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Der Triebtäter

Mut zur Lucke

Das Streitgespräch zwischen Michael Friedmann und AfD-Chef Bernd Lucke bei N24 überlebte die Sendung nicht. Friedmann hatte Lucke immer wieder gefragt, ob Positionen einer Parteigenossin rassistisch seien. Nein, schreibt Sven Bensmann in seiner Kolumne, das war faschistoid.

Von Dienstag, 11.03.2014, 8:26 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 13.03.2014, 22:29 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Schrecklich, was da unlängst passiert ist. Skandal!

Da erdreistet sich dieser Jude doch glatt, einem deutschen Politiker (!) – sicher, werden Sie sagen, nur ein Politiker; aber doch, immerhin doch ein Deutscher – nicht nur einfache Fragen zu stellen, nein, wagt es gar, Antworten zu erwarten. Und nicht bloß Antworten, konkrete Antworten! Auf besagte Fragen! Und das nur, weil er genau dazu eingeladen worden war. Da bleibt dir die Lucke weg.

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Worum geht’s?

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Freunde dessen, was degenerierte Fernsehmacher und -konsumenten euphemistisch „Polit-Talk“ nennen, wissen es bereits: Kapitalmarktpinscher und Teilzeitsarrazin Bernd Lucke war zu Gast beim entarteten deutschen Michel – dem Michel Friedman. Und dort konfrontierte ebenjener Friedman diesen Bernd Lucke, seines Zeichens Obermilchbubi der unter strammen Rassismusversacht stehenden AfD, mit den Worten einer anderen Spitzenkandidatin der AfD: Beatrix von Storch nämlich hatte verkündet, so Friedman: „Multikulti hat die Aufgabe, die Völker zu homogenisieren und damit religiös und kulturell auszulöschen.“, woraufhin ebenjener nun fragte, „wenn das nicht Rassismus ist, was ist Rassismus?“.

Lucke wieß zunächst den Vorwurf des Rassismus lapidar zurück, um anschließend strikt zu weigern, sich hiervon zu distanzieren, bis er so nervös wurde, dass er aus dem Studio flüchtete.

Dabei liegt Friedman natürlich weit daneben: Die Aussage ist natürlich nicht rassistisch, weil sie niemanden direkt herabsetzt. Was diese Aussage sehr wohl ist: faschistoid. Bei Frau Storch ist dieses sicher auch rassisch fundiert. Rassismus ist dies nicht. Es überhöht den gesunden, reinen Volkskörper, der durch die Einwanderung fremder Subjekte geschädigt, zersetzt und schlussendlich ausgelöscht werde, folgt dabei der bekannten Neonazi-Logik: „Wir haben nichts gegen Juden/Slaven/Türken/etc – solange sie unter sich bleiben.“, mit der der Vorwurf des Rassismus zurückgewiesen werden soll, wenn faschistoide Gesellschaftsmodelle in rassistischen Aktionen münden.

Dass Lucke es in jenem Verhörton, den außer Friedman nur US-Agenten am Leib haben, die gerade jenen elfjährigen Afghani foltern, weil sie ihn als Alterspräsidenten einer Terrorzelle ausgemacht haben, dennoch nicht wagt, sich von dieser faschistoiden Wahnidee zu distanzieren, die man sonst nur in NPD oder SPD hören kann (in letzterer natürlich stets in Kombination mit der Behauptung, dass man das jawohl noch sagen können dürfen müsse), zeigt, wo Lucke das Wählerpotenzial seines bedauernswerten Häufchens xenophober Plutokraten sieht: bei all jenen, denen die CDU zu matriarchalisch und die NPD zu sehr historisch verbrannt ist; jenen also, die lange Zeit das Rückgrat der nordrhein-westfälischen FDP waren, die versuchen, in der SPD Fuß zu fassen, die sich in der Union von Merkel entmachtet sehen; den Sarrazins und Buschkowskis, den Friedrichs und Bosbachs, den Möllemanns, den Naumanns und den Stadtkewitzes: faschistoid denkenden Populisten, die immer wieder mit Rassismen flirten.

Apropos Sarrazin: Wo Bernd Lucke in hundert Talkshows sitzt und beklagt, dass er nicht reden darf, hat sich jener ja derzeit aufgemacht, zu erklären, dass er, der 100.000 Bücher verkaufte und in allen Zeitungen abgedruckt wurde, totgeschwiegen wird. Tugendterror sei das, dass niemand sagen dürfe, was er bis zum Erbrechen drucken darf.

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