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Hochschulabsolventen © Luftphilia @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

OECD-Studie

Deutschland für ausländische Fachkräfte nur mäßig attraktiv

Bei ausländischen Studenten ist Deutschland beliebt, bei Fachkräften sieht es nicht so gut aus. Das geht aus einem OECD-Vergleich hervor. Punktabzüge gibt es für das deutsche Verfahren zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse und für schlechte Karriereaussichten.

Dienstag, 17.12.2019, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 17.01.2020, 10:58 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Deutschland ist für zugewanderte Akademiker bislang mäßig attraktiv. Im OECD-weiten Vergleich schneidet die Bundesrepublik lediglich auf Platz zwölf ab. Spitzenreiter bei den Akademikern sind Australien, Schweden und die Schweiz. Zu diesem Ergebnis kommen die „OECD Indicators of Talent Attractiveness“, die in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung entwickelt wurden. In einem gemeinsamen Policy Brief finden sich Vorschläge, wie Deutschland für hochqualifizierte Migranten attraktiver werden kann.

Gut hingegen schneidet die Bundesrepublik insbesondere bei der Gruppe der internationalen Studierenden ab – Platz drei im OECD-Vergleich – und bei jenen Einwanderern, die ein Unternehmen gründen wollen. Hier belegt Deutschland den sechsten Platz.

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Migranten seltener in qualifizierten Berufen tätig

Das größte Defizit in der Attraktivität für Hochqualifizierte hat Deutschland bei den beruflichen Chancen. Diese stehen für eingewanderte Menschen – insbesondere, wenn sie einen akademischen Abschluss aus Nicht-EU-Ländern mitbringen – vergleichsweise schlecht. Bei den um Steuern und Preisniveau bereinigten Löhnen liegt Deutschland lediglich auf Rang 25 und die Arbeitslosenquote für zugewanderte Akademiker liegt mit sieben Prozent trotz guter Arbeitsmarktlage sogar leicht über dem OECD-Durchschnitt.

Darüber hinaus arbeiten ausländische Akademiker häufig nicht in Jobs, die ihrem Qualifikationsniveau entsprechen. Während 77 Prozent der im Inland geborenen Menschen mit akademischem Abschluss in einem hoch qualifizierten Beruf arbeiten, sind es bei Eingewanderten aus Nicht-EU-Staaten mit ausländischen Abschlüssen knapp 40 Prozent.

Experte sieht Luft nach oben

Matthias Mayer, Migrationsexperte der Bertelsmann Stiftung, sieht in Deutschland mit Blick auf die Fachkräftesicherung noch Luft nach oben: „Viele hochqualifizierte Akademikerinnen und Akademiker in Deutschland arbeiten unter ihrem Qualifikationsniveau. Das ist schlecht für die Fachkräfte, schlecht für die Volkswirtschaft und hält zudem andere gut ausgebildete Menschen davon ab, nach Deutschland zu kommen.“

Info: Die „OECD Indicators of Talent Attractiveness“ analysieren anhand eines Sets von Indikatoren die Rahmenbedingungen für drei Gruppen hochqualifizierter Migranten: Akademiker mit mindestens einem Masterabschluss, Studierende sowie Unternehmer. Untersucht werden insgesamt sieben Dimensionen: Qualität der beruflichen Chancen, Einkommen und Steuern, Zukunftsaussichten, Möglichkeiten für Familienmitglieder, Kompetenzumfeld, Diversität und Lebensqualität. Auch die Einreise- und Aufenthaltsbedingungen für Hochqualifizierte werden berücksichtigt.

Zudem rät Mayer, berufsfachliche Kompetenzen, die Menschen bereits haben, bei der Fachkräfteeinwanderung mehr zu berücksichtigen. So sollte von der im Fachkräfteeinwanderungsgesetz vorgesehenen Einwanderungsmöglichkeit für Personen ohne formalen Abschluss, aber mit ausreichend Berufserfahrung auf dem Niveau einer akademischen Fachkraft, großzügig Gebrauch gemacht werden.

Schwachpunkt des Gesetzes

Eine weitere Hürde für die Einwanderung von Fachkräften ist das Erfordernis der Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse. In anderen Ländern ist eine Anerkennung für die Einwanderung nur dann erforderlich, wenn es sich um regulierte Beschäftigungen (wie z. B. Gesundheitsberufe) handelt.

Thomas Liebig, Leitender Ökonom der Migrationsabteilung der OECD, rät mit Blick auf Deutschland zu Reformen: „Das Erfordernis der Anerkennung der Berufsabschlüsse ist der Schwachpunkt des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Die Bundesrepublik sollte die Anerkennungsverfahren für Berufe entschlacken und Alternativen erwägen.“

Experte rät zu Turboverfahren

Er denkt dabei etwa an Turboverfahren, wie sie in Norwegen angewendet werden. Dort wird innerhalb weniger Tage evaluiert, ob Eingewanderte die für eine bestimmte Stelle erforderlichen Kompetenzen haben, ohne dass es zu einer allgemeingültigen formalen Anerkennung der Berufsqualifikation kommt.

