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Studie

AfD profitiert von Abwanderung

Abwanderung innerhalb Deutschlands stärkt die AfD – Vom Wegzug ins Ausland können Rechtspopulisten in ganz Europa hingegen kaum profitieren. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie.

Mittwoch, 09.12.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 08.12.2020, 15:43 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Zwischen regionaler Abwanderung und den Wahlerfolgen der AfD gibt es einer Studie zufolge einen Zusammenhang. Demnach ist die AfD bundesweit besonders erfolgreich in Regionen, die in den vergangenen drei Jahrzehnten von Abwanderung betroffen waren. Das zeigt die Studie „Emigration in Europa“ des Mercator Forums Migration und Demokratie (Midem) an der Technischen Universität Dresden, die am Dienstag vorgestellt wurde.

Midem untersuchte nach eigenen Angaben die Wanderungsbewegungen der vergangenen drei Jahrzehnte auf Ebene von Kreisen und kreisfreien Städten und verglich diese mit dem Ergebnis der Europawahl 2019. In den ostdeutschen Bundesländern lasse sich dieser Zusammenhang besonders häufig nachweisen, weil von dort seit 1990 besonders viele Menschen abgewandert seien, erklärte Midem-Direktor Hans Vorländer.

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Für einen nachhaltigen Einfluss in den ostdeutschen Regionen habe die Abwanderung nach der Jahrtausendwende gesorgt, hieß es weiter. Der positive Zusammenhang zwischen allgemeiner Wanderungsbilanz und rechtspopulistischem Wahlverhalten gelte unabhängig von anderen Faktoren wie Bevölkerungsdichte, Bruttoinlandsprodukt pro Kopf oder Arbeitslosenquote. Er sei insgesamt in West- stärker ausgeprägt als in Ostdeutschland, schreiben die Autoren um Vorländer.

Auswanderung ins Ausland

„Dieses Ergebnis legt nahe, dass die Stärke der AfD auch mit den Verlustgefühlen der Zurückgebliebenen zu tun hat, die vor Ort die Folgen einer Ausdünnung der sozialen Infrastruktur spüren“, erklärte der Politologe Vorländer. Die damit verbundene Frustration könne die AfD für sich nutzen.

Die Studie zeigt aber auch: Nicht jede Form der Abwanderung wirkt in gleicher Weise. Von hohen Wegzugsraten ins Ausland etwa können rechtspopulistische Parteien in Europa kaum profitieren. Im Gegenteil: „Dort, wo viele Menschen auswandern, schneiden Rechtspopulisten tendenziell schlechter ab“, heißt es.

Kontext entscheidend

Offensichtlich wirke sich der Wegzug ins Ausland anders auf das Wahlverhalten der Einheimischen aus als Umzüge innerhalb des Landes. Denkbar sei, dass die Erfahrung von innereuropäischer Mobilität ein wichtiger Faktor für den Abbau nationalistischer Vorurteile ist. Allerdings sei hier der Kontext entscheidend: In wirtschaftlich schwachen Regionen könnten hohe Auswanderungsraten rechten Parteien nämlich durchaus zu Stimmengewinnen verhelfen.

Die Forscher haben zudem untersucht, wie das Thema Emigration im politischen und medialen Diskurs jener EU-Länder behandelt wird, die von Auswanderung betroffen sind. In mittel-, ost- und südeuropäischen Ländern griffen Parteien das Thema Auswanderung eher selten auf. Anders als das Thema Einwanderung polarisiere Auswanderung die europäischen Parteienlandschaften kaum. Und wenn sie es aufgriffen, dann über Parteigrenzen hinweg meist als soziales und ökonomisches Problem. (epd/mig)

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