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Berechnungen (Symbolfoto) © stevepb @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Gute Vorbereitung wichtig

Freiberufliche Tätigkeit in Deutschland – so bereitet man sich vor

Ausländer sind im Vergleich zu Deutschen viel öfter selbständig oder arbeiten als Freiberufler - oft aus einer Notsituation heraus. Deshalb ist der Gang in die Selbständigkeit oft nicht ausreichend vorbereitet.

Mittwoch, 29.09.2021, 0:01 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 30.09.2021, 10:10 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Die freiberufliche Tätigkeit in Deutschland ist eine flexible Tätigkeit, die sowohl Deutschen als auch Ausländern offen steht. Freiberufler sind Unternehmer, die Ihre Fähigkeiten für mehrere Auftraggeber nutzen. In der Regel sind Sie unter ihrem eigenen Namen gemeldet und müssen sich nicht beim Gewerbeamt anmelden oder Gewerbesteuer zahlen.

Was gilt als Freiberufler in Deutschland?

In Deutschland gibt es einige Unterschiede zwischen Freiberuflern und anderen Selbstständigen. Die Selbstständigkeit kann in zwei große Kategorien unterteilt werden.

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Freiberuflichkeit

Hierbei handelt es sich um eine spezielle Art der Selbstständigkeit, die auf eine bestimmte Anzahl von freien Berufen beschränkt ist. Diese Berufe sind oft mit akademischen oder kreativen Dienstleistungen verbunden, mitunter zählen folgende Berufe dazu:

  • Journalisten, Texter, Lehrer, Schriftsteller etc.
  • Künstler, Musiker, Designer, Fotografen, Programmierer
  • Ärzte, Therapeuten, Zahnärzte
  • Anwälte, Steuerberater Wirtschaftsprüfer
  • Architekten, Ingenieure

Für eine freiberufliche Tätigkeit in Deutschland ist keine Gewerbeanmeldung erforderlich.

Gewerbetreibende

Hierunter fallen alle anderen Berufe, die nicht offiziell als Freiberufler gelten. Meistens geht es dabei um den Bau und den Handel. In diesem Fall muss ein Gewerbe angemeldet werden, weshalb der Begriff „Gewerbetreibende“ verwendet wird.

Voraussetzungen für die Freiberuflichkeit in Deutschland

Es gibt einige Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, um in Deutschland freiberuflich arbeiten zu können. Darunter gehören mitunter die Adressregistrierung, Aufenthaltserlaubnis sowie Krankenversicherung. Was dabei gerne vergessen wird: In manchen Branchen sind bestimmte Gewerbeversicherungen gesetzlich verpflichtend bzw. eine Grundvoraussetzung dafür, Aufträge zu erhalten. Die Versicherungsexperten von insureQ fokussieren sich speziell auf die Bedürfnisse von Freiberuflern und helfen so dabei, die passenden Versicherungen zu finden.

Aufenthaltserlaubnis für selbstständige Tätigkeit

Bevor die Tätigkeit als Freiberufler aufgenommen werden kann, muss sichergestellt sein, dass die Person berechtigt ist, in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Bürgerinnen und Bürger aus der EU, dem Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz dürfen in Deutschland uneingeschränkt freiberuflich tätig sein.

Staatsangehörige anderer Länder benötigen einen entsprechenden Aufenthaltstitel, der sie zur Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit berechtigt. Für die Aufenthaltserlaubnis als Freiberufler müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, die je nach Situation unterschiedlich ausfallen können. Interessierten wird empfohlen, sich fachkundigen Rat zu holen.

Als Inhaber eines Freiberufler-Visums muss man sich innerhalb von sieben Tagen nach der Einreise beim Bürgeramt der jeweiligen Stadt anmelden. Die Registrierung besteht darin, online einen Termin zu vereinbaren. Bei diesem Termin muss ein ordnungsgemäß auf Deutsch ausgefülltes Antragsformular zusammen mit Reisepass, Visum, Mietvertrag und Vermieterbescheinigung vorgelegt werden, in der der Zeitpunkt des Einzugs bestätigt wird.

