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Ein Kind mit der jüdischen Kopfbedeckung Kippa © James Emery auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Antisemitismus

Kippa? Jetzt erst recht!

Der Präsident des Zentralrates der Juden empfiehlt zum Selbstschutz, in Bezirken mit einem hohen Muslim-Anteil, auf das Tragen der jüdischen Kippa zu verzichten. Michael Groys ist anderer Meinung:

Von Freitag, 27.02.2015, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 07.07.2015, 13:06 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Der Präsident des Zentralrates Juden in Deutschland Josef Schuster empfiehlt in sogenannten Problembezirken mit einem hohen Anteil an muslimischen Einwohner keine jüdische Kopfbedeckung, die Kippa zu tragen. Mit anderen Worten soll auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, welche eine Schutzfunktion gegenüber seinen Bürger hat, in bestimmten Bereichen dieses Land keine Geltung mehr haben?

Problematisch sind hier aus meiner Sicht drei Dinge, erstens die Verortung des Problems Antisemitismus bei den Muslimen, zweitens die Rolle und Funktion des Staates und drittens ein alter jüdischer Pragmatismus, der sich historisch nur wenig gewährt hatte. Wer den Antisemitismus bei Muslimen geographisch, politisch oder kulturell verortet, verkennt die Größe des Problems.

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Ja, es gibt islamischen Antisemitismus, er ist stumpf und radikal. Dieser Hass ist aber eindeutig nicht importiert, wie die AFD behauptet, sondern ein Produkt der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Diese „Wir-sind-aufgeklärt“ Haltung und das über 70 Jahren bestehende abfeiern seiner Aufarbeitungsgeschichte spricht Bände über die deutsche Wahrnehmung. Diesen Grundtenor der Mehrheitsgesellschaft, diese Ignoranz müssen in der Tat die Muslime noch aneignen.

Was ist nun mit dem Staat und seiner Funktion, die eigenen Bürger zu beschützen nicht nachgehen kann? Man kann ihn natürlich ständig dran erinnern das zu tun, damit sind nette Treffen mit dem Innenminister verbunden, man kann ihm berechtigterweise misstrauen oder man verlässt dieses Land. Alle drei Möglichkeiten sind individuelle Entscheidungen von Juden in Deutschland und können weder von dem israelischen Primärminister noch von Merkel getroffen werden. Deutschland sollte aber dennoch in seine eigene jüngste Geschichte gehen, um zu begreifen, wo solche Tendenzen enden können, nämlich in der Shoa.

Abschließend noch Mal einiges zum jüdischen Pragmatismus oder besser gesagt Optimismus: man könnte die Antisemiten verärgern und deshalb sollte man doch ein Stück unauffälliger, leiser und zurückhaltender sich im öffentlichen Raum benehmen. Diese Haltung hat leider historisch vollkommen versagt. Vor Ostern gab es eben trotzdem Pogrome, ob nun die Juden zurückhaltend oder nicht waren.

Es soll keine Bezirke geben, die Juden besser nicht begehen können. Alle Bezirke sind und müssen unbegehbar für Antisemiten sein. Wer Kippa tragen möchte Unabhängigkeit all seiner Hintergründe, dann jetzt erst recht!

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MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)

  1. karakal sagt:

    Das Wort „Juden“ könnte man hier gut durch „Muslime“ ersetzen. Es darf in Deutschland keine „No-Go-Areas“, keine Bezirke geben, die Muslime aus Furcht vor Neo-Nazis besser nicht betreten sollten. Die meisten muslimischen Männer geben sich äußerlich nicht als solche zu erkennen und lassen damit ihre Kopftuch tragenden Glaubensschwestern gewissermaßen im Stich dabei, die Last zu tragen, Objekte der Anfeindung und möglicher verbaler und tätlicher Angriffe zu sein.

  2. Mike sagt:

    Karakal: netter aber letztendlich untauglicher Versuch den bei Teilen der Muslime vorhandene Antisemitismus zu relativieren.

  3. Hasan Basan sagt:

    @Mike Haben Sie eine emprische Evidenz für den vohandenen Antisemitismus bei den Muslimen wie Sie es behaupten? Haben Sie einen Vergleich zu dem Antisemitismus bei den Deutschen? Wie ist das Verhältnis? Wo muss ein Jude mehr um sein Leben fürchten: In Bezirken wie Kreuzberg, Neukölln oder doch eher in den nationalbefreiten Zonen des Ostens? Palästinenser und Araber sind auch Semiten. Gibt es einen antipalästinensischen Antisemitismus gegenüber Palästinensern? Wenn ja wie hoch ist der? Ist er höher als der Anteil der antisemitischen Palästinenser. Wer praktiziert den? Gibt es hier vielleicht enen Zusammenhang? Diese Fragen sollten Sie beantworten können, bevor Sie pauschalisieren und stigmatisieren.

  4. Mike sagt:

    Hasan Basan:

    >Der Präsident des Zentralrates Juden in Deutschland Josef Schuster empfiehlt in sogenannten Problembezirken mit einem hohen Anteil an muslimischen Einwohner keine jüdische Kopfbedeckung, die Kippa zu tragen.Ja, es gibt islamischen Antisemitismus, er ist stumpf und radikal.<

    Es geht in diesem Artikel um den bei Muslimern vorhanenen Antisemitsmus. Kein Grund für einen Rundumschlag, kein Grund sofort und unreflektiert mit dem Finger auf andere (Mißstände) zu zeigen.

  5. Hasan Basan sagt:

    Mike:

    >Es geht in diesem Artikel um den bei Muslimern vorhanenen Antisemitsmus. Kein Grund für einen Rundumschlag, kein Grund sofort und unreflektiert mit dem Finger auf andere (Mißstände) zu zeigen.<

    Es geht darum, dass hier ein Zusammenhang aufgebaut wird, der im luftleeren Raum steht. Es geht darum, dass meine Fragen von Ihnen nicht beantwortet werden konnten. Kein Grund für eine Wiederholung Ihrer Pauschalisierung, kein Grund sofort und unreflektiert seine Behauptung zu wiederholen und die Fragen zu ignorieren.

  6. El_Mocho sagt:

    „Semitisch“ bezieht isch auf eine Familie von Sprachen und hat nichts mit Verwandschaft o.ä. zu tun. Arabisch und Hebräisch sind sich ähnlicher als beide Sprachen dem Deutschen, was nicht hindert, dass viele Araber die Juden ineiner Weise hassen, die den meisten Deutschen völlig fremd ist.

    Semitische Sprachewn werden übrigens auch in Äthiopien und Eritrea gesprochen, und die dortogen Einwohner leiden sicher nicht unter Antisemitismus.

  7. Hasan Basan sagt:

    was nicht hindert, dass viele Araber die Juden ineiner Weise hassen, die den meisten Deutschen völlig fremd ist.

    Und umgekehrt?