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Care-Bericht

Hunger in Sambia ist medial am meisten vernachlässigte Krise

Nachrichten über internationale Katastrophen haben gegenüber Meldungen über Promis oder Sport oft das Nachsehen. Das erschwert auch die humanitäre Hilfe, kritisiert die Hilfsorganisation Care.

Dienstag, 25.01.2022, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 24.01.2022, 15:36 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Hilfsorganisation Care erinnert mit einer Medienanalyse an Katastrophen, die in internationalen Medien kaum Aufmerksamkeit finden. An der Spitze der zehn humanitären Krisen mit den wenigsten Schlagzeilen steht die Hungersnot im südafrikanischen Land Sambia, wie Care am Donnerstag in Bonn mitteilte. Sechs der zehn am wenigsten beleuchteten Krisenländer liegen demnach in Afrika. Für den Report analysierte der Dienst Meltwater den Angaben nach mehr als 1,8 Millionen Online-Artikel in fünf Sprachen im Zeitraum vom 1. Januar bis 30. September 2021.

Über die Krise in Sambia, die für mehr als 1,2 Millionen Menschen Hunger bedeute, gab es demnach lediglich 512 Artikel. Die Weltraumflüge der Milliardäre Jeff Bezos und Elon Musk hingegen seien mit etwa 240.000 Artikeln gewürdigt worden. „Für viele Menschen in ärmeren Ländern ist jeder Tag ein Kampf ums Überleben, doch die Weltöffentlichkeit bekommt davon kaum etwas mit“, kritisierte der Generalsekretär von Care Deutschland, Karl-Otto Zentel.

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Ukraine und Malawi

Nach Sambia folgt auf Platz zwei laut dem Report mit 801 Artikeln die Ukraine, wo im Osten seit mehr als sieben Jahren ein Konflikt herrsche. 3,4 Millionen Menschen benötigten humanitäre Hilfe, erklärte Care. Vor allem die Menschen an der sogenannten Kontaktlinie hätten nur eingeschränkte Bewegungsfreiheit und nur begrenzten Zugang zu medizinischer Versorgung oder Sozialleistungen.

An dritter Stelle nennen die Autoren des Berichts Malawi mit 832 Artikeln. Seit Jahren seien in dem afrikanischen Land die Folgen des Klimawandels mit voller Härte zu spüren. Wetterextreme wie Dürren, Überflutungen, Wirbelstürme und Bodenerosion sorgten für Existenzverlust, Heimatlosigkeit und die Flucht von Zehntausenden Menschen im eigenen Land.

Viele Krisenherde

Die weiteren medial kaum berücksichtigten Hunger-, Klima- und Armutskrisen spielen sich laut dem Bericht in der Zentralafrikanischen Republik (1.459 Artikel), Guatemala (1.644 Artikel), Kolumbien (2.136 Artikel), Burundi (2.265 Artikel), Niger (2.774 Artikel), Simbabwe (2.803 Artikel) und Honduras (3.920 Artikel) ab. Besonders viel mediale Aufmerksamkeit hingegen erfuhren außer den Weltraumflügen von Bezos und Musk die Olympischen Spiele in Tokio (3,5 Millionen Artikel) und das Thema „Home-Office“ (1,6 Millionen Artikel).

Vergessene Krisen seien auch für Hilfsorganisationen eine besondere Herausforderung, sagte Care-Generalsekretär Zentel. „Mit mangelndem medialem Interesse geht nicht selten auch eine geringere finanzielle Unterstützung einher. Und damit wird die konkrete Hilfe vor Ort noch schwerer.“ Die Krisen zeigten alle, dass die Lage für Frauen und Mädchen besonders prekär sei. „Sie essen weniger, wenn alle hungern, sie sind auf der Flucht von Übergriffen bedroht und sie leiden unter Unsicherheit, Gewalt und patriarchalen Strukturen.“ (epd/mig)

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