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Polizeiabsperrung (Symbolfoto) © Stadtgeschehen-Luebeck @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Nordrhein-Westfalen

Rechte Gewalt bleibt trotz Pandemie auf hohem Niveau

Knapp 200 rechte Gewalttaten haben Opferberatungsstellen in NRW im vergangenen Jahr gezählt. Trotz Pandemie bewegt sich die Gefahr von rechts damit fast auf Vorjahresniveau. Experten warnen: Rassistische Gewalt bleibt ein schwerwiegendes Problem.

Donnerstag, 15.04.2021, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 14.04.2021, 17:14 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Im vergangenen Jahr wurden in Nordrhein-Westfalen (NRW) 198 rechte Gewalttaten gegen mindestens 267 direkt betroffene Menschen verübt, darunter auch Kinder und Jugendliche. Dies ist das Ergebnis der Jahresstatistik 2020 von Opferberatung Rheinland (OBR) und BackUp, den beiden Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer, antisemitischer und anderer menschenfeindlich motivierter Gewalt in NRW.

Trotz Shutdown und Social Distancing verzeichnen die Beratungsstellen in ihrem Monitoring für das Jahr 2020 ein nahezu unverändert hohes Niveau rechter Gewalttaten. Der Rückgang beträgt den Angaben zufolge lediglich zwei Prozent. „Rassistisch motivierte Gewalt nimmt weiter zu, die Anzahl rechter Angriffe gegen politische Gegner:innen bleibt hoch“, so die Beratungsstellen. Darunter: Eine versuchte Tötung, 166 Körperverletzungsdelikte, davon mindestens 47 gefährliche und 22 massive Bedrohungen.

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„Rassistische Gewalt bleibt ein schwerwiegendes Problem in NRW. 2020 war Rassismus weiterhin das mit großem Abstand häufigste Tatmotiv – bei steigender Tendenz“, so OBR und BackUp. 138 der insgesamt 198 Taten (69 Prozent) wurden aus rassistischen Motiven heraus begangen. Die verschiedenen Formen rassistischer Gewalt zeigen sich den Angaben zufolge in Angriffen gegen geflüchtete Personen (23), Sinti:zze und Rom:nja (8), in Form von anti-Schwarzem Rassismus (27) sowie antimuslimischem Rassismus (18). Außerdem: Die überwiegende Mehrheit der dokumentierten Angriffe auf Kinder (86 Prozent) und Jugendliche (80 Prozent) war rassistisch motiviert.

Betroffene müssen Polizei vertrauen

Wie die Beratungsstellen weiter mitteilen, werden immer mehr Angriffe im direkten Wohnumfeld bekannt. Pandemie-Bedingungen und die Verlagerung des Alltags vieler Menschen in den privaten Nahbereich hätten die Folgen für Betroffene noch einmal verstärkt. „Nicht nur während einer Pandemie erfüllt der persönliche Wohnraum häufig eine besondere Schutz- und Rückzugsfunktion“, so Birgit Rheims (OBR). „Wenn dieser sensible Ort aber Ziel von Angriffen wird, kann das Sicherheitsgefühl im eigenen Zuhause massiv erschüttert werden und bei den Betroffenen zu einem chronisch hohen Stresslevel mit gravierenden gesundheitlichen Folgen führen.“

Sabrina Carrasco Heiermann vom BackUp ist überzeugt, dass für die Bekämpfung rechter Gewalt es unumgänglich ist, die Forderungen und Perspektiven von Betroffenen ins Zentrum der Debatte zu rücken. „Nach Black Lives Matter und Hanau bleibt auch 2021 der Ruf nach Sicherheitsbehörden, die über Wissen und Sensibilität im Kontext verschiedener Ungleichwertigkeitsvorstellungen in unserer Gesellschaft verfügen und denen Betroffene rechter Gewalt vertrauen können“, so Carrasco Heiermann. (mig)

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