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Trauer © MiG

"Er wird uns fehlen"

Neonaziopfer Noël Martin gestorben

Ein rechtsextremer Angriff in Brandenburg hat ihn mit 36 Jahren zum Pflegefall gemacht. Danach hat er sich trotz schwerster Behinderung im Jugendaustausch und gegen Rassismus engagiert. Nun ist Noël Martin kurz vor seinem 61. Geburtstag gestorben.

Donnerstag, 16.07.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 15.07.2020, 16:48 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Rund 24 Jahre nach einem rassistischen Anschlag in Brandenburg ist der dabei schwer verletzte Brite Noël Martin am Dienstag in seiner Heimatstadt Birmingham gestorben. Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bekundete am Mittwoch seine Trauer und rief zum Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus auf. Seit dem Angriff im Juni 1996 in Mahlow bei Berlin war Noël Martin vom Hals abwärts gelähmt und pflegebedürftig. Der gebürtige Jamaikaner wurde 60 Jahre alt.

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Noël Martin habe „nach dieser schrecklichen Tat die Kraft gefunden, vor allem Jugendliche vor Rassismus und Rechtsextremismus zu warnen und für Toleranz und Verständigung einzutreten“, erklärte Woidke in Potsdam: „Durch seinen unerschütterlichen Willen und seine klare Haltung, sich für ein gewaltfreies Miteinander einzusetzen, ist er für viele zu einem Vorbild geworden.“

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Der Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, betonte Woidke. Die jüngsten Ereignisse etwa in Halle und Hanau zeigten eindrücklich, wie wichtig und notwendig dieses Engagement sei. „Wir können nicht ungeschehen machen, was Noël Martin in unserem Bundesland passiert ist“, sagte der Ministerpräsident: „Aber sein Schicksal ist uns Verpflichtung, diesen Kampf in seinem Sinne fortzusetzen.“

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„Er wird uns fehlen“

Noël Martin sei vor rund einer Woche in Birmingham ins Krankenhaus gekommen und später auch auf der Intensivstation behandelt worden, sagte Michael Ferguson, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Noël-und-Jacqueline-Martin-Stiftung, dem „Evangelischen Pressedienst“ am Mittwoch in Berlin. Ab Montagabend habe er dort auch wieder Besuch empfangen dürfen und hätte so beim Sterben begleitet werden können. Ein Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie bestehe nach derzeitigem Kenntnisstand nicht.

„Er wird uns fehlen, als Vorbild, als Mensch“, sagte Ferguson. Er hoffe, dass die Arbeit der Stiftung in Martins Sinne fortgeführt werde. Die Stiftung steht seit 2008 unter der treuhänderischen Verwaltung der Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“. Weitere Trauerbekundungen kamen unter anderem von der Linken und den Grünen.

16. Juni 1996

Noël Martin wurde am 23. Juli 1959 in St. Thomas auf Jamaika geboren und hat seit seinem zehnten Lebensjahr in England gelebt. Am 16. Juni 1996 wurde er Opfer eines rassistischen Angriffs in Mahlow am südlichen Berliner Stadtrand. Die beiden Täter, damals 17 und 24 Jahre alt, hatten ihn und zwei Kollegen verfolgt und dann einen Stein gezielt in das Auto geschleudert. Martin verlor die Kontrolle über seinen Wagen und brach sich bei dem anschließenden Unfall zwei Halswirbel. Das Landgericht Potsdam verurteilte die Täter im Dezember 1996 zu Haftstrafen von fünf und acht Jahren.

Im Sommer 2001 kehrte Noël Martin nach Mahlow zurück, um eine Demonstration gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit anzuführen. Damals regte er den Angaben zufolge Begegnungen zwischen Jugendlichen aus der Region und Birmingham an. Aus diesem Austausch hat sich die Noël- und Jacqueline-Martin-Stiftung entwickelt, die den Jugendaustausch weiterführt. (epd/mig)

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