Militär, Krieg, Soldat, Waffe, Afghanistan
US-Amerikanische Truppen in Afghanistan © Lwp Kommunikáció @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Kämpfe und Anschläge

Prekäre Sicherheitslage in Afghanistan

Deutschland hat damit begonnen, abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan zurückzuschicken. Die Abschiebungen sind umstritten. Die Sicherheitslage im Land ist Beobachtern zufolge weiterhin prekär. Immer mehr Menschen müssen fliehen.

Freitag, 16.12.2016, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 18.12.2016, 19:23 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

In einer umstrittenen Abschiebe-Aktion sind in der Nacht zum Donnerstag 34 abgelehnte Asylbewerber von Deutschland nach Afghanistan geflogen worden. In ihrer Heimat erwartet die Rückkehrer neben einer wirtschaftlich prekären Situation eine zunehmend schwierigere Sicherheitslage. Der Krieg gegen die Taliban, der vor knapp 15 Jahren begann, hat trotz massiver finanzieller und militärischer Unterstützung des Westens wenig greifbare Erfolge gebracht.

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Anfang des Jahres warnte John Sopko, der US-Generalinspektor für den Wiederaufbau Afghanistans, dass das Land in einen „gefährliche Lage“ zurückgefallen sei. Seit dem Ende der offiziellen Nato-Kampfmission im Dezember 2014 haben sich die Bodenkämpfe im Lande ausgeweitet – auch auf Kosten der Zivilbevölkerung. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden 1.601 Zivilisten getötet – die höchste Zahl seit Beginn der Erhebungen im Jahre 2009.

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Anfang Oktober stürmten die Taliban die nordafghanische Stadt Kundus und besetzten sie einige Tage lang, bis es der afghanischen Armee – unterstützt von der US-Luftwaffe – gelang, die strategisch wichtige Stadt wieder zurückzugewinnen.

In Kabul häufen sich Terroranschläge

Auch in der Hauptstadt Kabul, die lange Zeit als relativ sicher galt, häufen sich Terroranschläge und Entführungen. Bei einem Anschlag auf die Amerikanische Universität im August kamen wenigstens 13 Menschen ums Leben. Im September starben bei einem Attentat auf das afghanische Verteidigungsministerium mindestens 41 Leute. Im Oktober wurden bei einer Explosion vor einer schiitischen Moschee in Kabul 18 Menschen getötet. Ende November starben bei einem Anschlag auf eine andere schiitische Moschee in Kabul wenigstens 32 Menschen. Die radikal-islamische Terrormiliz „Islamischer Staat“ bekannte sich zu dem Angriff.

In den meisten Provinzen des Landes ist die Sicherheitslage noch prekärer. Mitte November griffen Aufständische das deutsche Konsulat in Masar-i-Scharif im Norden des Landes an. Mindestens sechs Menschen starben und über 120 wurden bei dem Attentat verletzt. Einige Tage später wurden bei einem Anschlag in hochgesicherten der US-Militärbasis in Bagram vier Amerikaner getötet.

Flucht in Afghanistan

Immer mehr Menschen drängen daher aus den Provinzen in die Hauptstadt, wo etliche provisorische Flüchtlingslager entstanden sind. Zu den Flüchtlingen aus dem eigenen Land kommen inzwischen mehr als 370.000 Afghanen, die bereits in diesem Jahr aus dem Nachbarland Pakistan abgeschoben wurden, wo sie teilweise mehr als 30 Jahre gelebt hatten.

Unter den aus Pakistan zurückgeschickten Afghanen ist auch die als Mädchen mit ihrem Foto in dem Magazin „National Geographic“ berühmt gewordene Sharbat Gula, deren Gesicht in den 80er Jahren zum Inbegriff der Schicksals afghanischer Flüchtlinge wurde. Die afghanische Regierung ist nicht in der Lage, all diesen Menschen Unterkunft und Hilfe zu bieten. (epd/mig)

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