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Stop © cogdogblog @ flickr.com (CC 0), bearb. MiG

Wenn Corona am Helfen hindert

Folgen der Pandemie für humanitäre Organisationen spürbar

Unglück im Unglück: Die Corona-Pandemie wirbelt auch die internationale Hilfe für ohnehin notleidende Menschen in Entwicklungsländern durcheinander. Von der EU-Kommission als Geldgeberin ist jetzt Flexibilität gefragt.

Von Dienstag, 07.04.2020, 5:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 06.04.2020, 19:20 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Ausgangsbeschränkungen, unterbrochene Lieferketten und jede Menge anderer Probleme: Die Corona-Krise stellt den Arbeitsalltag zahlloser Firmen und Organisationen weltweit auf den Kopf. Besonders hart trifft es Hilfsorganisationen. Sie müssen unter erschwerten Bedingungen gegen Nöte wie Hunger, Armut und Krankheiten angehen, die auch schon vor Corona bestanden.

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„Das hat noch keiner erlebt“, sagt Kathrin Schick, die seit mehr als 30 Jahren in dem Sektor arbeitet. Helfer könnten wegen Corona nicht mehr ihre Arbeit leisten, Arzneimittel kämen wegen unterbrochener Lieferketten nicht ans Ziel, Hilfslieferungen würden um vieles teurer und der Zahlungsverkehr schwieriger, zählt die Direktorin des EU-weiten Dachverbandes humanitärer Organisationen Voice in Brüssel auf. „Und die Helfer im Feld sind durch Corona selbst in Gefahr.“

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Oxfam bestätigt solche Probleme. „In Asien leisten wir in einem Land humanitäre Hilfe und haben außerdem Entwicklungsprojekte“, erklärt Sprecher Florian Oel. „Lebensrettende Hilfe, zum Beispiel Wasserversorgung, erhalten wir natürlich aufrecht. Bei vielen anderen Projekten gibt es aber Verzögerungen, da viele Reisen abgesagt wurden.“

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„Wir brauchen Flexibilität“

Praktische Probleme vor Ort sind aber nicht alles. Hilfsorganisationen sind auf öffentliche Geber angewiesen, in Europa ist die EU-Kommission einer der wichtigsten. Die Bestimmungen für die Mittelvergabe sind komplex und anspruchsvoll. Sie müssen in der Krise angepasst werden mahnt Voice-Direktorin Schick, etwa um Fristen für die Umsetzung bestehender Projekte zu verlängern: „Wir brauchen Flexibilität.“

Die Kommission hat einer Sprecherin zufolge bereits reagiert. Die Dienststellen der für Entwicklungszusammenarbeit zuständigen Generaldirektion DEVCO seien angewiesen, „Gesuche für Verschiebungen von Aktivitäten oder für Vertragsverlängerungen wohlwollend zu betrachten“. Auch Extrakosten, die etwa durch jetzt nötige Reisen entstünden, sollten soweit als möglich berücksichtigt werden.

Abweichungen vom normalen Prozedere

Flexibel zeigt sich auch die für die humanitäre Hilfe verantwortliche Generaldirektion Echo. Sie gab vergangene Woche eine Handreichung heraus. Darin erklärt sie mögliche Abweichungen vom normalen Prozedere. Demnach können zum Beispiel – jeweils unter Bedingungen – Kosten für ausgefallene Projekte oder Zusatzkosten für Arbeit aus der Entfernung erstattet werden. Eine andere Bestimmung ermöglicht, von den üblichen Vorgaben für das Einholen verschiedener Angebote abzuweichen. Und eigentlich in Papierform verlangte Vertragsunterlagen können vorerst durch Scans ersetzt werden.

„Es ist gut, dass Echo so schnell reagiert hat“, urteilt Schick. „In vielen Fällen hängen Leben davon ab, dass die humanitären Projekte so schnell wie möglich an die jeweilige Situation vor Ort angepasst werden können. Die Frage ist jetzt, wie die Kommission die Durchführung in der Praxis handhaben wird.“

EU-Hilfprojekte laufen weiter

Ein gutes Zeugnis stellt aktuell die Diakonie Katastrophenhilfe der EU-Kommission aus. „Die Hilfsprojekte, die von der EU mitfinanziert werden, laufen weiter“, erklärt Sprecher Thomas Beckmann. Einzelne Elemente hätten ausgesetzt oder verschoben werden müssen, dazu sei man aber mit Echo in einem „guten, vertrauensvollen Austausch“.

Die neuen Leitlinien schaffen Beckmann zufolge Verbindlichkeit und geben Orientierung. Auch für die Abstimmung vor Ort gibt er ein positives Beispiel. „Als wir etwa ein Tageszentrum für Kinder im kolumbianischen Cali schließen mussten, haben unsere Kollegen gemeinsam mit dem lokalen Echo-Büro entschieden, dass wir Lebensmittelpakete zu den Kindern nach Hause bringen können.“ (epd/mig)

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