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Michael Groys © privat, Zeichnung MiG

Good Bye Deutschland?

Was mir Friedman und AfD sagen

In einem Deutschland von Höcke habe ich keinen Platz. Ich muss weg, raus. Alles worauf das neue Deutschland stolz ist, wird bedeutungslos, wenn die AfD an der Macht ist.

Von Mittwoch, 18.12.2019, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Samstag, 11.01.2020, 20:58 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die meisten Mitglieder von Michel Friedmans Familie wurden im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Seine Eltern und Großmutter überlebten, weil sie auf Oscar Schindlers Liste standen.

Nur 20 Jahre nach der Shoah kam Friedman mit seiner Familie in die Bundesrepublik Deutschland. Dies war und ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist ein Vertrauensvorschuss an ein neues Land. Friedman hat sein Leben lang für dieses neue Deutschland und gegen Rechtsextremismus gekämpft als Jurist, als Publizist, als Politiker und zuletzt auch Bürger.

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Friedman ist beruflich ein erfolgreicher Mann. Er hat eine Professur, publiziert und ist anerkannter Moderator. Mit anderen Worten hätte er etwas zu verlieren, wenn er seine Heimatstadt Frankfurt und Deutschland verlässt.

Friedman hatte kürzlich in der FAZ einen sehr kurzen und prägnanten Satz gesagt: „Wäre die AfD in einer Bundesregierung, würde ich gehen“. Klarer und deutlicher kann man es nicht formulieren, wenn man die Historie eines Menschen wie Friedman hat.

Der aktuelle Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland bekräftigte ebenso diese Aussage von Friedman, was verdeutlicht, wie ernst die Lage der Juden in diesem Land ist. Es stehen offenbar dunkle Tage für die jüdischen Gemeinden in diesem Land bevor.

Sind diese Aussagen, Panikmache? Es ist eher ein gesunder Realismus und Pragmatismus, wenn man sich die zynischen Twitter-Kommentar des AfD-Bundestagsabgeordneten Andreas Bleck als Reaktionen darauf anschaut: „Wenn das mal nicht eine zusätzliche Motivation ist.“ Es ist offensichtlich, was die hohen Funktionäre der AfD motiviert und zwar der Umstand, dass Juden dieses Land verlassen wollen.

Mein Lebensmittelpunkt ist weder mein Geburtsland Ukraine noch meine historische Heimat Israel, sondern das neue deutsche Vaterland. Ich bin hier zur Schule gegangen, habe studiert und arbeite in einem deutschen Unternehmen. Ich engagiere mich in einer deutschen Partei und höre sogar deutsche Schlager.

In einem Deutschland von Höcke habe ich keinen Platz. Weder Schlager, noch Steuerzahlungen oder mein bürgerschaftliches Engagement können mir helfen. Ich habe in diesem Land keinen Platz. Ich muss weg, raus. Das muss man in aller Deutlichkeit auch so formulieren.

Ich glaube an die Vernunft des Menschen und an die Stärke des Rechtsstaates. Doch vom Glauben allein, kann man nicht leben. Die AfD muss mit Mitteln dieser Demokratie gestoppt werden. Sie wird dieses Land in dieser Form zerstören. Alles worauf das neue Deutschland stolz ist, wird bedeutungslos, wenn die AfD an der Macht ist.

Lass uns der Welt zeigen, dass es auch anders geht. Wir können es!

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  1. Ute Plass sagt:

    Wo ist das Land ohne AfD-Gedankengut, in welches die hier Klagenden
    zu flüchten gedenken?

    *Lass uns der Welt zeigen, dass es auch anders geht. Wir können es!*

    Richtig – und daher passt das vorauseilende Bekenntnis wie ‚Land verlassen – ich muss weg‘, überhaupt nicht dazu.

  2. Peter Enders sagt:

    „Lass uns der Welt zeigen, dass es auch anders geht. Wir können es!“ Es geht sogar recht einfach: keine Politik betreiben und unterstuetzen, die der AfD Waehler zutreibt.
    Statt Hn. Friedman und Hn. Schuster wuerde ich allerdings andere Menschen anfuehren.