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Afghanistan © ErikaWittlieb @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Sechs Monate Taliban

Menschenrechtler mahnen Aufnahme verfolgter Afghanen an

Vor sechs Monaten übernahm der Taliban in Afghanistan die Macht. Seitdem fürchten Zehntausende Verfolgte im Land um ihr Leben. Menschenrechtler appellieren an die Bundesregierung, die Menschen nicht im Stich zu lassen. Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe.

Dienstag, 15.02.2022, 19:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 15.02.2022, 15:10 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Ein halbes Jahr nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan mahnen Menschenrechtler zu dringender Hilfe für Verfolgte in dem asiatischen Land. Zehntausende Menschen, die einen Bezug zu Deutschland hätten oder für Demokratie eingetreten seien, fürchteten um ihr Leben, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Pro Asyl, Kabul Luftbrücke und dem Patenschaftsnetzwerk Afghanistan. Die Situation in Afghanistan spitze sich täglich weiter zu, die versprochene Aufnahme von Verfolgten stocke.

Die Bundesregierung müsse zu ihrer Verantwortung stehen und Verfolgte retten, forderten die Organisationen. Dies gelte besonders für Menschen, die für deutsche Ministerien und Institutionen tätig gewesen seien, sowie für Afghaninnen und Afghanen, die sich als Journalisten, Anwälte oder Menschenrechtsaktivisten für Demokratie stark gemacht hätten.

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Pro Asyl, Kabul Luftbrücke und das Patenschaftsnetzwerk Afghanistan legten einen Zehn-Punkte-Plan vor, der unter anderem Direktflüge aus Kabul mit Visaerteilung an deutschen Flughäfen vorsieht. Zu den Vorschlägen unter der Überschrift „Vergesst Afghanistan nicht, handelt jetzt“ gehören weiter der Abbau bürokratischer Hindernisse in den Nachbarländern, eine sofortige Reform des Ortskräfteverfahrens und die Wiederöffnung der Menschenrechtsliste des Auswärtigen Amts.

Pro Asyl appelliert an Auswärtiges Amt

„Allein die Organisation Kabul Luftbrücke steht derzeit mit über 35.000 Menschen in Afghanistan in Kontakt, die dringend evakuiert werden müssen“, sagte Tareq Alaows von Kabul Luftbrücke. Hinzu kämen Tausende Menschen, die sich bei anderen Organisationen oder direkt beim Auswärtigen Amt gemeldet hätten.

Pro Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt appellierte an das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium, umgehend zu handeln. Die vorhandenen Möglichkeiten müssten unabhängig von einem neuen Bundesprogramm sofort genutzt werden.

Nahrungsmittelpreise mehr als verdoppelt

Derweil warnt die internationale Hilfsorganisation Care vor den negativen Auswirkungen der Wirtschaftssanktionen gegen das Land. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sei von akutem Hunger betroffen. „Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, ihre Unterstützung für notleidende Menschen in Afghanistan zu verstärken, einschließlich der Hilfe für Frauen und Mädchen, die unverhältnismäßig stark von der Krise betroffen sind“, sagt Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von Care Deutschland.

Die Preise für Grundnahrungsmittel im Land haben sich den Angaben nach in den letzten Monaten mehr als verdoppelt und machen das tägliche Leben unbezahlbar. Vor sechs Monaten kostete ein 5-Kilogramm-Sack Kartoffeln 110 Afghanis, umgerechnet rund 1 Euro, jetzt sind es 270 Afghanis, rund 2,58 Euro. Viele Menschen sind dazu gezwungen, ihr letztes Hab und Gut zu verkaufen, nur um eine Mahlzeit am Tag auf den Tisch zu bringen. (epd/mig)

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