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Fußballfans im Stadion © marfis75 auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

EM-Warnung

Zu viel Schwarz-Rot-Gold kann in Fremdenfeindlichkeit umschlagen

Zu viele Deutschlandfahnen beim Public Viewing können beim Menschen in Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit umschlagen. Davor warnt eine Sozialpsychologin an der Universität Osnabrück. Es sei Vorsicht geboten.

Von Martina Schwager Donnerstag, 07.07.2016, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 10.07.2016, 22:39 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die Sozialpsychologin Julia Becker hat vor dem Halbfinalspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft vor einem allzu überschwänglichen Party-Patriotismus gewarnt. Vor allem wenn beim Public Viewing sehr viele schwarz-rot-goldene Fahnen im Spiel seien, könne die Vaterlandsliebe bei manchen Menschen in Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit umschlagen, sagte die Professorin der Universität Osnabrück dem Evangelischen Pressedienst.

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Gerade in der durch „Pegida“ und die AfD aufgeheizten Atmosphäre sei Vorsicht geboten. Fremdenfeindliche Parolen würden immer offener geäußert, betonte Becker. Sie rät deshalb vor dem Halbfinale am Donnerstag gegen Frankreich: „Ich will niemandem das Public Viewing vermiesen. Die Fußballfans sollen natürlich feiern. Aber das geht doch auch ohne schwarz-rot-goldene Fahnen.“ Die deutsche Flagge könne bei sehr nationalstolzen Personen Ressentiments gegenüber Migranten erhöhen. Demgegenüber löse die US-Flagge bei Amerikanern eher Gedanken an Gleichheit und Gleichberechtigung aus.

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Becker forscht gemeinsam mit Studierenden bereits seit der Fußball-WM 2006 in Deutschland über den Zusammenhang von Fahnen, Nationalstolz und Vorurteilen. „Beim Sommermärchen wurde erstmals Flagge gezeigt.“ Bei einer damaligen Befragung habe sich gezeigt, dass Menschen mit einem ausgeprägten Nationalstolz eher Vorurteile gegen Ausländer hätten. Dieser Effekt sei nach der WM ausgeprägter gewesen als vorher.

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Auch vor und während der noch laufenden EM in Frankreich haben Becker und ihr Team Menschen auf der Straße, in Cafés und Fußgängerzonen sowie auf Public-Viewing-Veranstaltungen befragt. Sie konfrontierten sie mit Aussagen wie: „Politiker sollten aufhören, immer wieder die negative deutsche Geschichte auszupacken“ oder „Deutschland ist das beste Land der Welt“. Die Zustimmung zu diesen Thesen war bei Fahnenträgern höher als bei Menschen ohne Flaggen.

Im Zusammenhang mit anderen Befragungen und Online-Experimenten zeige sich: „Deutschland-Flaggen begünstigen Nationalismus und Vorurteile gegenüber Migranten. Dieser Effekt ist nicht stark, aber statistisch signifikant.“ Er sei bei Männern stärker als bei Frauen. Wenn Deutschland verliere und die Gewinnermannschaft ihre Flagge zeige, träten Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit noch offener zutage. (epd/mig)

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