige Projekte und drei Nothilfen. Dazu gehören unter anderem drei Frauenbildungszentren, ein Frauen-Projekt zur Safranvermarktung sowie zwei Krankenhäuser und ein dezentrales Gesundheitsprojekt. Die Gesamtfördersumme beträgt rund acht Millionen Euro für drei Jahre. (epd/mig)

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