Australien, Sydney, Oper, Küste, Meer
Australien, das Opernhaus in Sydney © michael dornbierer @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Australien

„Nauru Papers“ belegen dramatische Flüchtlingssituation

Neu veröffentlichte Dokumente belegen unmenschliche Zustände in australischen Flüchtlingslagern: Gewalt gegen Kinder und Vergewaltigungen von Frauen. Hilferufe von Menschenrechtsorganisationen finden bislang kaum Gehör.

Freitag, 12.08.2016, 8:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 14.08.2016, 19:50 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

Interne Berichte schildern skandalöse Zustände im australischen Flüchtlingslager auf der Pazifikinsel Nauru. Die britische Zeitung The Guardian veröffentlichte rund 2.000 Dokumente, die von Mitarbeitern des Lagers verfasst wurden. Die sogenannten „Nauru Files“ dokumentieren Vorfälle aus dem Zeitraum zwischen Mai 2013 und Oktober 2015. Die Berichte beschreiben sexuellen Missbrauch und Gewalt gegen Kinder, Vergewaltigungen von Frauen, Selbstmordversuche und desolate hygienische Zustände.

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Das australische Immigrationsministerium erklärte, viele der Berichte enthielten ungeprüfte Anschuldigungen. Alle mutmaßlich kriminellen Vorfälle würden der Polizei von Nauru zur weiteren Überprüfung gemeldet. Nauru ist der kleinste Inselstaat der Welt mit weniger als 10.000 Einwohnern. Bei der letzten Zählung im vergangenen Juni lebten dort rund 440 Flüchtlinge.

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Amnesty International kritisierte die australische Regierung scharf. „Die Enthüllungen offenbaren ein System aus Fehlfunktionen und Gewalt, dass atemberaubend in seinem Ausmaß und äußerst beschämend für die australischen Behörden ist, die sich so sehr bemüht haben, einen Schleier des Schweigens darüber zu legen“, erklärte Anna Neistat, Leiterin der Ermittlungsabteilung bei Amnesty International.

Australien steht wegen seiner strikten Flüchtlingspolitik schon länger in der Kritik. Bootsflüchtlinge, die vor allem aus Sri Lanka, Afghanistan und dem Mittleren Osten kommen, werden nicht ins Land gelassen. Australien unterhält nicht nur auf Nauru, sondern auch auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus ein Internierungslager und hat mit den Regierungen entsprechende Abkommen geschlossen.

In den „Nauru Files“ werden unter anderem sieben Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch und 59 weitere Missbrauchsfälle dokumentiert. Zudem hätten sich 30 offenbar traumatisierte Kinder selbst Verletzungen zugefügt. Beschrieben wird beispielsweise, wie ein Mädchen mit zugenähten Lippen durch das Lager lief. Ein Aufseher habe das Kind ausgelacht. (epd/mig)

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