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Man vermittelt uns ein falsches Bild // über den Islam ich begreif es nicht

Matondo ist 21 Jahre alt, angehender Sozialarbeiter und Rapper. Er schreibt seit einigen Jahren Texte über Rassismus, Diskriminierung und den sozialen Problemen in seinem Berliner Heimatbezirk Tempelhof. Sein neustes Werk "ISLAM & ICH" feierte am Sonntag Premiere. Darin verarbeitet Matondo seine Gedanken zum Attentat in Paris auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo und die zunehmende Islamfeindlichkeit in Deutschland, die er verspürt. Ein Gespräch mit ihm:

Dienstag, 27.01.2015, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 28.01.2015, 16:28 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |   Drucken

Was war deine Motivation, einen Song über Islamophobie in den Medien zu schreiben, im Kontext von Charlie Hebdo?

Matondo: Als Christ ist mir Religion und Glaube sehr wichtig. Ich kann daher die Verletzung von Muslimen sehr gut nachvollziehen, die sie empfinden, durch Karikaturen, die ihren Propheten beleidigen. Für mich hört hier die Meinungsfreiheit auf, da es eine Beleidigungen dieser Religionsgesellschaft ist. Ich bedauere und verurteile die Morde an den Menschen in Paris sehr und gleichzeitig war es mir ein Bedürfnis mit diesem Song zu zeigen, dass ich es falsch finde, eine Religion so zu verspotten.

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Du kritisierst ja nicht nur die Satire, sondern die Medien im Allgemeinen. Warum?

Matondo: Nach den Attentaten von Paris verspürte ich eine Welle der Islamophopie in den Medien. Viele stellen den Islam falsch dar, denn was in den Medien abgebildet wurde, hat nichts mit dem Islam zu tun, den ich kenne, durch meine muslimischen Freunde und ihren Familien. Der Islam respektiert alle anderen Religionen. So habe ich das von meinen Freunden gelernt.

Du beziehst Dich auch auf Politiker in deinem Song…

Matondo: Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber ich glaube den Medien und den Politikern einfach nichts mehr. Ich habe kein Vertrauen in das, was sie sagen, weil es so vieles gibt, das ich einfach anders erlebt habe. Ich wurde auch einmal ganz direkt von einer Politikerin enttäuscht: Als ich in der 1.Staffel von RAPutation.TV mitgemacht habe, durfte ich Renate Künast treffen und ihr mein „Kiez“ Tempelhof zeigen. Ich habe mit ihr über die Probleme gesprochen, die Jugendliche dort haben und sie hat mir versprochen, sich noch einmal bei mir zu melden. Das war vor 2 Jahren und ich habe seitdem nichts mehr von ihr gehört. In Tempelhof gibt es immer noch keine vernünftigen Jugendeinrichtungen und die Kids hängen immer noch auf der Straße ab. Nichts hat sich durch mein Gespräch mit ihr verändert.

Wie haben deine muslimischen Freunde auf das Attentat in Paris reagiert?

Matondo: Viele waren geschockt, andere waren wütend. Die meisten kritisieren wie ich auch, die Karikaturen. Sie verurteilen gleichzeitig das Attentat.

Hat sich seitdem etwas für sie verändert?

Matondo: Nein, die wurden schon vorher von vielen Menschen diskriminiert, z..B. werden Mädchen mit Kopftuch in der U-Bahn schief angeguckt und muslimische Männer mit Bart haben es weiterhin schwerer einen Job zu finden, so z.B bei meinem Kumpel.

Was müsste getan werden, damit sich Muslime in Deutschland wohler fühlen?

Matondo: Die Menschen müssen aufeinander zu gehen und Interesse füreinander haben. Die Leute von PEGIDA zum Beispiel, die kennen doch kaum muslimische Menschen. Ich wette, die meisten haben noch nie mit einem Moslem geredet. Das sind alles Vorurteile. Und die Muslime, die ich kenne, sind sehr tolerant und offen. Ich bin einer der wenigen Christen in meinem Freundeskreis, aber wir tauschen uns ganz normal über unsere Religionen aus, über die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten. Man lernt immer wieder etwas Neues. Wir respektieren uns gegenseitig.

Du bist RAPutation.TV seit der 1.Staffel eng verbunden. Was magst du an diesem Projekt?

Matondo: Ich finde es sehr gut, dass hier politische und sozialkritische Rapper gesucht werden und der Erfolg der beiden Staffeln zeigt ja, dass Interesse an dieser Hip Hop-Richtung besteht. Das Team von RAPutation.TV hat schon so viele gute Rapper gefördert. Ich durfte ISLAM & ICH produzieren und dabei mit Amewu zusammenarbeiten. Er hat mir gezeigt, was ich inhaltlich noch verbessern kann. Das hat mir viel gegeben! Ich denke, dass RAPutation.TV viele junge Rapper dazu animieren kann, sich mehr mit Politik zu beschäftigen. Und es ist auch gut, wenn sich Politiker die Texte anhören, aber sie sollten das dann auch ernst nehmen und nicht gleich wieder vergessen.

Möchtest du später gern mit Rap dein Geld verdienen?

Matondo: Nein, das ist nur ein Hobby. Ich möchte als Sozialarbeiter mein Geld verdienen und den Kids von der Straße helfen. Außerdem will ich eine Familie gründen. Aber eigentlich nicht in Berlin, sondern irgendwo, wo sie es besser haben. Ich möchte nicht, dass sie in solchen Verhältnissen aufwachsen müssen, wie ich.

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