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Sprache © MiG

Germanist Lobin

Sprachpolitik nimmt mehr Raum in Wahlprogrammen ein

Sprachbezogene Themen haben Konjunktur seit den großen Fluchtbewegungen. Oft geht es um sprachliche Integration, Bildung oder um Hassrede. Laut Sprachwissenschaftler Henning Lobin spiegelt sich das Thema zunehmend auch im Bundeswahlkampf wider.

Von Freitag, 13.08.2021, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 12.08.2021, 17:21 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Sprachpolitische Themen spielen im aktuellen Bundestagswahlkampf nach Angaben des Sprachwissenschaftlers Henning Lobin eine deutlich größere Rolle als bei früheren Wahlen. In den Wahlprogrammen der großen Parteien tauchten sie viel häufiger auf als noch vor vier Jahren, sagte der Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache dem „Evangelischen Pressedienst“. So sei bei der CDU die Anzahl der Positionierungen zu Fragen wie sprachlicher Integration, Hassrede und sprachlicher Bildung von nur drei auf zehn gestiegen. Bei der AfD habe sich die Zahl von acht auf 16 verdoppelt, auch bei den Grünen sei ein Plus zu verzeichnen.

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Sprachbezogene Themen hätten zwar schon seit 2017 Konjunktur, unter anderem infolge der großen Flüchtlingsbewegung, die praktische Fragen etwa zur Organisation von Sprachkursen aufgeworfen habe, erklärte Lobin. „Seitdem sind sie aber noch einmal stark ausgeweitet und ausdifferenziert worden.“ Das zeige, dass das Bewusstsein der Parteien gewachsen sei, „dass Sprache eine sehr wichtige Rolle spielt, nicht nur für Integration und Bildung, sondern auch in vielerlei anderer Hinsicht“. Einzig bei der SPD zeige sich ein umgekehrter Trend: Hier sei im Wahlprogramm die Zahl der Positionen etwa zu Asyl und Sprachkompetenz, Förderung von Mehrsprachigkeit oder Minderheiten- und Regionalsprachen von einst sieben auf drei geschrumpft.

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Die Wahlprogramme spiegeln nach Ansicht des Forschers auch wider, „dass allgemein Sprache in der Öffentlichkeit derzeit sehr intensiv und kontrovers diskutiert wird“. So positionierten sich bis auf CDU und FDP alle derzeit im Bundestag vertretenen Parteien auch zum Thema Gendern. Die Linke spreche sich explizit für eine diskriminierungsfreie Sprache aus, die AfD klar gegen das Gendern. Eine „gewisse Liberalität“ bringt die CSU laut Lobin mit dem Passus zum Ausdruck: „Wer gendern mag, soll gendern, aber niemand soll dazu gezwungen werden. Wir stehen für Identität statt Ideologie.“

Sprache ein Thema mit hohem Bindungspotenzial

Grüne, Linke und SPD gehen dem Germanisten zufolge indirekt auf die geschlechtergerechte Sprache ein, indem sie in ihren Programmen selbst konsequent den Genderstern für Personenbezeichnungen wie „Bürger*innen“, „Wähler*innen“ und „Verbraucher*innen“ verwenden. CDU, CSU und FDP setzten hingegen Doppelnennungen wie „Rentnerinnen und Rentner“ ein, sagte der Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Mannheim. Bei der AfD sei ausschließlich das generische Maskulinum zu finden, also die verallgemeinerte männliche Form.

Dass die Sprachpolitik heute insgesamt präsenter sei in den Wahlprogrammen, gehe vermutlich unter anderem auf die AfD zurück, die diesen Fragen schon in ihrem Grundsatzprogramm 2016 einen hohen Stellenwert eingeräumt habe. „Die AfD hat wahrscheinlich als erste Partei erkannt, dass die deutsche Sprache ein Thema mit hohem Bindungspotenzial ist“, erklärte der 57-jährige Direktor des Mannheimer Instituts. (epd/mig)

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  1. urbuerger sagt:

    Durch das Gendern der Sprache, wird die Sprache Ansich zerstört!
    Wir haben eine schöne, aussagekräftige Sprache, die ohne große Schnörkel auskommt und wird nun durch Gendersternchen unschön und fast unleserlich gemacht!

    Deutsch ist und wahr du nicht Deutsche schon immer schwer zu erlernen, allein auf Grund der schwer zu ergründenden Grammatik, die selbst die meisten Deutschen nicht beherrschen, ich zâhle mich selbst auch dazu!
    Wenn nun eine Minderheit, die besonders Laut ist, der Meinung ist, der großen, großen Mehrheit, vorschreiben zu wollen, wie unsere Sprache das mitfeministische oder das maskuline zu Sprechen oder zu schreiben hat, halte ich für sehr bedenklich, innerhalb einer Demokratie, in der es um Mehrheiten geht nicht um Lautstärke Minderheiten!

    Auch sehr ich keine echte Begründung unsere Jahrhundrte bestehende Sprache, die zwar immer wieder Mal einer Erneuerung oder Änderung unterlegen war, nun so grundlegend, durch eine Genderschreinweise zerstört werden soll, in dem man mit aller Gewalt versucht etwas durchzudrücken, was nicht Mal von der Mehrheit der Frauen gewollt ist, weil auch sie nicht wollen, dass Texte fast unleserlich werden, weil man permnent Pausen einlegen muss, um die Gendersternchen mitlesen zu können!
    Wer sich schon Mal einem Versuch, dieses Umzusetzen im TV angetan hat, weiß was gemeint ist!
    Ich hoffe inständig, dass sich das Gendern nicht durchsetzt!
    Allerdings würde ich mich anpassen, wenn es eine Lösung geben wird, die unsere Sprache nicht dermaßen zerstört, als Beispiel wäre doch eine Möglichkeit, Anstatt Forscher*innen, einfach Forschenden zu sagen oder zu Schreiben, denn in der Mehrzahl lässt sich weder das Remistische noch das maskuline bevorzugen!!!