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Wohncontainer (Symbolfoto) © DeepakG @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Corona

Immer mehr Flüchtlingsunterkünfte komplett in Quarantäne

Immer mehr Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge werden aufgrund Corona-Infektionen komplett unter Quarantäne gestellt. Das Menschenrechtsinstitut fordert dezentrale Unterbringung. In Bremen demonstrierten 70 Personen unter strengen Auflagen gegen Gemeinschaftsunterkünfte.

Dienstag, 21.04.2020, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 21.04.2020, 0:09 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

In einer Flüchtlingsunterkunft bei Kassel sind 30 von insgesamt 62 Bewohnern mit dem Coronavirus infiziert. Wie der Sprecher des Landkreises Kassel, Harald Kühlborn, am Montag mitteilte, steht die Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises in Baunatal-Hertingshausen seit mehr als einer Woche komplett unter Quarantäne.

Bei allen Infizierten verlaufe die Erkrankung mild, niemand habe ins Krankenhaus gemusst. Da die Räumlichkeiten beengt seien, sei eine Art provisorischer Zaun um das Gebäude gezogen worden, damit die Menschen auch nach draußen gehen könnten, sagte Kühlborn. Die Gruppenquarantäne werde sich wohl noch bis in den Mai hinein erstrecken.

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Menschenrechtsinstitut bemängelt Massenunterkünfte

Das Deutsche Institut für Menschenrechte bemängelt, dass es in Deutschland viele große Flüchtlingsunterkünfte gibt, in denen auf engem Raum hunderte Menschen untergebracht sind und sich Zimmer und sanitäre Anlagen teilen. Damit seien die Menschen einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt, da Abstands- und Hygieneregeln nur schwer eingehalten werden können.

„Wo immer möglich, sollten freie Kapazitäten genutzt werden, um die Menschen dezentral unterzubringen. Das gilt vor allem für Personen mit besonderen gesundheitlichen Risiken. Hierfür könnten auch derzeit leerstehende Hotels und Ferienwohnungen genutzt werden“, erklärte das Institut anlässlich der Veröffentlichung einer Stellungnahme.

EU-Kommission gibt Leitlinien heraus

Dass in Deutschland Aufnahmeeinrichtungen komplett unter Quarantäne gestellt werden, sind dem Institut zufolge in der EU-Aufnahmerichtlinie nicht vorgesehen und sollten nach nationalem Recht nur vorgenommen werden, wenn sie zumutbar, verhältnismäßig und nicht-diskriminierend sind. „Viele Geflüchtete sind stark verunsichert und fühlen sich nicht ausreichend informiert. Die Menschen haben ein Recht darauf, zu jeder Zeit hinreichend und in einer für sie verständlichen Sprache über die aktuelle Situation informiert zu werden“, so die Experten.

Auch die EU-Kommission hat Handlungsempfehlungen zur Aufnahme und Versorgung von Geflüchteten in Zeiten der Corona-Pandemie herausgegeben. In den Leitlinien fordert die EU-Kommission die Mitgliedstaaten zur Einhaltung des europäischen Asylrechts auch unter den Bedingungen der Corona-Pandemie auf und verweist dabei insbesondere auf die EU-Aufnahmerichtlinie.

Demonstrationen vor Flüchtlingsunterkünften

Derweil kommt es immer öfter zu Demonstrationen wegen der mangelhaften Unterbringung von Flüchtlingen in Aufnahmeeinrichtungen. Zuletzt haben mehr als 70 Demonstranten in Bremen die Schließung der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge gefordert, wo derzeit 350 junge und sehr junge Flüchtlinge untergebracht sind. In den Mehrbettzimmern könnten die Bewohner keinen Abstand halten und nicht ausreichend vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden, kritisierten Aktivisten am Freitag. Auch dort wurden bei 33 Flüchtlingen symptomfreie Corona-Infektionen bestätigt.

Die Demonstration unterlag aufgrund des Infektionsrisikos strengen Auflagen. So war die Teilnehmerzahl begrenzt. Die Demonstranten mussten Gruppen von maximal bis zu 15 Personen bilden. Die Aktivisten in den Gruppen sollten untereinander zwei Meter Abstand halten. (epd/mig)

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