Beirut, Libanon, Stadt, Armut, Hunger, Häuser
Foto zeigt einen ärmeren Stadtteil in Beirut/Libanon © djedj @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Corona-Pandemie Report

Armen Ländern droht ein verlorenes Jahrzehnt

In der Corona-Pandemie schossen die Schulden vieler Entwicklungs- und Schwellenländer in die Höhe. Wo Staatsbankrott droht, sind die sozialen Folgen dramatisch. Hilfswerke fordern dringend einen Schuldenschnitt, um den Ländern Luft zu verschaffen.

Mittwoch, 27.01.2021, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 26.01.2021, 16:08 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Corona-Pandemie hat nach Einschätzung von Hilfsorganisationen die Schuldenkrise vieler armer Länder dramatisch verschärft. 132 von 148 untersuchten Staaten seien zu Anfang diesen Jahres kritisch verschuldet, acht mehr als vor einem Jahr, sagte Kristina Rehbein von der Initiative Erlassjahr.de am Dienstag bei der Vorstellung des Schuldenreports 2021, der zusammen mit Misereor erstellt wurde.

Die Organisationen fordern dringend Schuldenerlasse und ein Insolvenzrecht für angeschlagene Staaten. Der bisher von den G20-Staaten und multilateralen Institutionen gewährte Zahlungsaufschub für die ärmsten Länder reiche bei weitem nicht aus. Denn dadurch würden Verpflichtungen in die Zukunft verschoben. Zudem hätten sich private Gläubiger wie Banken, Fonds und andere institutionelle Anleger nicht beteiligt, sondern kassierten weiter Zins- und Tilgungszahlungen.

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Corona treibt Länder in die Schuldenfalle

Die aktuelle Überschuldung treffe nicht nur die ärmsten Länder, sondern auch Staaten wie Sri Lanka, Ägypten, Kolumbien, Angola und die Mongolei, die ebenfalls dringend Unterstützung bräuchten. Viele Länder hätten in der Pandemie Kredite aufnehmen müssen, weil Rohstoffeinnahmen, Tourismus und Rücküberweisungen von Migranten durch Corona eingebrochen seien. Der Libanon und Sambia hatten sich 2020 für zahlungsunfähig erklärt. Insgesamt sind laut Erlassjahr.de 21 Länder nicht mehr in der Lage, ihren Schuldendienst voll zu erfüllen.

„Die Corona-Pandemie treibt Länder, die schon vor dem Ausbruch von Covid-19 hoch verschuldet waren, weiter in die Schuldenfalle“, heißt es in dem Report, der sich vor allem auf Schätzungen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds stützt. Auch Suriname habe die Zahlungen inzwischen eingestellt, und der Tschad gelte als nächster „Pleitekandidat“, sagte Rehbein.

„Es droht ein verlorenes Entwicklungsjahrzehnt“

Es sei zu befürchten, dass viele Menschen ihr Leben wegen der wirtschaftlichen Corona-Folgen verlieren. Länder im Globalen Süden hätten kaum die Möglichkeit, aus eigener Kraft die notwendigen Mittel aufzubringen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Auch für dringende Investitionen in Gesundheit und Bildung fehle das Geld. „Es droht ein verlorenes Entwicklungsjahrzehnt“, heißt es im Schuldenreport.

Klaus Schilder von Misereor warnte vor einer dramatischen Zunahme von Hunger, Obdachlosigkeit, Bildungsnotstand, Arbeitslosigkeit und Todeszahlen. Der Finanzexperte forderte die Bundesregierung auf, sich in der EU und den G20-Staaten für die Beteiligung privater Gläubiger an Schuldenerleichterungen einzusetzen. Die Hoffnung, dass sich private Gläubiger freiwillig dazu bereitfänden, sei krachend gescheitert, sagte er. Erlassjahr.de ist ein Bündnis von mehr als 600 Organisationen aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft. (epd/mig)

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