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Coronavirus © distelAPPArath @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Gefährliche Gerüchte

Corona-Infos auf Türkisch und Arabisch

Um Falschmeldungen etwas entgegenzusetzen, gibt es Informationen zum Coronavirus inzwischen auch in Türkisch, Arabisch und anderen Sprachen. Die Angebote stoßen auf positive Resonanz.

Donnerstag, 19.03.2020, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 19.03.2020, 14:42 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

In Zeiten der Corona-Pandemie stellen Falschmeldungen eine größere Gefahr dar als sonst: Daher gibt es im Internet zunehmend seriöse Informationen zu dem neuartigen Virus auf Englisch, Türkisch, Arabisch, Persisch, Russisch sowie auch in der Gebärdensprache für Gehörlose. Auch auf Webseiten der Regierung: Die Journalistin Nalan Sipar wurde nach einem Tweet über Falschmeldungen innerhalb der türkischen Gemeinde von dem Gesundheitsministerium angesprochen, um ein Video in türkischer Sprache aufzunehmen.

„Weil viele in der Berliner Community wissen, dass ich Journalistin bin, habe ich viele Sprachnachrichten bekommen, in denen ich gefragt wurde: Stimmt es, dass Henna oder eingelegtes Gemüse gegen den Virus schützen“, sagte sie dem „Evangelischen Pressedienst“ am Mittwoch. Es gebe sogar das absurde Gerücht, wonach Türken ein Gen hätten, dass resistent gegen den Corona-Erreger sei.

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Gefährliche Gerüchte

Manche hätten auch gefragt, ob es richtig sei, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesagt habe, dass 70 Prozent der Bevölkerung an dem Virus sterben werde. „Solche falschen Informationen sind in dieser Situation sehr gefährlich“, betonte Sipar. Es sei sehr wichtig, dagegen etwas zu unternehmen, bevor Menschen in Panik verrückte Dinge täten.

Die Journalistin hatte am vergangenen Donnerstag einen Tweet an Merkel und den Regierungssprecher gepostet, der mehrere Tausend Likes bekommen hat. Darin schrieb sie, dass „eine unglaubliche Desinformation“ über den Virus unter der türkeistämmigen Bevölkerung herrsche, die kein Deutsch spreche. Sie bat darum, ein kurzes Aufklärungsvideo mit Untertiteln auf Türkisch, Arabisch und anderen Sprachen zu veröffentlichen, denn: „Menschen bekommen Panik“.

Reaktionen sehr positiv

Am Freitagnachmittag sei sie von einer Agentur kontaktiert worden. Dem Gesundheitsministerium sei das Thema wichtig und man wolle zusammenkommen. „Samstag gegen 13 Uhr war ich im Ministerium und wir haben den Film gedreht. Er wurde am selben Tag noch publiziert.“ Die Reaktion aus der türkischen Bevölkerung sei sehr positiv gewesen. „Wichtig war, dass nicht ich als Journalistin, sondern das Bundesministerium das kommuniziert hat. Wenn eine staatliche Stelle dahinter steht, wirkt das auf die Menschen ganz anders.“

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, dass man von einer Journalistin auf das Problem aufmerksam gemacht wurde. Dem sei man nachgegangen und habe festgestellt: „Diese Fake News haben in der Tat relativ hohe Klickzahlen erreicht.“ Deshalb habe man beschlossen, dem etwas entgegenzusetzen. Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer fügte hinzu, es sei das Bestreben der Regierung, die Informationen in möglichst vielen Sprachen zugänglich zu machen.

Nachrichten auf Arabisch und Persisch

Auch die Onlineportale „Amal, Berlin!“ und „Amal, Hamburg!“ mit Nachrichten für Flüchtlinge auf Arabisch und Persisch sind derzeit stark gefragt. „Die Nachfrage ist massiv steigend“, sagte Projektleiterin Cornelia Gerlach dem epd. „Es gibt wenig bis keine anderen Informationsmöglichkeiten mit lokalen Nachrichten zum Thema, und die Menschen wollen wissen, was los ist.“ Das Angebot auf Facebook erreiche derzeit knapp 70.000 Arabisch und Persisch sprechende Menschen in Berlin und 11.300 in Hamburg.

Die Berliner Webseite habe in den vergangenen sieben Tagen 32.000 Besucher und 126.000 Seitenaufrufe verzeichnet, die Hamburger Webseite rund 6.600 Besucher und 23.500 Seitenaufrufe. Die Tendenz ist laut Gerlach auf allen Kanälen „kräftig steigend“. Das Projekt der Evangelischen Journalistenschule (EJS) wird unter anderem von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Stiftung Mercator gefördert. (epd/mig)

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  1. Lutz Liffers sagt:

    Sehr geehrte M Redaktion, kann man den erwähnten Film von Nalan Sipar im Netz finden und darf man ihn verbreiten? Freundliche Grüße Lutz Liffers