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Ditib Moschee in Köln © Jan Maximilian Gerlach @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Studie

Religionspädagoge: Islam ist Identitätsanker und Integrationshilfe

In der öffentlichen Debatte gilt der Islam oft als „Integrationshindernis“. Dem widerspricht Religionswissenschaftler Manfred Pirner, der in einer Studie 45 Jugendlichen befragt hat. Das Gegenteil sei der Fall.

Von Montag, 08.03.2021, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 07.03.2021, 12:41 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die islamische Religionszugehörigkeit ist für jugendliche Migranten sowohl Identitätsanker als auch Integrationshilfe. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Nürnberger Religionswissenschaftlers Manfred Pirner. In der öffentliche Debatte spiegle sich das aber nicht wider, sagte Pirner dem „Evangelischen Pressedienst“. Die islamische Religionszugehörigkeit werde von vielen als „Integrationshindernis“ gesehen. „Das ist aber überzogen und stimmt so nicht unbedingt.“

Zwar sei eine gewisse Unsicherheit und Distanz der muslimischen Jugendlichen gegenüber Christen und Nicht-Gläubigen festzustellen, dennoch sei nur bei einigen wenigen eine intolerante Haltung anderen Religionen gegenüber zu konstatieren. „Es gibt Hinweise, dass aus der islamischen Tradition heraus eine gewisse Offenheit, Toleranz und Verständigungsbereitschaft besteht“, sagte der Lehrstuhlinhaber für Religionspädagogik und Didaktik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

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Außerdem fände ein Lernprozess bei den jugendlichen Migranten statt: Mehr als die Hälfte der Befragten hätten in kurzer Zeit nicht-religiöse Freunde in Deutschland, denen die Geflüchteten attestierten, auch ohne Religion glücklich und moralisch gut sein zu können. Pirner wertete es als „gesellschaftliche Schieflage“, wenn der Eindruck entstehe, „die stark religiösen Geflüchteten müssten immer fundamentalistisch, extremistisch oder ablehnend gegenüber anderen Religionen sein“.

Islam Ressource für Integration

In dem Forschungsprojekt hatte Pirner über einen Zeitraum von fast vier Jahren 45 Jugendliche mit Fluchthintergrund in Nürnberg, Leipzig und Berlin befragt. Anliegen der Studie sei es gewesen, ein Bewusstsein dafür zu wecken, dass Religiosität auch eine positive Seite habe und eine Ressource für Lebensbewältigung und Integration sein könne. „Das lässt sich durch die Ergebnisse unserer Studie klar belegen.“

Pirner plädierte für einen islamischen Religionsunterricht an den Schulen: „Es ist wichtig, dass die muslimischen Kinder und Jugendlichen erfahren, dass ihre Religion in der Schule einen Platz hat, an dem sie sich ihrer selbst vergewissern können, aber auch Perspektiven erschlossen bekommen, wie sie ihre religiöse Orientierung mit der Offenheit einer pluralistischen und menschenrechtsorientierten Gesellschaft wie der unseren verbinden können.“ (epd/mig)

Gesellschaft Leitartikel
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