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Hardy Krüger, Rechtsextremismus, Schauspieler, Kino, Film
Hardy Krüger © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Hardy Krüger

Vom Hitlerjungen zum Kämpfer gegen Rechts

Schauspieler, Schriftsteller, Weltenbummler und Kämpfer gegen rechts: Hardy Krüger hat viele Rollen in seinem Leben gespielt. Jetzt ist er im Alter von 93 Jahren in Kalifornien gestorben.

Freitag, 21.01.2022, 5:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20.01.2022, 15:34 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Film-Legende Hardy Krüger ist tot. Der Schauspieler und Schriftsteller starb am Mittwoch im Alter von 93 Jahren in Palm Springs (Kalifornien), wie seine Agentur am Donnerstag mitteilte. Hardy Krüger war in den 1950er und 1960er Jahre auch international erfolgreich mit Filmen wie „Einer kam durch“, „Hatari“, „Die Brücke von Arnheim“ und „Die Wildgänse“. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und engagierte sich gegen Rechtsextremismus.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Krüger als „großartigen Künstler“ und „großen deutschen Schauspieler“. „Sein Wirken war von spürbarer Leidenschaft zum Fach, von unvergleichlicher Wandlungsfähigkeit und von beeindruckender Ausdruckskraft geprägt“, erklärte Steinmeier in einem Kondolenzschreiben an Krügers Witwe Anita. Als Autor und als Weltreisender habe er den Deutschen mit seinen Reportagen quer durch alle Kontinente andere Kulturen nähergebracht.

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Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) betonte, Krüger habe über Jahrzehnte hinweg Millionen Menschen als Schauspieler, Schriftsteller und Weltreisender in seinen Bann gezogen. Das Engagement des überzeugten Demokraten gegen Rechtsextremismus bleibe unvergessen. „Hardy Krügers künstlerische Kraft und sein klares Einstehen gegen rechte Gewalt werden uns fehlen“, erklärte Roth.

Hardy im NS-Propaganda-Film

Krüger war am 12. April 1928 als Eberhard August Franz Ewald Krüger in Berlin zur Welt gekommen. Mit 15 Jahren spielte er in dem Propaganda-Film „Junge Adler“ mit. Nach Kriegsende begann er seine Karriere als Statist im Hamburger Schauspielhaus und als Hörfunk-Sprecher. Als einer von wenigen Deutschen spielte er in der Nachkriegszeit in internationalen Filmen an der Seite von John Wayne, James Stewart, Charles Aznavour, Cathérine Deneuve, Claudia Cardinale und Sean Connery. Während der 1960er und 1970er Jahre lebte er in Tansania auf seiner Farm am Kilimanjaro.

In den 1980er Jahren drehte Krüger als Weltenbummler 35 Reportagen über Menschen auf allen Kontinenten, die Antarktis eingeschlossen. 2009 wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz geehrt. In den 1980er Jahren war er vor allem als Schriftsteller tätig. 2016 veröffentlichte er den Bestseller „Was das Leben sich erlaubt“ über seine Jugend im Nazi-Deutschland und seine Wandlung zum Hitler-Gegner.

Engagement gegen Rechtsextremismus

Mit der Amadeu Antonio Stiftung engagierte sich Hardy Krüger zuletzt gegen Rechtsextremismus. 2013 gründete er zusammen mit Klaus Bednarz, Hark Bohm und Dieter Hallervorden die Initiative „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“. In den USA nahm er an zahlreichen Anti-Trump-Demonstrationen teil.

Hardy Krüger war in dritter Ehe seit 40 Jahren mit der amerikanischen Fotografin und Autorin Anita Park verheiratet. Die beiden leben abwechselnd in Kalifornien und in Hamburg. Zwei seiner Kinder, Christiane und Hardy Junior, sind ebenfalls erfolgreiche Schauspieler. (epd/mig)

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  1. urbuerger sagt:

    Leider gibt es zu wenig Menschen, die noch unter den Nazis gelebt haben und den Mut aufbrachen, dieses Leben auch aufzuarbeiten, so wie Krüger das gemacht hat!

    Gerade bei Hardy Krüger muss man auch noch bedenken, dass sein Vater in die Propaganda der Nazis stark eingebunden war!

    So einen Wandel, von Hitlerjugend Mitglied, zum Gegner der Rechtsextremen ist schon eine große Leistung, da dort mit allen Mitteln gearbeitet wurde, die jungen Deutschen, von der Sache der Nazis zu überzeugen!

    Mein Vater war im letzten Kriegsjahr, als 9 jähriger noch dazu gezwungen worden, bei der Hitlerjugend mitzumachen!
    Wie er uns oft, mit Tränen in den Augen erzählte, musste er und seine gleichaltrigen Kumpels mit ansehen, wie Fremdarbeiter misshandelt und sogar erschossen wurden, nur weil sie ihre Arbeit nicht mehr leisten konnten!
    Wenn meine Oma, dessen Ehemann von der SS an die Westfront gegen die Amerikaner geschickt wurde, weil ein Nazibonze aus dem Landkreisbüro den Hof meiner Großeltern haben wollte, mit samt meiner Oma als Frau!
    Mein Opa ist nur bis zum Bahnhof der Kreisstadt gekommen, da fand man dann die Leiche, erschossen von dem, der meiner Familie die Familie abnehmen wollte!

    Die Nazizeit muss für viele Deutsche sehr schlimm gewesen sein, was wahrscheinlich auch dafür sorgte, dass so viele anstatt sich aufzulehnen, lieber den Mund hielten, auch wenn es nicht richtig war!

    Ich kenne sehr viele Geschichten aus dem Leben von Deutschen während der Nazizeit und wie die Meisten darunter gelitten haben, wie zum Beispiel mein Vater, der noch im letzten Jahr in die Hitlerjugend musste!

    Der Vater meines Vaters verstarb mitten in den Kriegsjahren bei einem Unfall und meine Oma heiratete wieder, wusste aber erst später, was das für ein Mann war!
    Er behandelte meinen Vater als einen Bastard, nach dem ein erster eigener Sohn geboren wurde!
    Er nahm meinen Vater aus der Schule und schickte ihn in ein Kohlebergwerk in unserer Nähe!

    Mein Vater hat es nie geschafft, seine Rückstände beim Lernen wieder aufzuholen, tat aber nach dem Kriege alles, um unserer Familie ein anständiges Leben zu gewährleisten!
    Seine drei Söhne haben alle eine gute handeerklicheAusbilung genossen, bis zum Fachabitur und sind erfolgreich!

    Solange mein Vater lebte, erzählte er uns über die Nazizeit und hoffte, dass wir uns denen nie anschließen würden, denn er war ein Leben lang davon überzeugt, dass es noch sehr viele Deutsch gibt, die dieser Zeit Nachhängen!!!