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Zahl rückläufig

Rund 1.800 minderjährige Flüchtlinge vermisst

Die Zahl der vermissten unbegleiteten geflüchteten Minderjährigen geht weiter zurück. Grund: Wer die Volljährigkeit erreicht, fliegt aus der Statistik. Ulla Jelpke, bezeichnete den Umgang der Bundesregierung mit minderjährigen Flüchtlingen als irritierend.

Dienstag, 21.04.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 20.04.2020, 16:07 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die Zahl der vermissten unbegleiteten geflüchteten Kinder und Jugendlichen ist in Deutschland deutlich zurückgegangen. Etwa 1.800 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – vor allem aus Afghanistan, Syrien, Marokko, Guinea und Somalia – waren Ende März bei den Behörden als vermisst gemeldet, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht, die dem MiGAZIN vorliegt. Im April 2018 seien es noch rund 4.200 Kinder und Jugendliche gewesen, im April 2019 etwa 2.500.

Den Rückgang der Zahlen erklärte die Bundesregierungen damit, dass viele junge Flüchtlinge die Volljährigkeit erreicht hätten und damit nicht mehr als verschwundene Minderjährige erfasst würden. Zudem kämen mittlerweile insgesamt weniger Asylsuchende nach Deutschland. Aufgrund von Mehrfachnennungen und fehlenden Personalpapieren sei eine genaue Erhebung der tatsächlich vermissten geflüchteten Kinder und Jugendlichen nicht möglich.

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Besonders viele junge Flüchtlinge ohne Familie in Deutschland gelten derzeit den Angaben zufolge in Bayern als vermisst (615), gefolgt von Hessen (190) und Nordrhein-Westfalen (173). In Brandenburg verzeichnen die Behörden lediglich 14 vermisste Kinder und Jugendliche.

Jelpke: Umgang irritierend

Von 2016 bis 2019 seien gut 21.000 Fälle von vermissten minderjährigen und unbegleiteten Flüchtlingen aufgeklärt worden. Gründe für ihr Verschwinden seien etwa die Weiterreise zu Familienangehörigen innerhalb Deutschlands oder Europas oder Unzufriedenheit mit dem Unterbringungsort gewesen. Für untergetauchte minderjährige Flüchtlinge bestehe zudem die Gefahr der Ausbeutung etwa durch Menschenhändler, warnte die Bundesregierung in dem Dokument.

Die Innenexpertin der Linken im Bundestag, Ulla Jelpke, bezeichnete den Umgang der Bundesregierung mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen als irritierend. „Als Gegenmittel gegen das Verschwinden von geflüchteten Kindern und Jugendlichen nennt sie eine frühzeitige Registrierung in Ankerzentren und Aufnahmeeinrichtungen“, erklärte sie. „Dabei fehlt den Betreibern dieser Einrichtungen häufig die fachliche und pädagogische Qualifikation, um angemessen mit den Minderjährigen umzugehen.“ Die Bundestagsabgeordnete aus Dortmund forderte stattdessen, mehr auf die Verletzlichkeit der jungen Menschen einzugehen und ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen. (epd/mig)

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