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Schüler © birgitta hohenester / pixelio.de, bearb. MiG

Migranten besonders betroffen

Mängel im Deutschunterricht an Grundschulen

Knapp jeder Fünfte Grundschüler in Deutschland kann nicht ausreichend lesen und schreiben. Ursächlich ist laut Expertin Brendel auch die mangelnde Lehrerbildung. Darunter litten vor allem Kinder mit Migrationshintergrund.

Von Cristina Marina Mittwoch, 11.09.2019, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 15.09.2019, 12:58 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Rund 19 Prozent aller Kinder in Deutschland können nach Angaben der Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin Ursula Bredel nach der Grundschule nicht ausreichend lesen und schreiben. Das liege auch an der Lehrerbildung, sagte die Professorin für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Hildesheim dem „Evangelischen Pressedienst“. Die niedersächsische Ausbildungsverordnung erlaube es Lehrkräften bislang, an Grundschulen zu arbeiten, ohne Deutsch studiert zu haben. So unterrichteten oft Fachfremde als Klassenlehrer das Fach. „Da kann es zu Schwierigkeiten kommen.“

Insgesamt bekämen Lehrer in ihrer Ausbildung zu wenig fachliches Wissen, um zu verstehen, was die Kinder am Lernen hindere, erläuterte Bredel. So verließen sie sich auf Schulbücher. „Viele gängige Lehrmethoden und Schulmaterialien sind aber fehlerhaft“, sagte die Professorin. Eines der größten Probleme sei die weit verbreitete Annahme, dass die Schrift das Gesprochene abbilde.

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Dabei werde den Lernenden gesagt, um ein Wort zu lesen, müssten sie lediglich jedem Buchstaben einen Laut zuordnen und die Laute anschließend zusammenfügen. Mit dieser Methode entstünden jedoch keine Wörter, sondern Lautfolgen, die kaum Ähnlichkeit mit den gemeinten Wörtern hätten. So sei weder in „roh“ noch in „Ohr“ ein „h“ zu hören. Und das „r“ sei zwar in „roh“, nicht aber in „Ohr“ hörbar. Kinder, die sich auf eine solche Logik verließen und deshalb die Logik der Schrift nicht von sich aus entdeckten, gerieten schnell ins Abseits.

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Problem verstärkt sich bei Migranten

Darunter litten vor allem Kinder aus Elternhäusern, in denen kaum vorgelesen werde oder Hörbücher gehört würden, sagte Bredel. Bei Kindern aus zugewanderten Familien verstärkten sich die Probleme, weil sie häufig nicht sicher genug auf die deutsche Sprache zurückgreifen könnten. Von den Viertklässlern, die 2016 an der „Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung“ (Iglu-Studie) beteiligt waren, hatten 19 Prozent einen Migrationshintergrund. Bei der Vorgänger-Studie 2011 waren es 16 Prozent.

„Je nachdem, was die Kinder von zu Hause mitbringen, kommt es schon in den ersten Schuljahren zu einer riesigen Spaltung“, erläuterte Bredel. Allein deshalb müssten Lehrkräfte fort- und weitergebildet und vor allem die Seiteneinsteiger eng begleitet werden. Notwendig seien auch bessere Schulbücher. Aufgrund des akuten Personalmangels könnten sich die Schulen aber nicht selbst helfen, betonte die Wissenschaftlerin. „Da ist die Politik gefragt: Die Schulen brauchen strukturierte Unterstützung.“ (epd/mig)

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