Liebig weist zudem darauf hin, dass eine Migrationsentscheidung meist nicht nur eine Fachkraft, sondern eine ganze Familie betrifft: „Wer nach Deutschland kommt, sucht nicht nur nach Chancen für sich selbst, sondern auch für seine Familie“. Auch Angehörige müssten umfängliche Unterstützung bei der Integration erlangen, etwa durch Sprachkurse und langfristige Aufenthaltstitel. Die Attraktivität für Fachkräfte, so Liebig, werde auch durch die Familienpolitik stark geprägt. (mig)

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  1. Holger sagt:

    Eines verstehe ich nicht .. Immer wieder werden bereits integrierte und tlw. gut ausgebildete Fachkräfte, die der deutschen Sprache bereits mächtig sind, abgeschoben, da ihr Flüchtlingsstatus nicht anerkannt wird. Logischer als große Initiativen in den von der Politik angedachten Ländern, wobei diese Prozesse mit Sprache und Integration bei Null beginnen, wäre doch erst einmal, die Fachkräfte einzustellen, die schon da sind. Was ist denn der Grund, dass das oft nicht geht? Ist das nur meine falsche Wahrnehmung oder weiß hier wieder mal die linke Hand nicht, was die rechte Hand tut?

  2. President Obama sagt:

    Lieber Holger,

    ich versuche mal etwas dezidierter zu antworten. Ich habe selbst 15 Jahre lang Ausweisungen gefertigt und Abschiebungen vorgenommen, daher erlaube ich mir hier eine Differenzierung.

    Der gut ausgebildete Ausländer ohne Bleiberecht, kann eine Aufenthaltserlaubnis zur Beschäftigung beantragen, entweder aus dem Inland heraus oder eben aus dem Ausland heraus. Letzteres kommt dann vor, wenn die Frage nach dem richtigen Visum zu klären ist.

    Oftmals wird aber von Fachkräften gesprochen, die de jure keine Fachkräfte sind. Nämlich von Menschen, die einen sehr guten Job machen, hierfür aber nicht die erforderliche Qualifikation besitzen. Viele Arbeitgeber haben den Behörden vorgeworfen, wir würden deren Fachkräfte abschieben. Tatsächlich handelt es sich fast immer um Hilfsarbeiter, also Baustellenaufräumer, Küchenhilfen, die entweder keine Berufsausbildung hatten oder aber deren Berufsausbildung nicht anerkannt wurde.

    Die Anerkennung einer Berufsausbildung ist ein kompliziertes Verfahren, aber vollkommen sachlich orientiert. Diejenigen, deren Qualifikation nicht anerkannt wird werden hier natürlich anders argumentieren.

    Die anerkannte Krankenschwester, die alle Voraussetzung zur Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis erfüllt, wird nicht abgeschoben.

    Die anerkannte Krankenschwester, die sich weigert ihre Identität offen zu legen oder aber die erforderlichen Identitätsnachweise vorzulegen, wird bei Weigerung zur freiwilligen Ausreise natürlich auch abgeschoben. Das sieht von Außen natürlich keiner und dann hat es den Anschein, als würden Fachkräfte trotz Bedarf abgeschoben.

    Und noch ein Thema ist in diesem Zusammenhang wichtig. Unternehmen sprechen oft von Fachkräften, zahlen aber nicht das entsprechende Gehalt für die Fachkraft. Daher werden Arbeitserlaubnisse oftmals auch abgelehnt. Die Fachkraft ohne Arbeitserlaubnis wird auch kein Aufenthaltsrecht bekommen und ggf. das Land verlassen müssen.

    Im Ergebnis weiß die linke Hand schon sehr gut von der rechten Hand Bescheid, aber die Vielzahl der Fälle ist eben nur im Innenrechtsverhältnis zu verstehen, nach Außen wirkt es oft ganz anders.

  3. Ute Plass sagt:

    @Holger – vielleicht interessiert der folgende Beitrag dazu:

    Rekrutierer statt Ausbilder
    Fachkräftemangel und Zuwanderungsgesetz
    https://www.jungewelt.de/artikel/368939.rekrutierer-statt-ausbilder.html

    Kommentar dazu von Jens Berger von den Nachdenkseiten:
    „Was auch immer hinter dieser Anwerbeinitiative steht, mit dem Fachkräftemangel hat sie nichts zu tun. Dazu ein kleines Beispiel: In Deutschland gibt es einen Mangel an examinierten Fachkräften in der Krankenpflege. Bewerber aus Mexiko können aber aufgrund unterschiedlicher Ausbildungsniveaus und vor allem fehlenden Sprachkenntnissen nicht ohne weiteres in Deutschland arbeiten. Nun gibt es zwei Alternativen: Entweder man bildet diese Menschen fort – das dauert, ist teuer und der Erfolg ist ungewiss. Aber mit diesem Einsatz könnte man auch heimische Arbeitskräfte ausbilden. Warum macht man das nicht? Die zweite Alternative ist, man setzt sie in einem Job ein, der unter ihrem formalen Ausbildungsniveau liegt. In weniger qualifizierten Bereich gibt es jedoch keinen Mangel an Arbeitskräften, hier geht es dann v.a. um eine Senkung des Lohnniveaus.“