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Hurra © Elvire.R. auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Glücksatlas 2016

Kulturelle Offenheit und Toleranz machen glücklich

Die Deutschen werden immer glücklicher. Viele verdienen anständig und haben ein gutes Leben. Der neue Glücksatlas zeigt aber auch: Wer weltoffen und tolerant durch das Leben geht, ist zufriedener.

Von Markus Geiler Mittwoch, 19.10.2016, 8:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:44 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die Deutschen sind laut einer Umfrage so glücklich wie seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig ist das Glücklichsein regional sehr unterschiedlich verteilt, wie der am Dienstag in Berlin vorgestellte „Glücksatlas 2016“ der Deutschen Post zeigt. Die glücklichsten Deutschen leben demnach in Schleswig-Holstein und Franken. Auch in Niedersachsen und Baden ist das Glück zu Hause.

Dagegen fühlen sich die Ostdeutschen wieder unglücklicher als noch vor einem Jahr. In der regionalen Lebenszufriedenheit belegen alle neuen Bundesländer die letzten fünf Plätze. Die unzufriedensten Menschen leben in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, die zufriedensten Ostdeutschen in Thüringen.

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Gemessen auf einer Skala von 0 bis 10 stieg das Glücksniveau der Deutschen gegenüber dem Vorjahr um 0,11 Punkte auf 7,11 Punkte. Seit 2010 verharrte es um die 7,0 Punkte. Verantwortlich für die leichte Steigerung dürften die gute Beschäftigungslage und der nachhaltige Anstieg der Reallöhne sein, sagte „Glücksatlas“-Mitautor Bernd Raffelhüschen. „Die objektiven Lebensumstände haben sich deutlich verbessert“, so der Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg.

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Gesundheit, Gemeinschaft, Geld

Bei den Haushaltseinkommen und persönlichen Einkommen sei „Musike drin“ wie zuletzt in den 60er Jahren. Das seit acht Jahren anhaltende „Beschäftigungswunder“ und höhere Renten täten ihr Übriges. „Deutschland ist kein Jammertal“, bilanzierte Raffelhüschen.

Zu den objektiven Umständen messen die Wissenschaftler noch die sogenannten 4 G des individuellen Lebensglücks: Gesundheit, Gemeinschaft, Geld und genetische Disposition. Dabei habe die Gesundheit den größten Einfluss auf die Zufriedenheit gefolgt von der Gemeinschaft. Menschen, die ihre eigene Gesundheit mit „sehr gut“ bewerteten, erreichten im Durchschnitt ein um 0,7 Punkte höheres Zufriedenheitsniveau als jene, die ihre Gesundheit nur mit „zufrieden“ beurteilen, sagte Raffelhüschen.

Partner zufriedene als Single

Auch bei der Gemeinschaft zeigen sich Unterschiede. In Partnerschaft lebende Menschen seien zufriedener als Alleinstehende, wobei die höchste Lebenszufriedenheit verwitwete Personen mit neuem Partner erreichten, sagte Raffelhüschen. Neben dem Geld als dritten Faktor, das eben doch glücklich mache, spiele auch die genetische Disposition eine große Rolle.

So ist die Mentalität zum Glücklichsein offenbar in Schleswig-Holstein kulturell stärker verankert als in anderen Regionen, sonst ließe sich nicht erklären, dass das Bundesland den deutschen Glücksatlas seit vier Jahren anführt. Einen Beleg für die Existenz dieses „genetischen Fingerabdrucks“ sieht Raffelhüschen auch in dem europäischen Glücksranking. Hier führt Dänemark mit 9,0 Punkten seit Jahren die Liste an. Das Land grenze nicht nur an Schleswig-Holstein, in beiden Ländern lebten jeweils eine dänische und deutsche Minderheit.

Offenheit macht glücklich

In einem weiteren Kapitel des „Glücksatlas“ wurde das Thema „kulturelle Vielfalt“ beleuchtet. Dabei habe sich gezeigt, dass Menschen umso zufriedener sind, je mehr sie mit kultureller Offenheit und Toleranz durchs Leben gehen, sagte der Post-Konzernvorstand Jürgen Gerdes. „Je toleranter ein Mensch ist, desto zufriedener ist er mit seinem Leben.“ Bei der Gruppe der „wenig toleranten“ erzielten dagegen nur 16 Prozent hohe Zufriedenheitswerte. Und auch hier bleibt das Land geteilt. Während 70 Prozent der Westdeutschen es gut finden, dass Deutschland durch Einwanderung vielfältiger wird, sind es im Osten nur 56 Prozent.

Ein weiterer Befund der Befragung bezieht sich auf die kulturelle Offenheit am Arbeitsplatz und in der Nachbarschaft. Während kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz bereits gelebte Realität ist – 80% der Deutschen arbeiten gerne mit Kollegen aus unterschiedlichen Herkunftsländern zusammen – gilt das in der Nachbarschaft nur bedingt. Im privaten Raum ist die positive Grundhaltung gegenüber Zuwanderern offenbar weniger stark ausgeprägt. Trotz der überwiegend positiven Einstellung, bleibt ein nicht zu unterschätzender Teil der Befragten am Wohnort lieber unter „seinesgleichen“.

Integration: jeder Zweite würde sich engagieren

Wie aus der Befragung außerdem hervorgeht: Zuwanderung und Internationalität werden in Deutschland befürwortet und die Notwendigkeit einer Kultur der Integration ist aus Sicht der Mehrheit der Deutschen unbestritten. Zum persönlichen Engagement erklärt sich jedoch lediglich die Hälfte der Deutschen bereit.

Befragt wurden für die Daten des „Glücksatlas 2016“ bundesweit 5.888 Menschen ab 16 Jahren sowie 1.001 Deutsche ab 18 Jahren zum Thema Offenheit und Vielfalt. (epd/mig)

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