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Rettungsschiff Alan Kurdi im Mittelmeer © Sea Eye/Karsten Jäger

Erzwungene Rückkehr

„Sea-Eye 4“ rettet über 400 Menschen aus Seenot im Mittelmeer

Die Lage im Mittelmeer ist wieder angespannt. Während die „Sea-Eye 4“ bei ihrem ersten Einsatz über 400 Menschen aus Seenot rettet, registrieren die UN Hunderte erzwungene Rückführungen nach Libyen.

Dienstag, 18.05.2021, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 17.05.2021, 15:00 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Das Rettungsschiff „Sea-Eye 4“ hat bei sechs Einsätzen im Mittelmeer mehr als 400 Menschen aus Seenot gerettet. Nachdem bereits 330 Flüchtlinge von fünf Einsätzen seit Samstag an Bord gewesen seien, habe ein weitere Notruf die Besatzung erreicht, erklärte die Organisation Sea-Eye, die das Schiff betreibt, am Montag. Die zuständige Rettungsleitstelle auf Malta habe nicht reagiert, deshalb habe man auch die Menschen dieses sechsten Bootes aus Seenot gerettet. „Die Crew ist am Limit.“

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Zwar sei die „Sea-Eye 4“ 72 Stunden im Einsatz gewesen, erklärte Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler. Da den europäischen Behörden aber weitere Seenotfälle bekannt gewesen seien, sie jedoch nicht reagiert hätten, habe man die Suche nach Vermissten fortgesetzt. „Die EU-Staaten lassen die schutzsuchenden Menschen im Stich.“ Beim fünften Einsatz hatte die „Sea-Eye 4“-Besatzung 99 vorwiegend aus Syrien stammende Geflüchtete an Bord geholt und einige Stunden vorher weitere 50. Unter den Geretteten seien zahlreiche Kinder und Frauen, einige hätten medizinische Versorgung gebraucht.

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Es ist der erste Rettungseinsatz des neuen Schiffes „Sea-Eye 4“. Wie auch die „Sea-Watch 4“ der gleichnamigen Organisation wird die „Sea-Eye 4“ vom Bündnis United4Rescue unterstützt. Die Pflicht zur Seenotrettung sei ein Völkerrecht – „auch wenn diese Pflicht aktuell nur von der zivilen Seenotrettung wahrgenommen wird und nicht von den Mitgliedstaaten der EU“, erklärte der Vorsitzender von United4Rescue, Thies Gundlach.

Zur Rückkehr nach Libyen gezwungen

Derweil erklärte die Internationale Organisation für Migration (IOM), dass in der Nacht auf Montag mehr als 680 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer zu einer Rückkehr nach Libyen gezwungen worden seien. „Die Unterstützung der libyschen Rettungsbehörden sollte davon abhängig sein, dass niemand willkürlich festgenommen wird oder Menschenrechtsverletzungen erdulden muss“, forderte IOM-Sprecherin Safa Msehli.

Ohne eine solche Garantie solle die Unterstützung überdacht werden. Die libysche Küstenwache wird unter anderem von der EU finanziert und hat seit Jahresbeginn mehr als 7.000 Menschen zur Rückkehr nach Libyen gezwungen. In den libyschen Flüchtlingslagern herrschen laut UN und Menschenrechtlern dramatische Bedingungen.

Eine der gefährlichsten Routen der Welt

Die Besatzung der „Sea-Eye 4“ hatte am Freitag einen Notruf aus einem Holzboot mit etwa 50 Menschen an Bord weitergeleitet bekommen, es aber leer vorgefunden, wie Sea-Eye mitteilte. Während des Einsatzes habe die Crew ein Flugzeug der EU-Grenzschutzagentur Frontex gesichtet. Man gehe davon aus, dass die Migrantinnen und Migranten „auf Veranlassung der EU-Staaten Opfer einer weiteren rechtswidrigen Zurückweisung geworden sind und die Menschen in die Internierungslager Libyens zurückgebracht wurden“, sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler.

Das Mittelmeer ist eine der gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Laut IOM starben bei dem Versuch, auf diesem Weg nach Europa zu gelangen, seit Jahresbeginn 1.269 Menschen. (epd/mig)

Leitartikel Panorama
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