Deutsche Steuernummer erhalten

Ob als Freiberufler oder Festangestellter, man ist in Deutschland verpflichtet, jährlich Einkommensteuer zu zahlen. Auch als Freiberufler muss man eine Steuernummer als Erlaubnis für die Ausübung einer zulässigen freiberuflichen Tätigkeit in Deutschland haben. Das Registrierungsverfahren beinhaltet die Einreichung des ordnungsgemäß ausgefüllten Fragebogens zur steuerlichen Erfassung beim nächstgelegenen Finanzamt Ihres Wohnsitzes.

Für den Fragebogen werden folgende Informationen benötigt:

  • Steuer-Identifikationsnummer
  • Beschreibung der freiberuflichen Tätigkeit
  • Angaben zu deutschen Bankkonten
  • Geschätzte Geschäftseinnahmen und -ausgaben
  • Geschätzter Gewinn
  • Angabe, ob Umsatzsteuer berechnen werden soll

Das Finanzamt wird anschließend auf Grundlage dieser Angaben bestimmen, ob die Voraussetzungen eines Freiberuflers vorliegen. Wer keine Erfahrung mit Steuern hat, sollte einen Steuerberater hinzuziehen, der wertvolle Tipps geben kann.

Ein Bankkonto eröffnen

Praktisch ist, dass einfach das persönliche Bankkonto genutzt werden kann für alle geschäftlichen Ausgaben und Zahlungseingänge. Dies birgt jedoch das Risiko, dass private Ausgaben sich mit beruflichen Ausgaben vermischen. Von Vorteil ist es jedoch, Privates und Berufliches zu trennen, insbesondere wenn auch Umsatzsteuer gezahlt werden soll.

Aus diesem Grund gibt spezielle Konten für Freiberufler. Es lohnt sich daher ein genauer Blick auf das Angebot von Banken. Die Konditionen und Leistungen können teilweise sehr voneinander abweichen – genauso die Kontoführungsgebühren.

Auch bei der Rechnungsstellung gibt es verschiedene Richtlinien, die erfüllt werden müssen. Bevor eine Rechnung an einen Klienten versendet werden sollte, sollte eingehend geprüft werden, ob alle Pflichtangaben auf der Rechnung vorhanden sind. Auch hier kann ein Steuerberater sehr hilfreich sein.

Krankenversicherung abschließen

In Deutschland gilt eine Krankenversicherungspflicht. Die Krankenversicherung ist für Freiberufler teurer, da es keinen Arbeitgeber gibt, der 50 Prozent der Kosten übernimmt.

Freiberufler und Selbständige haben die Wahl zwischen einer privaten und einer gesetzlichen Krankenversicherung. Wer aus einem Nicht-EU-Land kommt, ist möglicherweise gezwungen, sich privat zu versichern. Die gesetzlichen Krankenkassen lehnen es oft ab, Freiberufler ohne berufliche Vorgeschichte in Deutschland zu versichern. Wer sich für eine private Krankenversicherung entscheidet, zahlt einen Tarif, der sich nach Risiken und gesundheitlichen Vorbelastungen richtet. Wer jung und fit ist, kann sogar eine Versicherung für nur 150 € pro Monat abschließen. Wer älter ist und chronische Erkrankungen hat, muss deutlich mehr bezahlen.

Fazit

Wer sich als Freiberufler in Deutschland behaupten möchte, muss beharrlich bei den Formalitäten sein, Selbstdisziplin aufbringen sowie Kraft und Ausdauer. Eine gute Vorbereitung ist ebenfalls erforderlich – insbesondere im Hinblick auf die Steuern. Insbesondere Ausländer verlieren in der Praxis oft den Überblick oder müssen Insolvenz anmelden, weil sie etwaige Steuernachzahlungen unterschätzt haben. Wer die hier genannten Eigenschaften jedoch mitbringt und sich vorab gut informiert, kann als Freiberufler in Deutschland aber Erfolg haben. (dd)

Wirtschaft
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