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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, Zeichnung MiG

Nebenan

German Angst

Der Deutsche an sich liebt es ja, sich zu gruseln. Ob nun Technologie oder Migration, German Angst ist weltweit zum Synonym für ungerechtfertigte Paranoia geworden - und dafür, wie die Medien diffuse Ängste melken, um die Verkäufe anzukurbeln.

Von Dienstag, 28.01.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 28.01.2020, 9:34 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Gruseln wir uns daher ein bisschen gemeinsam: Die Vereinten Nationen haben gerade entschieden, dass der Klimawandel ein legitimer Asylgrund ist. Ganz recht: 8 Milliarden Klimaflüchtlinge werden schon bald an den deutschen Grenzen stehen, um in Deutschland um Asyl zu ersuchen – und wir haben keine Möglichkeit, sie abzuweisen. Die AfD ist bereits alarmiert.

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Die allgegenwärte Migrationsparanoia wird derzeit allerdings noch getoppt von der Husten-Panik. Nur in Deutschland starben bekanntermaßen allein in der Grippesaison 2017/2018 über 25000 Menschen am Influenza-Virus. Diese Toten aber sind mehr oder weniger in den Alltag eingepreist und locken niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, immerhin kommt die Influenza alle Jahre wieder und fordert ihre Opfer. Neu und noch ganz frisch ist dafür 2019-nCoV, das Wuhan-Virus – wie MERS oder SARS ein Coronavirus. Die Fakten sind allerdings jedoch eher langweilig: Wohl kaum 2000 Infizierte gibt es (während ich diesen Text schreibe), bei einer Letalität von (ziemlich stabilen) knapp 3%.

Doch zu den guten Nachrichten: Während China unter anderem bereit war, eine ganze Stadt abzuriegeln, um die Ausbreitung zu stoppen, werden die westlichen Nationen, die persönliche Freiheit des Einzelnen über die Gesundheit der Vielen stellen, einer Ausbreitung des Virus nicht im Wege stehen. Und hier ist das Virus mittlerweile angekommen. Hinzu kommt, dass Viren sehr mutativ sind, deswegen werden wir so viele Krankheiten – von der einfachen Erkältung bis zur Influenza – ja nicht los. Je mehr Menschen 2019-nCoV also ausgesetzt werden, desto weiter wird es mutieren. Und jetzt, wo es bereits so weit mutiert ist, dass es auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, ist eine fruchtbare Basis dafür geschaffen.

Hat sich das Virus erstmal auf den Menschen als primären Wirt eingestellt, wird als nächstes sicher auch die Schwere der Erkrankung ordentlich anziehen – und damit die Mortalitätsrate. Noch wenige Wochen und mit etwas Glück haben wir also eine ordentliche Opferzahl, womöglich gar in den Tausenden. Das hält die Aufmerksamkeit ebenso hoch, wie die Auflagen der Tageszeitungen.

Und wer weiss: Vielleicht erreichen wir ja am Ende sogar die Ausmaße der Spanischen Grippe, bei der zwischen 1918 und 1920 bis zu 50 Millionen Menschen starben (Weltbevölkerung damals: <2 Mrd), mit Brennpunkten, Extrablättern und Allem drum und dran.

Andererseits: Selbst die daraus resultierende Bevölkerungsminderung würde ja bei weitem nicht ausreichen, um die gegen den Klimawandel notwendige Reduzierung von negativen Klimaeffekten zu erreichen. Die Überlebenden siebeneinhalb Milliarden würde also noch immer an der deutschen Grenze warten, weil es überall sonst auf der Welt zu schäbbig ist.

Eine Maut wird kaum ausreichen, um uns davor zu schützen. SpooOOoooky!

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